T I N D E R B O X

Folge 11 bis 20

 

 
Nachfolgend die zweiten zehn Folgen von Tinderbox, der kapitalismuskritischen Sendereihe der Redaktion Alltag und Geschichte auf Radio Darmstadt.
Mehr zu dieser Sendereihe ist auf der Tinderbox-Hauptseite nachzulesen. Dort gibt es auch eine Übersicht über alle bisherigen und geplanten Folgen.
Zur Folge 11 geht es hier.
 
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Folge 11 15. Januar 2001 TBX11_15.ZIP
Hyaena Folge 10
Der Wille zur Gewalt Folge 12

Rezeptpflichtige Medikamente für unseren Hunger nach Zuwendung gibt es keine. Und so hungern wir und versuchen, mit allen seltsamen Verrenkungen uns Zuwendung zu erkaufen, zu erpressen, sie zu konsumieren oder sie einzutauschen. Passend dazu We Hunger auf dem Album Hyaena von Siouxsie and the Banshees.

Den größten Teil der Sendung habe ich mit einem Austauschbeitrag des Freien Radios Wüste Welle aus Tübingen gefüllt. Doch leider liegt mit kein Transkript dieses wirklich spannenden Textes der dortigen Moderatorin Dorothea Mann vor; ich muß daher auf ihre Website verweisen. Thema ihrer Sendung war eines der spannendsten Bücher, das mir je untergekommen ist: Der Wille zur Gewalt von Susanne Kappeler, erschienen im Verlag Frauenoffensive.

Passend dazu ein paar bissige Bemerkungen zur Frauenfrage bei Radio Darmstadt: Natürlich bilden sich die Männer bei Radio Darmstadt ein, ganz anders zu sein; und weil sie so ganz anders sind, werden ja auch nur maximal 18 Prozent unserer Sendungen von Frauen gestaltet oder moderiert. Kommen wir daher zu anderen Halluzinationen: Belladonna, die Tollkirsche, ist der Titel eines Songs auf dem Album Hyaena.

Playlist :

Siouxsie : Cocoon
Siouxsie : Dazzle
Siouxsie : We Hunger
Siouxsie : Take Me Back
Siouxsie : Belladonna
Siouxsie : Swimming Horses
Siouxsie : Bring Me The Head Of The Preacher Man

 

Folge 12 19. Februar 2001 Sendemanuskript
Blow The House Down Folge 11
Programmauftrag: Pustekuchen Folge 13

Siouxsie and the Banshees haben nicht einfach songs geschrieben, sondern wollten mit Text und Musik eine Botschaft vermitteln. Deshalb finde ich es sinnvoll und notwendig, diese Texte auch in einer sich dem Original annähernden deutschen Übersetzung vorzutragen. Denn Siouxsie and the Banshees waren keine Retortenband wie der neue deutsche hype No Angels.

Allerdings wäre es falsch zu sagen, No Angels seien die Ausnahme in der Musikbranche. Dazu zitiere ich aus dem treffenden Artikel von Heike Blümner in der berliner Wochenzeitschrift Jungle World in der Ausgabe vom 14. Februar 2001 unter der Überschrift Gecastete Engel. Die Idee mit der Retortenband ist in der Tat nicht neu. Und daß schwärmende Backfische und pubertierende Jungfrösche darauf abfahren, ebenso. Und es ist ein gutes Geschäft, das mit der Gutgläubigkeit, den Sehnsüchten und der Identitätssuche junger Menschen gemacht wird. Im Prinzip Teil des 24-stündigen Gehirnwäsche-Vollprogramms.

1966 wurden so die Monkees erfunden. Natürlich haben die Macher und vielleicht auch Macherinnen von Popstars daraus gelernt. Waren es in den 60ern vier schnuckelige Boys, so fahren die Girlies und die Jungs von heute auf die Multi-Kulti-Zur-Schau-Stellung von viel nackter Frauenhaut ab. Die fünf jungen Frauen haben natürlich keine eigene Subjektivität zu haben, sondern dem Fahrplan ihrer erfolgsgeilen Macher zu entsprechen. Peinlich ist nur, wie viele Menschen von ihrer eigenen offenen Verarschung mit einer Retortenband begeistert sind.

Das subjektive Gefühl der heutigen Jugendlichen wäre sicherlich eine eigene psychologische Studie wert; eine Studie allerdings, die sich emanzipatorischen Zielen verpflichtet fühlt. Denn Ziel muß es sein, herauszufinden, wie das neoliberale Denken in unseren Köpfen bekämpft werden kann. Als das neoliberale Denken bezeichne ich das, was heutzutage von allen Menschen erwartet wird, nämlich daß sie sich bestmöglich verkaufen und damit auch verwerten lassen.

Weil diese Selbstverarschung auch in einem nichtkommerziellen Lokalradio wie Radio Darmstadt funktioniert und einige Moderatorinnen und Moderatoren der Meinung sind, diese gequirlte Scheiße auch noch kopieren zu müssen (und zwar schlecht), habe ich den Schwerpunkt der Sendung darauf gelegt, den Sinn und Zweck eines nichtkommerziellen Lokalradios etwas ausführlicher darzulegen. Insofern ist diese Senung auch eine Anregung für alle diejenigen Radio Machenden, die nach Alternativen zum Einheitsbrei suchen.

Playlist :

Siouxsie : Running Town
Monkees : Daydream Believer
Siouxsie : Pointing Bone
Mickie Krause : Zehn nackte Friseusen
Siouxsie : Blow The House Down

 

Folge 13 19. März 2001 TBX11_15.ZIP
Rare Songs and Thoughts Folge 12
Seltene Blicke auf das Ungeheure Folge 14

Es gibt nur wenige Sängerinnen oder Gruppen, die sich dem Zwang zur vereinheitlichten Popkultur entziehen können. Siouxsie and the Banshees gehören insofern dazu, weil sie 1978 einen Plattenvertrag abschlossen, der ihnen weitgehende künstlerische Unabhängigkeit zusicherte. Das heißt, sie mußten weder Hits noch leicht eingängliche Melodien abliefern. Sie konnten experimentieren und versuchen, innovativ zu wirken. Nur kam es dann zu einem ganz anderen, ebenso ungewollten Effekt: Gerade durch ihre Ausstrahlung wurden sie als Kultband fleißig kopiert. Und so lieferte die Band - vielleicht auch als Trotzreaktion - ein Album ab, das sich ganz bewußt den Vorgaben entzog. Der Gitarrist Steve Severin verdeutlichte dies in einem Interview 1989, als er sagte:

"Als wir 1982 A Kiss In The Dreamhouse veröffentlichten, lebten die Gitarrenbands wieder auf, mit Gruppen wie U2 und Big Country, die ihre Hits landeten. Unsere Plattenfirma sagte sich ĎAha, da gibt es eine große Bewegung hin zu diesen Gitarrenbands, und alle werden sich in einer großen Welle dort einklinken, wenn auch ihr als solch eine Gitarrenband auftretet'. Und so machten wir folgerichtig das nächste Album Hyaena mit Keyboards und zeigten allen eine lange Nase."

Soviel Selbstbewußtsein ist selten vorzufinden, weil es nicht davon geprägt ist, dem nächsten Trend hinterherzulaufen und diejenigen, die diesem Trend ebenso hinterherhecheln, kräftig abzukassieren. Ganz zu schweigen davon, daß das Musikbusiness Teil einer ungeheuerlichen Gehirnwäschemaschinerie ist. Es liefert uns - je nach Musikgeschmack - das, was wir brauchen, um diese Welt erträglich zu finden und uns keine Gedanken um die ungeheuerlichen Aspekte weltweiter Ausbeutung und Unterdrückung mit all ihren negativen Folgen machen zu müssen.

Daher werde ich, begleitet von Siouxsie and the Banshees, im Verlauf der folgenden Stunde eine dieser Ungeheuerlichkeiten thematisieren, nämlich die zum Wohlergehen des weltweiten Kapitalismus notwendige Repression in der Türkei. Vor kurzem war eine darmstädter Menschenrechtsdelegation dort; und im Verlauf der Sendung werde ich aus ihrem Bericht einige Passagen senden. Diese Passagen sind leider nicht in Form von lesbaren Buchstaben vorhanden, dafür jedoch die Dokumentation der darmstädter Menschenrechtsdelegation. Sie ist erhältlich über die Stadtverordnetenfraktion OS/3 oder den DGB Darmstadt.

Playlist :

Siouxsie : 20th Century Boy
Siouxsie : Mittageisen
Siouxsie : Placebo Effect
Siouxsie : Coal Mind
Siouxsie : Cannibal Roses

 

Folge 14 16. April 2001 TBX11_15.ZIP
Nocturne Folge 13
Irrsinn als Programm Folge 15

Teilweise wiederholte Sendung vom 25.12.2000.

Mit der Besprechung des Buches von David Copeland und Ron Louis Schnapp ihn dir! Ratgeber für die erfolgreiche Männerjagd, 2001 erschienen im mvg Verlag. Daraus der folgende Auszug:

Die 14. Folge von Tinderbox habe ich Irrsinn als Programm getauft. Unsere gesellschaftliche Leitkultur ist eine heterosexuelle und das bedeutet, daß Männer und Frauen auf eine gesellschaftlich vorgegebene Art und Weise zusammenkommen sollen. Da Heterosexualität die Norm ist und schwule bzw. lesbische Beziehungen allenfalls gerade einmal geduldet werden, sollten wir unsere Gesellschaft besser als heterosexistisch bezeichnen, da sie andere als heterosexuelle Lebensentwürfe weitgehend ausschließt und diskriminiert.

Wie kommen nun Männer und Frauen zusammen? Die große Liebe fällt nicht einfach vom Himmel, sondern es gehört viel Einbildung und Entbehrung dazu. Liebe ist, anders ausgedrückt, die systematische Ausblendung der Realität. Damit zwei Menschen zueinander finden, müssen sie negative Aspekte des oder der anderen weitgehend ignorieren oder umdeuten und die positiven verstärkt wahrnehmen. Damit komme ich zu einem Schluß, den die meisten von euch wohl nicht gerne hören wollen: wer mit wem zusammenkommt, ist im Grunde beliebig, weil unsere Imaginationskraft dafür sorgt, daß wir uns einbilden, wir seien füreinander bestimmt. Und diesem Schicksal der Beliebigkeit können wir durchaus nachhelfen. So sagen es zumindest die US-amerikanischen Buchautoren David Copeland und Ron Louis.

Beide Autoren sollen, so heißt es im Klappentext des Buches erfolgreiche Flirt- und Partnerschaftskurse angeboten haben. Das von ihnen darin vertretene Grundprinzip lautet: flirte mit so vielen Männern wie möglich und wähle dann anhand bestimmter Kriterien den aus, der dir am besten paßt. Die romantische Liebe kommt dann ganz von alleine. Nun sind Männer aber sehr widerspenstige und vor allem eigensinnige Wesen, denen des öfteren jedes Sozialverhalten abgeht. Also müssen die Frauen auf derartige Prachtexemplare der Menschheit gezielt vorbereitet werden. Dazu dient der Ratgeber.

Was muß nun eine Frau tun, die sich einen Mann schnappen will? Lassen wir einmal beiseite, warum sie ausgerechnet das tun sollte, obwohl David Copeland und Ron Louis völlig korrekt sagen: Tatsache ist, daß ein Mann in ihrem Leben eine der ärgerlichsten Erfahrungen überhaupt sein kann. Dennoch müssen wir uns fragen, warum die beiden Autoren daraus nicht den Schluß gezogen haben, Frauen zu raten, zusammen mit Frauen nicht nur um Chancengleichheit zu kämpfen, sondern auch mit ihnen zusammen zu leben. Ihr Trick ist: sie ziehen das Ganze wie eine ordinäre kapitalistische Geschäftsbeziehung auf. Und dagegen ist auch nichts einzuwenden, denn Liebesbeziehungen sind in aller Regel Warenbeziehungen nach dem Motto: bist du lieb zu mir, bin ich lieb zu dir. Also, betrachten auch wir durch die Augen von David Copeland und Ron Louis das Ganze wie ein business. Männer laufen überall herum und frau muß nichts weiter tun als sie anquatschen. Da Männer sozial gesehen Idioten sind, fällt es ihnen auch nicht auf, angelogen zu werden. Frauen sollten also behaupten, unkompliziert zu sein. Wie die Autoren bemerken: Wenn es nicht ganz stimmt, werden die Männer es ohnehin erst herausfinden, wenn es zu spät ist. Was derartige Lebenslügen für eine zukünftige Beziehung bedeuten, scheint ihnen egal zu sein. Es handelt sich ja um eine Geschäftsbeziehung, und Betrug ist im Kapitalismus bekanntlich eine Maxime des Erfolgs.

Ein unnützes Buch? Nein. Es ist ein getreues Abbild einer verlogenen Welt, die Menschen nach Marktkriterien behandelt und benutzt und im Normalfall dann auch wie eine leere Bierdose wegwirft. Wer sich in dieser verlogenen Welt zu Hause fühlt, ist mit diesem Buch gut beraten, denn die zukünftige Ehe wird wie eine Geschäftsbeziehung systematisch aufgebaut und auch gepflegt.

Playlist :

Igor Strawinski : Le Sacre du Printemps (Auszug)
Siouxsie : Nocturne (komplettes Album)
Siouxsie : All Tomorrow's Parties

 

Folge 15 21. Mai 2001 TBX11_15.ZIP
Graffiti Folge 14
Ordnungsknechtelei in der Stadt der Künste Folge 16

Die Ordnungsknechtel dieser Stadt haben sich am vergangenen Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung getroffen, um über eine Magistratsvorlage mit dem Titel Beseitigung der Graffiti-Sprühereien an den städtischen Gebäuden und sonstigen städtischen Einrichtungen zu debattieren. In minutiöser Kleinarbeit haben die Saubermänner und Sauberfrauen dieser Stadt eine Liste von 178 Orten zusammengetragen, an denen Graffitis gesichtet worden sind. Deren Beseitigungskosten werden in der Magistratsvorlage auf knapp eine Million Mark geschätzt.

Ich will hier nicht darüber debattieren, ob es sich um Kunst oder Schmierereien handelt. Allein schon die Debatte über diese Frage geht am Thema vorbei. Wir müßten ja ohnehin zunächst einmal klären, was Kunst ist - und da gibt es mehr Meinungen als Menschen, die sich berufen fühlen, dazu etwas zu sagen. Daran schließt sich die Frage an: wer hat in dieser Gesellschaft und in unserer Stadt die Definitionsmacht, darüber zu bestimmen, was Kunst sein soll und was nicht? Die üblichen Verdächtigen? Die opinion leader, wie das auf Soziologendeutsch so schön heißt? Die Reichen und Mächtigen und ihre willfährigen Ideologieproduzenten etwa? Frauen ja wohl weniger, weil Kunst bekanntlich männlich definiert wird. Reden wir dann von Kunst als Repräsentation von Macht oder von Kunst als Ware? Ist Kunst dann das, was sich verkauft?

Nein - diese Diskussion führt uns nicht weiter; sie zeigt allenfalls auf, daß Kunst eine Begrifflichkeit ist, die Normen setzt, denen sich diejenigen zu unterwerfen haben, die ihre Kreativität verkaufen sollen oder müssen. Kunst als etwas Hehres, über den Bedingungen von Macht und Produktion Stehendes, ist ein alberner Gedanke. Kunst ist das, was diese Gesellschaft als Kunst definiert. Mehr nicht. Alles andere wird ausgegrenzt und ist - auf Graffiti bezogen - Geschmiere.

Lassen wir bei der Beurteilung von Graffiti auf Mauern und fremden Eigentum doch einmal die Kunst außen vor. Was sehen wir dann? Etwas Fremdes, für uns Unverständliches? Ist es das Fremde, was uns erregt und uns zur Ablehnung rät? Laßt uns doch einmal anders herum argumentieren. Expressionismus, Impressionismus, Surrealismus oder Kubismus trafen doch auch auf Ablehnung. Nur mit dem Unterschied, daß sich diese Kunstformen im geschlossenen Raum des herrschaftlichen Kunstdiskurses entwickelt und etabliert haben. Bei Graffitis tritt uns etwas Anderes entgegen - nämlich tatsächlich das Andere. Zumindest oberflächlich handelt es sich hier um den Ausdruck von Verweigerung, von Identitätssuche und von Landnahme - alles zunächst einmal gegen die herrschenden Normen und Lebenseinstellungen gerichtet, wenn auch nicht bewußt als politisch begriffen.

Und ich denke, genau das ist es, was unsere Ordnungsknechtel gleich welchen Geschlechts, welcher Partei und welcher Nationalität stört. Die herrschende Ordnung wird einfach ignoriert. Sie - die vermeintlich Mächtigen und diejenigen, die sonst immer etwas zu sagen haben und nur ihre Stimme hören wollen - ja sie werden einfach ignoriert. Und das darf nicht sein. Woraus sich zwingend der Ruf nach Ordnung und Sauberkeit erhebt. In der folgenden Stunde werde ich daher diejenigen zu Wort kommen lassen, die am vergangenen Donnerstag in der Stadtverordnetenversammlung über die Jugend geredet haben, mal ein bißchen verständnisvoll, mal ein bißchen pädagogisch, mal ablehnend, mal paternalistisch.

Die Originaltöne dieser wirklich aufschlußreichen Stadtverordnetenversammlung hat Christian Knölker aus der Lokalredaktion von Radio Darmstadt dankenswerterweise beigesteuert.

Playlist :

Siouxsie : Supernatural Thing
Siouxsie : A Sleeping Rain
Siouxsie : Tattoo
Siouxsie : I Promise
Siouxsie : Voices
Siouxsie : Red Over White

 

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Folge 16 18. Juni 2001 TBX16_20.ZIP
92 Degrees Fahrenheit Folge 15
Wetterbericht Folge 17

Die Sendung beginnt mit Candyman von Siouxsie and the Banshees aus dem Album Tinderbox aus dem Jahre 1986. Die Sängerin Susan Dallion zu diesem ersten Song des Albums, sechs Jahre nach dessen Erscheinen:

"Candyman war der Versuch, die Unaussprechlichkeit des Kindesmißbrauchs rüberzubringen, ohne Sensationshascherei. Einfach mit einem klaren Bild eines Charakters, der krankhaft süß war und schwitzend abstoßend. Die Anzahl der Menschen, die mißbraucht worden sind, ist unglaublich, und es ist erst seit kurzem möglich, dieses Thema in die Öffentlichkeit zu bringen. Das Ganze ist solch eine Gewalterfahrung, und du begreifst, daß die Opfer solch eine Angst gehabt haben müssen, überhaupt etwas zu sagen. Eben weil sie vom Täter gesagt bekommen haben, daß sie sonst zur Hölle oder sonstwohin fahren würden. Ich vermute, daß die Religion besonders schuldig daran ist, dies zu begründen. Organisierte Religion ist trennend und teilend, nicht das, was sie sein sollte. Und unterdrückend. Und sie stellt sicher, daß niemand und keine die Wahrheit sagt. Sie benutzen die Furcht vor Gott, um die Menschen niederzuhalten und gehorsam."

Susan Dallion hat sich allerdings noch ein paar mehr Gedanken dazu gemacht, und ich denke, es ist lohnend, darüber nachzudenken: "Es hat wirklich mit dem Mißbrauch des kindlichen Vertrauens, der Unschuld und der Abhängigkeit Heranwachsender zu tun, in sexueller, aber auch in anderer Hinsicht. Ich finde, alles, was damit zu tun hat, ist widerwärtig. Unser Manager denkt, es geht um Drogen, der Candyman als Drogendealer oder so. Ich vermute, man kann es so interpretieren, wenn du denkst, daß junge Menschen als Droge benutzt werden."

Manchmal ist es vielleicht nützlich, über den eigenen Tellerrand zu schauen und zu erkunden, was für Erfahrungen es denn sonst noch auf dieser wirklich seltsamen Welt gibt. Alf Gerlach hat seine ethnopsychoanalytischen Erkundungen in einem kleinen Buch mit dem ungewöhnlichen Titel Die Tigerkuh zusammengefaßt. Er geht also davon aus, daß durch das Kennenlernen psychischer Phänomene in anderen Kulturen der eigene Blick für das, was in unserer Kultur vorgeht, geschärft werden kann. Und so beschäftigt er sich vornehmlich mit China und seiner Kultur. Selbstverständlich handelt es sich hierbei nicht einfach um wissenschaftliche Untersuchungen, die aus der Faszination einer fremden Kultur gespeist sind. Womit immer er sich auseinandersetzt - es soll dabei nicht nur ein Verstehen der anderen, sondern auch ein besseres Verständnis der eigenen Kultur herauskommen. Das lesenswerte Buch von Alf Gerlach ist im Psychosozial-Verlag erschienen.

Playlist :

Siouxsie : Candyman
Siouxsie : The Sweetest Chill
Siouxsie : This Unrest
Siouxsie : Cities In Dust
Siouxsie : Cannons
Siouxsie : Partys Fall
Siouxsie : 92 Degrees
Bob Dylan : Subterranean Homesick Blues

 

Folge 17 16. Juli 2001 TBX16_20.ZIP
Cities in Dust Folge 16
Metropolenschutt Folge 18

Der Begriff Weltschmerz stammt von Jean Paul und meint eine spezifische Ausprägung des literarischen europäischen Pessimismus im frühen 19. Jahrhundert. Zwar hat dieser Pessimismus schon antike Wurzeln, doch neu ist für den Pessimismus des 19. Jahrhunderts eine zwischen Schwermut und Zynismus schwankende Stimmung eines ganz subjektiv gefärbten Überdrusses insbesondere auch am zivilisierten Europa der damaligen Zeit. Dieser Überdruß ist eine gesamteuropäische Erscheinung gewesen.

Die Romantik rettet sich aus dem Weltschmerz häufig in Religiosität. Autoren wie Heinrich Heine und Georg Büchner formulierten dagegen einen bewußten Weltschmerz in politisch-polemischer Weise. Seither ist Weltschmerz zu einer Vokabel geworden, die eher den Zustand jugendlicher Unreife als den des objektiven Vorhandenseins einer Unvereinbarkeit von einem inneren Reichtum und einer dafür zu armen Wirklichkeit meint. Poetische Nachklänge des Weltschmerzgefühls finden sich allenfalls in neuromantischer Lyrik, wie etwa beim frühen Hesse.

Dieser Überdruß, dieser Rückzug auf Gefühle gegen die rationale Welt - das hat natürlich auch etwas Reaktionäres an sich. Das heißt, literarische oder - wie hier - musikalische Verarbeitungen dieser Weltschmerzgefühle sind anfällig für konservative, rückwärtsgewandte, gegenaufklärerische, mystische und damit antiemanzipatorische politische Strömungen. Das heißt nicht, daß Musikerinnen wie Anne Clark deshalb so denken oder gar handeln. Aber es bedeutet, daß hier ein Einfallstor für rechte und damit verbunden auch elitäre Vorstellungen aufgemacht wird.

Die Weltschmerzromantik von heute findet sich in der Dark Wave- und Gothic-Szene wieder, die allerdings selbst ziemlich widersprüchlich ist. Einerseits will sie sich nicht politisch vereinnahmen lassen, andererseits ist diese Bewegung in ihrem Ausdruck durchaus nicht unpolitisch. Diese Bewegung ist von ihrem Grundverständnis her tendenziell antikapitalistisch - was sowohl einen solidarischen Gegensatz zur Entfremdung im Kapitalismus bedeuten kann als auch einen mystischen Räckzug in naturverbundene Welten. Und diese mystischen Welten können ziemlich reaktionär sein. Denn wenn die Natur in den Vordergrund gestellt wird, hat der Mensch sich unterzuordnen. Sozialdarwinismus, Antisemitismus und Rassismus sind mit diesem Naturverständnis kompatibel. Folgerichtig betrachtet die Neue Rechte die Dark Wave- und Gothic-Szene auch als einen Ansatzpunkt, eigene politische Inhalte hineinzutragen und diese Bewegung für rechte Gesellschaftsmodelle zu gewinnen.

Wahrscheinlich werden sie daran scheitern, weil diese Bewegung einfach unpolitisch sein will - und dennoch nicht merkt, daß sie dadurch politisch ist. Denn die im Dark Wave oder Gothic vertretenen Werte und Haltungen wirken sich im Alltag durchaus aus. Es gibt in einer politisierten Gesellschaft mit Ausbeutung und Herrschaft keine unpolitische Nische. Was immer eine oder jemand tut oder nicht tut - es bestärkt vorhandene Tendenzen oder hält den Trend nach rechts zumindest nicht auf. Was dabei immer vergessen oder verdrängt wird: sich für keine Position zu entscheiden, ist auch eine Entscheidung - und zwar eine für Nichtveränderung, eine für das Zulassen der gegebenen vorherrschenden Verhältnisse. Doch wer Unbehagen verspürt, sollte allen Grund haben, diesen Verhältnissen selbst auf den Grund zu gehen, um sie zu verändern.

Siouxsie and the Banshees sind dennoch ganz sicher keine Band, die sich fär rechte Ziele oder Ideologien vereinnahmen läßt. Allerdings zeigte sich die Anfälligkeit zumindest in den ersten beiden Jahren der Gruppe, als sie in typisch provokanter Haltung der englischen Jugendlichen Mitte der 70er Jahre Punk mit dem demonstrativem Tragen von Hakenkreuzen verband. Als dann jedoch die britische neofaschistische National Front zu den Konzerten der Band mobilisierte, stellte die Band unmißverständlich klar, daß Nazis unerwünscht sind.

Dennoch arbeiten auch Siouxsie and the Banshees mit Gefühlen. Doch betrachteten sie Musik nicht als etwas, was sich kommerziell verwerten läszlig;t. Sie schrieben keine Songs und spielten keine Musik, die im Trend ist. Sie verweigerten sich den Wünschen ihrer Plattenfirma, die eine bestimmte stilistische Ausrichtung vorgab - weil es sich gut verkaufte. Statt dessen drückten sie aus, daß es neben der kapitalistischen Entfremdung Gefühle gibt. Susan Dallion war 19, als sie erstmals auftrat, und sie erwartete etwas von dieser Welt; und zwar etwas anderes, als diese Welt bereit ist, jungen Menschen zu geben. Besteht der Lebenssinn darin, die nächsten 40-50 Jahre arbeiten zu gehen? Darin, irgendwelche Jobs anzunehmen und bei passender Gelegenheit wieder auf die Straße geworfen zu werden?

Oder darin, zwischen Milka und Milky Ways auswählen zu dürfen; und alle vier Jahre ein Kreuz abzuliefern? Offensichtlich nicht. Nur artikulieren dies Siouxsie and the Banshees nicht in genau diesen Worten. Rockmusik ist ja nicht unbedingt eine 1:1-Übertragung der Realität in Gitarre, Gesang und Schlagzeug. Aber was die Band eingefordert hat, was ihre Fans aber wohl nur zum Teil verstanden haben, ist, sich mit dieser Welt konstruktiv auseinanderzusetzen. In die Songs läßt sich eine Menge hinein interpretieren, und das war auch erwünscht. Aber es kann ja nicht darum gehen, sich die Musik reinzuziehen, sich zurückzulehnen, und alles so zu lassen wie es ist. Nur - Siouxsie and the Banshees waren, wie gesagt, keine politische Band. Politisches Handeln werden wir bei ihnen nicht vorfinden. Aber es gibt den einen oder anderen Hinweis, aus dem klar wird, daß für sie selbst rechte Gesellschaftsmodelle mit dem, was sie in ihren Songs ausdrückten, unvereinbar sind.

Playlist :

Siouxsie : Lands End
Anne Clark : Weltschmerz
Siouxsie : The Quarterdrawing Of The Dog
Gisela May : Macki Messer
Siouxsie : An Execution
Siouxsie : Lullaby
Siouxsie : Umbrella
Siouxsie : Cities In Dust (Extended Version)

 

Folge 18 20. August 2001 TBX16_20.ZIP
Creatures Folge 17
Algerische Nacht Folge 19

Diese Folge von Tinderbox verläuft an zwei Strängen entlang. Zum einen werde ich auf ein Nebenprojekt der Band Siouxsie and the Banshees näher eingehen - The Creatures. Zum anderen möchte ich den vor kurzem auf Deutsch erschienenen Roman von Assia Djebar Oran - Algerische Nacht vorstellen, wozu in gewisser Weise auch das gerade gehörte Stück paßt, gesungen von Reinette l'Oranaise - also auf Deutsch: der Regentin von Oran. Oran liegt im Westen nahe der marokkanischen Grenze am Mittelmeer, direkt gegenüber von Andalusien. Andalusische Einflüsse finden sich nicht nur in der algerischen Jugendmusik des Raï wieder (der übrigens ursprünglich aus Oran stammt), sondern auch in diesem Stück.

Assia Djebar schreibt nicht losgelöst von der algerischen Realität - einer vor allem für Frauen harten, zum Teil auch mörderischen Realität. Es sind ja nicht nur islamische Fundamentalisten, die ihre männliche Gesellschaftsordnung durchsetzen wollen. Auch der Staatsapparat, verkörpert durch das Militär, hat ein Interesse an der Unterdrückung von Frauen und erst recht keines an einer organisierten Frauenbewegung. Denn es war eine organisierte Frauenbewegung, die mithalf, Ende der 80er Jahre einen - wenn auch kurzen - demokratischen Frühling einzuleiten.

Davon nicht losgelöst kann das Spannungsverhältnis zwischen der sprachlichen und kulturellen Arabisierung des Landes und seiner berberischen Minderheit betrachtet werden, die etwa ein Viertel bis ein Drittel der algerischen Bevölkerung beträgt. Zum politischen Sprengstoff wurde gerade in den 80er Jahren die Koalition zwischen Berber- und Frauenbewegung. Dies hat der Machtapparat nicht vergessen. Auch Assia Djebar sieht einen Zusammenhang zwischen der arabischen und kolonialen Unterdrückungspolitik gegenüber den Frauen und der diskriminierenden Sprachpolitik gegen das berberische Tamazight und dessen Schrift Tifinagh. Die Romanistin Esther Winkelmann hat daher die literarischen Werke Assia Djebars unter dem Blickwinkel des Schreibens als Gedächtnisarbeit untersucht.

Lesenswert hierzu das Buch von Assia Djebar Algerische Nacht, erschienen im Unionsverlag. Weiterhin die biographischen Angaben von Clarisse Zimra aus dem Nachwort zu Assia Djebars Durst, sowie die Untersuchung von Esther Winkelmann, erschienen 2000 im Pahl-Rugenstein Verlag.

Playlist :

Reinette d'Oranaise : Kif amali ou hilti
The Creatures : Right Now
The Creatures : Mad Eyed Screamer
The Creatures : But Not Them
The Creatures : Inoa'ole
The Creatures : Gecko
The Creatures : Miss The Girl
The Creatures : Standing There
The Creatures : Manchild

 

Folge 19 17. September 2001 TBX16_20.ZIP
Gloves Folge 18
Schattenboxen Folge 20

Es ist jetzt fast eine Woche seit dem terroristischen Anschlag auf zwei Lebensadern des globalen Kapitalismus vergangen - auf das weltweite Finanzzentrum mit der Wallstreet und dem World Trade Center und auf das Pentagon. Seither leben wir in einer medialen Betroffenheitswelt, die unser Denken und vor allem unser Nachdenken nachhaltig ausschalten soll. Auch wenn es mir in einer Sendung wie dieser überhaupt nicht möglich ist, die Welt wieder gerade zu rücken, so möchte ich doch einige zum Nachdenken anregende Gedanken formulieren. Terrorismus, erst recht religiös fundierter Terrorismus, entsteht nicht im luftleeren Raum. Es sind keine Irren, die auf dem Todestrip sind. So bizarr ihre Glaubensvorstellungen sein mögen, so faschistisch der gezielte Angriff auch (wenn auch nicht nur) auf ganz normale Menschen - der Angriff ist ohne den täglichen Terror kapitalistischer Ausbeutung gerade in den Ländern der 3. Welt überhaupt nicht zu denken.

Musikalisch gestaltet wird diese Folge von einem Seitenprojekt der Gruppe Siouxsie and the Banshees. Steven Bailey alias Steve Severin, der Bassist der Band, und Robert Smith von The Cure, der jahrelang der Band aushalf, wenn sie einen weiteren Gitarristen benötigte, nahmen 1983 das Album Blue Sunshine für ihr Projekt The Glove auf. Der Name der Band bezog sich auf die Fäuste der Blaumiesen im Beatles-Film Yellow Submarine. In der letzten Folge hatte ich ja schon das andere Seitenprojekt namens The Creatures vorgestellt. Sollte es euch angesichts der Bilder aus New York und Washington pervers vorkommen, ein seicht daherschwimmendes Album wie Blue Sunshine zu spielen, dann habt ihr recht. Ich spiele hier nicht das Standard-Betroffenheitsprogramm in Form der angeblich reinen und ernsten klassischen Musik, wobei ich den auf diesem Sender zu diesem Zweck gespielten Beethoven mit seiner bombastischen Musik für einen grotesken Fehlgriff halte.

Während diese Sendung läuft, sterben weltweit etwa 1000 Kinder an Hunger und Unterernährung oder leicht heilbaren Krankheiten. Die UNO bestätigt es immer wieder: weltweit werden genügend Lebensmittel hergestellt, um alle Menschen dieser Erde ausreichend ernähren zu können. Aber Kinder, zumal Kinder aus den Ländern der Dritten Welt, sind ohne Kaufkraft. Sie bilden keinen lukrativen Markt, und deshalb werden sich selbst überlassen. Jeden Tag sterben so etwa 30.000 Kinder, täglich sechs Mal so viele wie unter dem World Trade Center als vermißt und tot vermutet werden. Keine einzige Kerze, keine einzige Betroffenheitsbotschaft, keine einzige Schweigeminute nimmt von diesem Terror Notiz. Es ist der normale kapitalistische Wahnsinn. Kein Fußballspiel wird deswegen abgesagt, kein Fernsehprogramm abgeändert.

Wir sehen nicht zehntausend Mal dieselben Bilder von hungernden und ausgestoßenen Kindern dieser global One World. Nein - der Tod von 30.000 Kindern pro Tag, von 10 Millionen Kindern pro Jahr, nein, dieser Tod wird nicht spektakulär in Szene gesetzt. Es wird auch kein Hollywood-Film über diesen Massenmord geplant, wie dies nach den Anschlägen in New York und Washington der Fall ist. Das kapitalistisch erzeugte Elend verkauft sich eben nicht an den Kinokassen. Kinder zählen nicht. Kinder aus der Dritten Welt schon gar nicht. Die Opfer entstammen nicht den reichen westlichen Metropolen des Kapitals. Folgerichtig bewilligt der US-amerikanische Kongreß 40 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau kapitalistischer Ausbeutungsstrukturen und imperialistischer Militär-Arroganz. Alle Kinder dieser Welt könnten mit diesen 40 Milliarden Dollar auf Jahre hinweg nicht nur vor dem Hungertod gerettet werden, sondern sie könnten auch ein Leben in Würde führen.

Mich wundert es nicht, wenn in Palästina die Kinder des Krieges Freudentänze aufgeführt haben sollen.

Playlist :

The Glove : Like An Animal
The Glove : Looking Glass Girl
The Glove : Sex-Eye-Make-Up
The Glove : Mr. Alphabet Says
The Glove : A Blues In Drag
The Glove : Punish Me With Kisses
The Glove : The Green City
The Glove : Orgy
The Glove : Perfect Murder
The Glove : Relax

 

Folge 20 15. Oktober 2001 TBX16_20.ZIP
Mirrors Folge 19
Spiegelungen Folge 21

1987 nahmen Siouxsie and the Banshees ihr zehntes Album auf, dessen Titel komplett aus Cover-Versionen mehr oder weniger bekannter Songs bestanden. Wer allerdings geglaubt hatte, daß es sich um ein langweiliges Album mit billigen Kopien von Klassikern der Jazz-, Rock- und Popgeschichte handeln würde, sah sich getäuscht. Through The Looking Glass, so der Titel des Albums, kann zurecht zu den besten Alben der Band gezählt werden (wenn man und frau diese Art Musik mag).

Die heutige Folge endet mit Strange Fruit von Billie Holiday. Es ist kein Zufall, daß Siouxsie and the Banshees sich ausgerechnet dieses Liedes angenommen haben. Es behandelt den Rassismus in den Südstaaten der USA - schwarze Körper, die in den Pappeln in einer leichten Brise baumeln. Es mag uns daran erinnern, daß ausgerechnet das Land, in dem der Ku Klux Klan bis heute sein Unwesen treiben darf, und das Land, das unter Kanther und Schily auch die letzten Reste des Asylrechts beseitigt hat, während Nazibanden selbstverständlich weder gerastert noch aufs Mururoa-Atoll ausgwiesen werden, daß also diese beiden Länder sich anmaßen, unbotmäßigen Reaktionären in anderen Teilen der Welt vorzuschreiben, wie sie mit der Bevölkerung ihres Landes umzuspringen haben.

Einen Strang der Sendung bildet daher ein Redebeitrag von Aleko Karaberis auf einer Antikriegskundgebung in Darmstadt. Einen zweiten das Album Through The Looking Glass. Clemens Beier aus der Musikredaktion von Radio Darmstadt machte mich hierbei auf einen Aufsatz von Ulf Poschardt aufmerksam, der Pop und Affirmation bei Kraftwerk, Laibach und Rammstein zum Thema hat. Erschienen ist er in Band 3 der Neuen Folge der Theoriezeitschrift Die Beute.

Playlist :

Siouxsie : This Town Ain't Big Enough For Both Of Us
Sparks : This Town Aint't Big Enough For Both Of Us
Siouxsie : Hall Of Mirrors
Kraftwerk : Hall Of Mirrors
Siouxsie : Trust In Me
Bob Dylan : This Wheel's On Fire
Siouxsie : This Wheel's On Fire
Billie Holiday : Strange Fruit
Siouxsie : Strange Fruit

 

 

Diese Seite wurde zuletzt am 18. Juni 2011 aktualisiert.
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