Felicia Langer

Israel – Palästina

 

 
Felicia Langer ist eine ehemalige israelische Rechtsanwältin, die aus ihrer politischen und juristischen Praxis einen klaren Blick auf das wirft, was die israelische Okkupationspolitik in Palästina angerichtet hat. Auf dieser Seite habe ich mehrere Besprechungen ihrer Bücher versammelt.
 
 
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LASST UNS WIE MENSCHEN LEBEN

 

Vortrag von Felicia Langer am 15. Februar 2001 in Darmstadt
In der Sendung am 26. Februar 2001 habe ich Ausschnitte des Vortrags über die israelische Aggressionspolitik gegen Palästina gesendet. In meinem Vorwort zum Mitschnitt habe ich folgendes gesagt :
 

Am 15. Februar war die ehemalige Rechtsanwältin aus Israel, Felicia Langer, die seit elf Jahren in Deutschland lebt, zu Gast in Darmstadt. In ihrem Vortrag, den sie im Schloß vor rund 100 Zuhörerinnen und Zuhörern hielt, sprach sie über die politische Situation in Israel und Palästina. Laßt uns wie Menschen leben, forderte sie, die über zwei Jahrzehnte lang diejenigen anwaltlich verteidigte und publizistisch unterstützte, die durch das israelische Besatzungsregime von ihrem Land vertrieben, gefoltert und eingesperrt worden waren.

Felicia Langer, geboren 1930 in Polen, mit ihren Eltern vor den Nazis in die Sowjetunion geflohen, nach Ende des Zweiten Weltkrieges zurückgekehrt, emigrierte 1950 nach Israel. Zunächst schlug sie sich, die einen Überlebender der Konzentrationslager geheiratet hatte, als Schneiderin durch, wurde dann Mutter, und beschloß, als ihr Sohn sechs Jahre alt war, Jura zu studieren. Als Kommunistin [Anm.: Felicia Langer hat die Israelische Kommunistische Partei Anfang der 90er Jahre verlassen] hatte sie jedoch nach erfolgreich absolviertem Examen keine Chance, eine Anstellung zu finden, und so eröffnete sie eine eigene Kanzlei.

Schon seit Anfang der 50er Jahre, kurz nach ihrer Ankunft in Israel, sah sie das Elend der Palästinenserinnen und Palästinenser. Die beiden Kriege 1956 und 1967 waren – wie der Krieg von 1948 – begleitet von Vertreibungen und Massakern. Felicia Langer schaute nicht weg, engagierte sich, und es war unvermeidlich, daß sie sich nach dem Sechs–Tage–Krieg von 1967 als jüdische Anwältin für die palästinensischen Bewohnerinnen und Bewohner wie auch für die Flüchtlinge in den Lagern einsetzte. 23 Jahre lang vertrat sie diese vor zivilen und Militärgerichten, bis sie zu dem Schluß kam, daß es sinnlos sei, weiter als Anwältin tätig zu sein und ohnmächtig mit ansehen zu müssen, wie die israelische Justiz (fast) jedes Unrecht legitimierte. 1990, in dem Jahr, in dem sie für ihr Engagement den Alternativen Nobelpreis erhielt, wanderte sie deshalb nach Deutschland aus.

Auf deutsch sind von ihr im Lamuv Verlag mehrere Bücher erschienen:

  • Wo Haß keine Grenzen kennt – Eine Anklageschrift. Darin untersucht sie das Massaker von Hebron 1994, bei dem der jüdische Siedler Baruch Goldstein 29 betende Palästinenser ermordete.
  • Brücke der Träume – Eine Israelin geht nach Deutschland. Wie erleben sie, die vor den Nazis fliehen mußte, und ihr Mann, der fünf Konzentrationslager überlebte, das Deutschland der 90er Jahre?
  • Die Zeit der Steine. Eine leidenschaftliche Anklage gegen das menschenverachtende Vorgehen der israelischen Besatzungs– und Siedlungspolitik.
  • Zorn und Hoffnung, ihre Autobiographie. Wer genauer wissen will, womit sie als Anwältin und die Menschen in Palästina täglich konfrontiert waren und sind, sollte einen Blick in diese Bücher werfen.

Natürlich gibt es da ein Problem. Israel zu kritisieren ist in einem Land, in dem der Antisemitismus immer noch verbreitet ist, gar nicht so einfach. Die Gefahr liegt nahe, Beifall von der falschen, nämlich aus der rechten Ecke zu bekommen. Hierzu sagt Felicia Langer zum Schluß ihres Vortrages einige eindringliche Worte.

So bleibt mir nur noch, kurz auf das Buch von Norman Finkelstein einzugehen, in dem er jüdischen Organisationen vorwirft, mit dem Holocaust Geschäfte zu machen. Daß Finkelsteins Buch besonders in Deutschland gut ankommt, hat Gründe. Anton Landgraf schrieb hierzu in der berliner Wochenzeitschrift Jungle World am 14. Februar 2001:

Die deutsche Industrie und die Schweizer Banken können sich freuen. Für sie kommt Finkelstein zur rechten Zeit. Mit ihrer Forderung nach absoluter Rechtssicherheit hat die deutsche Wirtschaft [...] den Verhandlungen über eine Entschädigung für ehemalige Zwangsarbeiter eine endgültige Absage erteilt [...]. Finkelstein bestätigte hingegen den Deutschen ein einwandfreies Verhalten. Während die USA ihrer historischen Verbrechen wie der Ermordung der Indianer oder der Sklaverei kaum gedenke, habe sich Deutschland bei der Aufarbeitung der nationalsozialistischen Verbrechen vorbildlich verhalten. Doch dies werde von den jüdischen Organisationen nur ausgenützt. [...] Daß er seine Unterstellungen nicht beweisen kann, stört ihn und seine Anhänger am wenigsten. In Zürich konnte er auf Nachfrage kein einziges Beispiel dafür angeben, wer Entschädigungszahlungen abgezweigt habe.

Norman Finkelstein spricht von einer Holocaust–Industrie, aber er meint nicht die deutschen Banken und Konzerne, die das Zahlen von lächerlich geringen Entschädigungszahlungen immer weiter herauszögern. Es sind diese Banken und Konzerne, die auch durch das Geschäft mit Zwangsarbeit und von der SS abgestellten Arbeiterinnen und Arbeitern aus den Konzentrationslagern heute eine weltweit führende Rolle einnehmen. Zu nennen wären hier – unter anderen – die Deutsche Bank, die Dresdner Bank und DaimlerChrysler. Ich denke, die jüdischen Organisationen, denen Finkelstein Erpressung vorwirft, haben noch viel zu wenig gefordert. Statt dessen wird Finkelstein von Neonazis bis weit in die bürgerliche Mitte dieser Gesellschaft Beifall gezollt.

Doch hören wir nun Felicia Langer zu, die uns ein Israel vorstellt, das so gar nicht zu dem paßt, was die bundesdeutschen Medien uns glauben lassen wollen. Sie steigt ein mit der aktuellen politischen Situation, mit Scharon, Barak und der neuen palästinensischen Intifada.

 

 

QUO VADIS ISRAEL ?

 

In meinem Radiowecker–Beitrag vom 25. November 2001 habe ich das Buch "Quo vadis Israel" vorgestellt. Felicia Langer nimmt mit diesem Buch faktisch die aggressive Politik Ariel Scharons im Winter 2001/2002 vorweg und erläutert deren Grundlagen. Es folgt der Text des Radiowecker–Beitrags :
 

Felicia Langer ist eine der bekanntesten Israelis und dennoch in Israel nicht wohlgelitten: in Palästina schon. Mehr als 20 Jahre lang mußte sie als Anwältin erleben, wie Militärs und Justiz die Rechte der Palästinenserinnen und Palästinenser mit Füßen traten. Die israelische Willkür während der ersten Intifada 1987 bis 1993 ließ sie zum dem Schluß kommen, daß es keinen Sinn mehr hat, juristisch dagegen vorzugehen und damit dem Besatzungsregime noch Legitimation zu verleihen. Sie schloß ihre Kanzlei; 1990 zog sie nach Deutschland; im selben Jahr wurde sie mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet. Doch verteidigt sie weiterhin politisch diejenigen, die das Pech gehabt haben, unter israelische Besatzung zu geraten. In ihrer Autobiographie Zorn und Hoffnung beschrieb sie den Alltag dieser Besatzungspolitik und zeigte gleichzeitig, daß es möglich ist, als Jüdin und Israelin Partei für diejenigen zu ergreifen, die von der Weltöffentlichkeit weitgehend ignoriert werden

Im September letzten Jahres zog Ariel Scharon unter immensem Militär– und Polizeischutz in provokativer Absicht auf den Tempelberg in Jerusalem und löste damit die zweite Intifada aus. Jahre aufgestauter Wut, voller Schikanen und fortgesetzter Siedlerwillkür, entluden sich. Felicia Langers neuestes Buch Quo vadis Israel? fragt dann auch danach, wohin sich Israel bewegt. Ein Friedensprozeß ist nicht in Sicht, wobei die israelische Seite unmißverständlich klar macht, daß es nur Frieden zu ihren Bedingungen geben kann. Völkerrechtswidrig leben die Palästinenserinnen und Palästinenser in einer Art Apartheidsystem. Während sich Schimon Peres und Ehud Barak als Friedensengel darstellten, wurde für Stück immer mehr Land enteignet und die Besitzerinnen und Besitzer vertrieben. Doch völlig neu ist die Situation seit einem Jahr. Mit Hilfe von Abriegelungen, Ausgangssperren und dem Ausrufen des Belagerungszustandes führt Israel einen brutalen Wirtschaftskrieg gegen die Zivilbevölkerung. Und während Felicia Langer in Zahlen die Vernichtung industrieller Einrichtungen, von Wohnhäusern und anderen Gebäuden mit mehreren hundert Millionen Mark beziffert, beschreibt sie anschaulich, was simple Straßensperren für ganz normale Menschen bedeuten können, wenn sie nicht mehr ins Krankenhaus fahren dürfen.

Doch haben Deutsche überhaupt das Recht, sich hier zu äußern? Felicia Langer ist das Problem bewußt; aber sie fragt auch, ob es menschlich und zulässig ist, zu schweigen, wenn in Palästina Menschen die elementarsten Menschenrechte verweigert werden. Die Kritik an Israel muß daher eine sein, die nicht – wie bei Joschka Fischer – eigene Interessen miteinfließen läßt. Für Felicia Langer ist es jedenfalls klar, daß es eine Kritik an Israel geben kann, die nicht antisemitisch ist.

Und während sie leidenschaftlich gegen die Besatzungspolitik anschreibt und anredet, während sie in Israel nie besonders beliebt war, wird sie 1998 von einer als unpolitisch geltenden israelischen Frauenzeitschrift als eine der 50 Frauen ausgewählt, die es geschafft haben, der israelischen Existenz ihren Stempel aufzudrücken. – Besteht doch Hoffnung auf Besserung? Kaum, denn die große Koalition von Peres, Barak und Scharon besteht weiter auf bedingungsloser Unterwerfung; und die Zustimmung für diese Politik in Israel ist groß.

Natürlich schreibt Felicia Langer auch über die Gewalt, die seitens der Palästinenserinnen und Palästinenser ausgeht. Doch was sind Steine, Bomben und ein paar antiquierte Gewehre gegen Panzer, tödliche Gummigeschosse und nächtliche Hubschrauberangriffe? Keine Frage, Felicia Langer verurteilt die Gewalt. Aber sie fragt immer, woher sie kommt. Es ist eine Gewalt gegen die Besatzung; und so schreibt sie erst recht von der Gewalt, die so alltäglich ist, daß wir geneigt sind, sie zu übersehen – sie schreibt von staatlicher Gewalt und Staatsterrorismus. Doch Felicia Langer schließt ihr Buch mit dem Hinweis darauf, daß auch Besatzung und Gewalt letztlich keine Lösung sozialer und politischer Probleme sind. Sie schreibt:

Ich möchte noch betonen, daß ein jeder, der über Gewalt der Palästinenser spricht, sich eine grundlegende Wahrheit vor Augen halten sollte: Die israelische, nun schon 34 Jahre währende Besatzung ist die Verkörperung, ja der Inbegriff von Gewalt. Deshalb ist ein Ende der Besatzung die conditio sine qua non für die Beendigung der Gewalt. Die Geschichte lehrt, daß ein Ende der Besatzung unvermeidbar ist.

Felicia Langer – Quo vadis Israel? Das Buch ist soeben im Lamuv Verlag erschienen und kostet 19 Mark 80.

 

 

GRENZEN

 

In meiner Sendereihe Kapital – Verbrechen sprach ich am 24. Mai 2004 über Grenzen. Ausgehend von Michael Warschawskis Autobiographie An der Grenze betrachtete ich den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern unter dem Gesichtspunkt von respektierten Grenzen und übergriffigen Grenzüberschreitungen. Vier jüngst erschienene Bücher – von Felicia Langer ("Brandherd Nahost"), Alain Gresh ("Israel – Palästina"), Amira Hass ("Bericht aus Ramallah") und Michael Warschawski ("An der Grenze") – sollten hier als Wegweiser dienen.
Das Sendemanuskript zu Grenzen gibt es HIER, die Besprechung von Felicia Langers 2004 im Lamuv Verlag erschienenen Buches "Brandherd Nahost" findet sich HIER.

 

 

GEWISSEN

 

In meiner Sendereihe Kapital – Verbrechen sprach ich am 27. März 2006 über Hoffnungsschimmer. Dabei ging es über den Unabhängigkeitskrieg im Zuge der israelischen Staatsgründung, über eine störende Blume in der Militärjustiz, über Frauenemanzipation in Palästina und über einen vom Abstieg bedrohten arabisch–israelischen Fußballverein.
Das Sendemanuskript zu Hoffnungsschimmer mit der Besprechung des Buchs »Nicht gegen mein Gewissen« mit mehreren Gesprächen von HansDieter Schütt mit Felicia Langer gibt es HIER.

 

 

Diese Seite wurde zuletzt am 1. März 2006 aktualisiert.
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