Wolfram Pyta beim Vortrag
Vortrag im Literaturhaus

Wolfram Pyta spricht über Hindenburg

Geschichte

Sendemanuskript

 

Sendung der Redaktion Alltag und Geschichte

Radio: Radio Darmstadt

Redaktion und Moderation: Walter Kuhl

Ausstrahlung am:

Montag, 10. März 2008, 17.00 bis 18.00 Uhr

Wiederholt:

Montag/Dienstag, 10./11. März 2008, 23.10 bis 00.10 Uhr
Dienstag, 11. März 2008, 08.00 bis 09.00 Uhr
Dienstag, 11. März 2008, 14.00 bis 15.00 Uhr

Zusammenfassung:

Am 25. Februar 2008 sprach Wolfram Pyta, Geschichtsprofessor in Stuttgart und Biograf Hindenburgs, über seine Forschungsergebnisse im Darmstädter Literaturhaus. Dieser Vortrag wurde – leicht gekürzt – gesendet.

Zugehöriges Buch:

 


 

Moderation

Jingle Alltag und Geschichte

Es ist noch nicht allzu lange her, daß in Darmstadt erbittert um den Erhalt der Hindenburgstraße gestritten wurde. Genauer gesagt, um den Namen. Paul von Beneckendorff und von Hindenburg, der Namensgeber der Straße, wurde 1847 im damals preußischen Posen geboren und war längst pensionierter General, als ihn 1914 die Muse wachküßte. Im Zweifrontenkrieg des 1. Weltkriegs wurde er reaktiviert und besiegte als Oberbefehlshaber der 8. Armee bei Tannenberg eine russische Armee. Dieser Sieg wurde als Wunder verklärt und begründete Hindenburgs Ruhm, einen Ruhm, den er sich während seiner Militärlaufbahn bis zu seiner Pensionierung nicht einmal ansatzweise erwerben konnte. In der allgemeinen Begeisterung und zur Förderung der Kriegspropaganda wurde 1915 auch in Darmstadt eine Straße nach ihm benannt.

Hindenburg galt lange Zeit als seniler alter Mann, dem Hitler als Reichskanzler aufgeschwatzt worden sei. Da er nicht wissen konnte, was er tat, so wird argumentiert, könne er auch nicht für die Machtübernahme des Nationalsozialismus und für das Tausendjährige Reich verantwortlich gemacht werden. Der in Stuttgart lehrende Historiker Wolfram Pyta hat im vergangenen Jahr mit seiner voluminösen Hindenburg-Biografie mit dieser Sichtweise aufgeräumt. Hätte dieses Werk schon vor zwei Jahren vorgelegen, dann wäre es dem Stadtarchivar Peter Engels vielleicht nicht so leicht gefallen, Hindenburg eine Treue zur Weimarer Republik zu attestieren.

DarmstadtiumDoch in einer neoliberalen Gesellschaft kommt ohnehin schnell das Kostenargument. Eine Umbenennung, so meinten Bewohnerinnen, Handwerkskammer und die Wissenschaftliche Buchgesellschaft, wäre mit enormen Kosten verbunden. Spätestens seit der Einweihung des Darmstadtiums können wir derartige Argumente mit einer einfachen Fliegenklatsche erledigen.

Eine Stadt, die sich ein Kongreßzentrum für Udo Jürgens leistet, mit Eintrittspreisen für die regionalen Oberen Zehntausend, bei dem von vornherein mit Millionenverlusten kalkuliert wird [1], wird ganz gewiß die erforderlichen rund 100.000 Euro aus der Portokasse aufbringen können, um den Schandfleck zu entsorgen. Das Kostenargument zeigt uns jedoch, worum es wirklich geht. Der politische Wille, sich von einem Reaktionär und Demokratiefeind zu trennen, ist nicht vorhanden. Bei der CDU muß uns das nicht wundern, aber auch die regierende Koalition im Magistrat der Stadt Darmstadt scheint eher auf Wählerinnen- und Wählerstimmen zu schielen als dem reaktionären Spuk ein Ende zu bereiten.

Wolfram Pyta war vor zwei Wochen, am 25. Februar, als Gast des Literaturhauses in Darmstadt. Er stellte dort seine Forschungsergebnisse und Thesen über Paul von Hindenburg vor. Die Dissent – Medienwerkstatt Darmstadt war vor Ort und nahm den Vortrag zur Ausstrahlung bei Radio Darmstadt auf. Ich danke dem Referenten für seine Genehmigung, den Vortrag aufzuzeichnen. Am Mikrofon ist Walter Kuhl. Hören wir nun den leicht gekürzten Vortrag von Wolfram Pyta über den Helden der großen Koalition der Straßennamen-Befürworter.

Eine schriftliche Fassung des Vortrags liegt nicht vor. Der für die Sendung leicht gekürzte Mitschnitt des Vortrags kann zur Zeit nicht zur Verfügung gestellt werden.

Buchcover der Hindenburg-BiografieJingle Alltag und Geschichte

Ihr hörtet: Die Aufzeichung eines Vortrags von Wolfram Pyta über den Generalfeldmarschall und Reichspräsidenten Paul von Hindenburg, gehalten vor zwei Wochen, am 25. Februar, im Literaturhaus Darmstadt. Wolfram Pytas Biografie über Hindenburg ist letztes Jahr im Siedler Verlag erschienen; das 1120 Seiten starke Werk kostet 49 Euro 95. Wer Argumente gegen den Erhalt der Hindenburgstraße als Straßennamen sucht, wird hier fündig.

Diese Sendung wird wiederholt, und zwar in der Nacht von Montag auf Dienstag gegen 23 Uhr 10, sowie am Dienstagmorgen um 8.00 Uhr und am Dienstagnachmittag ab 14.00 Uhr. Das Manuskript zur Sendung werde ich in den kommenden Tagen auf meine Webseite stellen: www.waltpolitik.de. Diese Sendung entstand mit Unterstützung der Dissent – Medienwerkstatt Darmstadt. Im Anschluß folgt eine Sendung der Kulturredaktion. Am Mikrofon war Walter Kuhl.

Siehe auch meinen ausführlicheren Beitrag zu Paul von Hindenburg und zur Hindenburgstraße, gesendet am 30. Januar 2006 bei Radio Darmstadt.

 

ANMERKUNGEN

 

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»» [1]   Klaus Staat : Defizit war "politisch gewollt", in: Darmstädter Echo vom 4. Dezember 2007.

 


 

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