Geschichte

Spuren der Vergangenheit

 

 

SENDEMANUSKRIPT

 
Sendung :
Geschichte
Spuren der Vergangenheit
 
Redaktion und Moderation :
Walter Kuhl
 
gesendet auf :
Radio Darmstadt
 
Redaktion :
Alltag und Geschichte
 
gesendet am :
Mittwoch, 7. Mai 2003, 17.00–18.00 Uhr
 
wiederholt am :
Donnerstag, 8. Mai 2003, 02.00–03.00 Uhr
Donnerstag, 8. Mai 2003, 08.00–09.00 Uhr
Donnerstag, 8. Mai 2003, 14.00–15.00 Uhr
 
 
Besprochenes und benutztes Hörbuch :
Im tiefsten Schlupfwinkel meiner Seele ..., gesprochen von Sabine Wackernagel, Karl Dietz Verlag Berlin
 
 
URL dieser Seite : http://www.waltpolitik.powerbone.de/herstory/ge_spurv.htm
 
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Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1 : Spuren – Traces
Kapitel 2 : Schlupfwinkel
Kapitel 3 : Schluß

 

Spuren – Traces

Jingle Alltag und Geschichte

Die erste Hälfte der Sendung ist eine nur unwesentlich veränderte Fassung eines Beitrags von Peregrina Perlentaucher vom Freien Radio Wüste Welle in Tübingen. Hierzu schreibt die Autorin:

Julia Winckler ist Fotografin. Sie hat sich auf die Suche gemacht nach Spuren ihres jüdischen Großonkels Hugo Hecker, der 1939 von Wien über Prag und die Schweiz nach Großbritannien [gelangt ist], und seiner Familie, von denen fast niemand überlebt hat. Peregrina Perlentaucher von Freien Radio Wüste Welle in Tübingen sprach mit der Künstlerin.

Die drei Teile des Beitrags sind als Audiofassung über die Seiten des Bundesverbandes Freier Radios herunterzuladen. Eine Komplettfassung existiert als sendefähiger Beitrag für ZIP–FM:

Hier Teil 1 herunterladen.
Hier Teil 2 herunterladen.
Hier Teil 3 herunterladen.
Hier die Komplettfassung herunterladen.

Peregrina Perlentaucher verweist hinsichtlich der Künstlerin auch auf die Internetseite http://www.edphoto2001.co.uk.

Jingle Radio Darmstadt – RadaR

Buscemi : Obrigado!

 

Schlupfwinkel

Rosa Luxemburg, Revolutionärin, Frau, Akademikerin, Jüdin und durch eine Kinderkrankheit gehbehindert, hat ganz andere Spuren hinterlassen. Ihre Schriften sind in einer sechsbändigen Werksausgabe erhältlich, auch ihre Briefe füllen inzwischen sechs Bände. Doch wer liest heute schon sinnvolle politische Literatur? Wer sich allerdings einmal aufgemacht hat, in die Schriften Rosa Luxemburgs zu schauen, findet verblüffende Parallelen zur heutigen Politik. Ihre politischen Schriften aus der Zeit zwischen 1898 und 1914 sind als Beschreibung der heutigen deutschen Menschenrechtskriegspolitik so aktuell wie sie schon damals waren.

Doch Rosa Luxemburg war nicht nur Politikerin, sondern auch eine Frau, die sich nach Liebe, Familie, Kindern und einem wohlbehüteten Leben sehnte. Das hinderte sie jedoch nicht daran, Unterdrückung dort zu sehen, wo sie stattfand. Jede Form der Unterdrückung und Ausbeutung war ihr fremd und wurde von ihr angeprangert. Dennoch sind es eher die unpolitisch scheinenden privaten, privatisierenden Briefe, die bevorzugt verkauft werden und auch ihre Leserinnen und Leser finden.

Eine neue Form, die Politikerin, die Frau, ja auch die Jüdin Rosa Luxemburg (die sich geweigert hat, sich über ihre jüdische Herkunft zu definieren) vorzustellen, ist die Schauspielerin Sabine Wackernagel gegangen. Sie liest auf der Grundlage einer subjektiven Auswahl aus den Briefen Rosa Luxemburgs – aus den eher politischen wie aus den eher privaten, auch den Liebesbriefen an Leo Jogiches oder Kostja Zetkin.

Im Gegensatz zu Annelies Laschitza, deren Rosa Luxemburg–Biographie Im Lebensrausch – trotz alledem eine dichte und packende Darstellung der Frau und Revolutionärin Rosa Luxemburg ist, versteht Sabine Wackernagel das Drängende in den Liebesbriefen: Das Private ist politisch. Rosa Luxemburg hätte diesen Satz uneingeschränkt unterschrieben. Und Sabine Wackernagel liest Rosa Luxemburgs Briefe auch genau so. Hier eine Kostprobe.

Schlupfwinkel, Track 2 : An Leo Jogiches – Zürich 1893, Paris 1894 und 1895

Die positive Haltung der deutschen Sozialdemokratie zu den Kriegsplänen des Deutschen Reiches spaltet die Partei. Der Schock von 1914 sitzt tief. Rosa Luxemburg arbeitet mit einigen wenigen unermüdlich daran, die noch revolutionären Kräfte zu sammeln, um die gesamte Partei dazu zu zwingen, sich diesem Krieg zu verweigern. Da Rosa Luxemburg für das Kaiserreich zu gefährlich scheint, weil sie in ihren Auftritten trotz allgemeiner Kriegsbegeisterung die Massen erreicht, wird sie zunächst angeklagt und dann in sogenannte Schutzhaft genommen.

Und dann sitzt sie im Knast, lauscht den Kohlmeisen und versucht, durch illegale Kassiber Einfluß auf die Politik der Oppositionellen in der Sozialdemokratie zu nehmen. Ungeduldig ist sie. Und das bekommen diejenigen, die draußen in Freiheit ihre politischen Möglichkeiten nicht nutzen, auch zu spüren. Auch hier trifft Sabine Wackernagel den richtigen Ton.

Schlupfwinkel, Track 11 : An Mathilde Wurm – Festung Wronke 1916–1917

 

Schluß

Jingle Alltag und Geschichte

Das Hörbuch Im tiefsten Schlupfwinkel meiner Seele ..., gesprochen von Sabine Wackernagel und herausgegeben von der Rosa–Luxemburg–Stiftung, ist letztes Jahr im Karl Dietz Verlag Berlin erschienen. Die CD kostet 14 Euro 95. Wir werden zum Schluß dieser Sendung noch aus ihren Briefen an Clara Zetkin kurz vor ihrer Ermordung im Januar 1919 hören.

 

Doch zunächst einige Veranstaltungshinweise für die kommenden Tage.

Am heutigen Mittwochabend um 19 Uhr 30 wird der Österreicher Kurt Köpruner aus seinem Buch Reisen in das Land der Kriege vorlesen. Er beschreibt darin die Mittäterschaft des Westens an der Zerstörung Jugoslawiens und widerlegt das Feindbild von den serbischen Nationalisten. Darüber kann und soll anschließend diskutiert werden. Veranstalter sind der Deutsche Freidenker–Verband und der Arbeitskreis Jugoslawienkrieg. Heute abend um 19 Uhr 30 im Naturfreundehaus in der Darmstraße 4a.

Wer die Wiederholung am Donnerstag hört, hat halt leider Pech gehabt. Doch auch am Donnerstag ist was los.

Jingle zum Girls Day

Der 8. Mai 1945 ist auch der Tag der Befreiung, offensichtlich aus gutem Grund lange Zeit nicht in der Bundesrepublik Deutschland. In der früheren Sowjetunion wurde dieser Tag übrigens am 9. Mai begangen. Über dieses Datum und seine Bedeutung wird am Freitagabend der Historiker Kurt Pätzold in Bensheim sprechen. Er geht dabei der Frage nach: Befreiung 8. Mai 1945 – wovon, wodurch, wofür ? Er wird von den Bestrebungen sprechen, die Geschichte so umzuschreiben, daß von den deutschen Opfern die Rede ist. Opfer sind immer gut und vor allem keine Täter. Er wird von denen sprechen, die Europa von den Deutschen befreit haben, und das war erst einmal nicht die US Army, sondern die Rote Armee. Er wird natürlich auch danach fragen, welche Weichen 1945 denn wirklich neu gestellt worden sind. Die Nachfahren der Auschwitz–Täter lehren ja heute die Welt das Fürchten damit, ein neues Auschwitz vermeiden zu wollen. Menschenrechtskriegspolitik eben. Die Veranstaltung mit Kurt Pätzold findet am Freitag um 20 Uhr im Bürgerraum der Weststadthalle in Bensheim statt. Veranstalter ist die Deutsche Kommunistische Partei, deren Kandidatin Renate Grieger bei der Bürgermeisterwahl in Reinheim ja ziemlich gut abgeschnitten hat.

 

Die Novemberrevolution bringt für Rosa Luxemburg die Freiheit. Zurück in Berlin, stürzt sie sich in die Revolution, denn alles andere ist ja bekanntlich (nach ihren eigenen Worten) Quark. Doch die Mehrheitssozialdemokratie schnuppert schon an der Macht und verbündet sich daher mit rechtsradikalen Freicorps, um die Revolution zu ersticken bzw. zu ermorden. Rosa Luxemburg kann sich ihres Lebens nicht mehr sicher sein. In dieser Situation findet sie dennoch Zeit, ihrer engen Freundin Clara Zetkin zu schreiben. Sabine Wackernagel liest aus den letzten Briefen Rosa Luxemburgs, zu hören im Hörbuch Im tiefsten Schlupfwinkel meiner Seele ...

Ich hingegen verabschiede mich für heute und verweise auf die nächste Sendung von Alltag und Geschichte am kommenden Montag ab 17 Uhr. Thema ist die Zerstörung der Vergangenheit, oder: was Imperialismus und die Plünderung früher Hochkulturen miteinander verbindet. Am Mikrofon für die Redaktion Alltag und Geschichte auf Radio Darmstadt war Walter Kuhl.

Schlupfwinkel, Track 14 : An Clara Zetkin – Berlin 1918 und 1919

Buscemi : Gadget Girls

 

 

Diese Seite wurde zuletzt am 16. Dezember 2005 aktualisiert.
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