Jenische, Aufnahme 1928
Jenische am Lauerzersee [1]

Geschichte

Paläste und Heime

Sendemanuskript

 

Sendung der Redaktion Alltag und Geschichte

Radio: Radio Darmstadt

Redaktion und Moderation: Walter Kuhl

Ausstrahlung am:

Montag, 8. Februar 2010, 17.00 bis 18.00 Uhr

Wiederholt:

Montag/Dienstag, 8./9. Februar 2010, 23.10 bis 00.10 Uhr
Dienstag, 9. Februar 2010, 08.00 bis 09.00 Uhr
Dienstag, 9. Februar 2010, 14.00 bis 15.00 Uhr

Zusammenfassung:

Wer arbeitet, bekommt vom Bund der Steuerzahler kein Geschenk. Kindergeld wird gleich wieder einkassiert und mit Ökostrom wird Feinstaub gefördert. Im syrischen Qatna fuhren archäologische Loren über einer Gruft, ohne es zu ahnen. In der Schweiz verfolgte eine wohltätige Stiftung die Minderheit der Jenischen. Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht sind nicht vergessen.

Besprochene Bücher:


Inhaltsverzeichnis


Steuergeschenke 

Jingle Alltag und Geschichte

Am morgigen oder – falls ihr die Wiederholung dieser Sendung hört – am heutigen Dienstag wird das Bundesverfassungsgericht sein Urteil zu den Hartz IV-Regelsätzen verkünden. Wir werden sehen, ob die eine Richterin und die sieben Richter des Ersten Senats die Staatsraison des neoliberalen Umverteilungs­programms richtig verinnerlicht haben [2]. Manchmal gibt es hierbei Pannen. So erhielten auch Bezieherinnen und Bezieher von Hartz IV eine Kindergeld­erhöhung von popeligen 20 Euro, die von den jeweiligen Hartz IV-Agenturen nun zurück­gefordert wird. Denn zusätzliches Einkommen, und Kindergeld wird als Einkommen betrachtet, wird auf die Regelleistung angerechnet. Was die eine Staatshand zahlt, kassiert die andere gleich wieder ein. Rechtlich ist das in Ordnung. Und ohnehin – wo kämen wir da auch hin, wenn diejenigen, die nur zu ihrem Besten kurz gehalten werden, auf einmal einen fetten Bonus abgreifen? Sie heißen doch nicht Josef Ackermann oder Holger Mayer.

Die Bundesagentur für Arbeit hat der gesellschaftlichen Neiddebatte neues Futter gegeben. Angeblich 1,9% aller Hartz IV-Arbeitslosen hätten mißbräuchlich Leistungen bezogen, die ihnen nicht zugestanden hätten. Im Kleingedruckten steht dann, daß es häufig nur einen „Verdacht“ gegeben habe, und noch kleiner gedruckt wird, daß wir alle wissen, wieviele Bescheide der diversen Agenturen schlicht fehlerhaft und rechtswidrig sind. Insgesamt geht es um eine angebliche Mißbrauchs­summe von etwa 72 Millionen Euro. Das macht doch jeder einzelne Steuersünder, der etwas auf sich hält, mit Links. [3]

Bemerkenswert ist, daß knapp die Hälfte der Fälle so popelig gewesen sein müssen, daß nur eine Verwarnung ausgesprochen oder ein Bußgeld verhängt wurde. Zu Deutsch: der angebliche Mißbrauch hatte die Qualität von einmal falsch Parken. Daß hieraus eine Riesendebatte erwächst, mit denen die Arbeitslosen öffentlich gegeißelt werden können, war zu erwarten. Da wird nicht über den sozialen Mißstand Hartz IV debattiert, sondern es wird gnadenlos diffamiert und abgestraft. Schließlich leben wir in Deutschland, dem Land der ehrenamtlichen Hilfssheriffs und Denunziantinnen.

Um auf die abrechnungs­technisch mißglückte Kindergeld­erhöhung zurück­zukommen. Die Darmstädter Sozialhilfegruppe weist in diesem Zusammen­hang darauf hin, daß jeder Verwaltungsakt, der nötig sei, um die zuviel gezahlten 20 Euro zurückzufordern, etwa 80 Euro kosten wird. Der Wahnwitz hat also Methode. Mal kurz durchgerechnet wird also dreifach draufgelegt, damit die Zahlungsbilanz wieder stimmt.

„Im Verhältnis zu den Regelsätzen, 215 Euro für Kinder bis 5 Jahre, 251 Euro für Kinder von 6 bis 13 und 287 Euro für Kinder von 14 bis 17 Jahren, sind 60 Euro ein erheblicher Betrag, den man besser den Kindern zugestanden hätte (z.B. für Schulmittel), als das Geld in bürokratischen Prozeduren zu verbrennen. Wir hören den Amtsschimmel wiehern!“

Sagt die Darmstädter Sozialhilfegruppe. Nunja, man hat's ja. Bei mehreren hundert­tausend Kindern kommt so eine verbrannte Erde von mehreren Millionen Euro zustande. Der Bund der Steuerzahler als Klientelverein der neoliberalen Klein­bourgeoisie … schweigt dazu. Logisch, denn über 60% seiner rund 300.000 Mitglieder kommen aus dem gewerblichen Mittelstand, also der Gruppe, der ohnehin das ganze Sozialgeklimper viel zu teuer ist. Kein Wunder, daß dort die gewerkschaftliche Forderung nach 5% mehr Gehalt im Öffentlichen Dienst auf Ablehnung stößt. Der Präsident dieser Organisation, ein gewisser Karl Heinz Däke, forderte daher, „in den Tarifverhandlungen keine Geschenke auf Steuerzahler­kosten zu verteilen“. Wir lernen folglich aus der Logik dieser Unternehmerlobby: Löhne und Gehälter sind freundliche Geschenke der Arbeitgeber. Auf derart geistigem Armutsniveau verläuft in Deutschland die Diskussion über Löhne und Sozial­leistungen. Also, ich finde, ehe wir uns eine unnütze und kostenexplosive Nordostumgehung leisten, sollten wir vielleicht lieber ein paar Geschenke verteilen.

Ohnehin die Nordostumgehung. Manchmal frage ich mich, wie dreist wir eigentlich abgeschöpft werden sollen. Die konstruktiven Vorschläge, das Finanzierungs­problem der Sonder­subvention für notleidende rollende Lagerschuppen zu lösen, führen unseren Noch-Oberbürger­meister [4] Walter Hoffmann zu der genialen Lösung, sich aus den sprudelnden Gewinnen der HSE zu bedienen [5]. Über 16 Millionen Euro seien hier jährlich zu holen, meinte er. Da frage ich mich, wo dieser Batzen Geld denn herkommt, und je länger ich darüber nachdenke, desto eher komme ich auf einen weiteren Verschiebe­bahnhof. Nehmen wir einmal an, ich erhalte Regel­leistungen nach Hartz IV und dazu noch Wohngeld und Heizkosten. Davon zahle ich Kosten für Strom und Gas an die Entega, also eine Tochter der HSE, und dies in einer Höhe, die sprudelnde Gewinne zum Bau der Nordost­umgehung ermöglicht.

Demnach zahlt die eine städtische Hand als ARGE auf dem Umweg über ein der parlamentarischen Kontrolle entzogenes ehemals städtisches Unternehmen Transfer­leistungen an eine andere städtische Hand. Und dabei dachte ich immer, im Neoliberalismus sei die Quersubven­tionierung strengstens verboten. Warum werden bei derart sprudelnden Gewinnen nicht die Tarife gesenkt? Lautet die Antwort, daß hier eine versteckte Steuer­erhöhung stattfindet, daß wir also nicht nur über Lohn- und Mehrwert­steuern, sondern auch über Strom- und Gasrechnungen den automobilen Wahn zu unterstützen haben? Dabei wirbt die Entega doch mit Ökostrom und Windkraft für ein besonderes Umwelt­bewußtsein. Weshalb subventioniert deren Mutterkonzern HSE dann Feinstaub, CO2-Emissionen und eine besonders miefige, geradezu antiquierte Infrastruktur? Das sind Fragen, die uns weder Walter Hoffmann noch die HSE plausibel werden beantworten können, wenn sie es denn wollen.

Erstaunlich ist hingegen, daß dem Stadtrat und Baudezernenten Dieter Wenzel von der Schröderschen Autopartei auf einmal auffällt, daß Darmstadts Straßen vor sich hinrotten [6]. Hat ihn in seinem Auto bei Schnee und Eis ein Schlagloch erwischt? Ich frage lieber gar nicht, warum neue Straßen gebaut werden sollen, wenn man nicht einmal in der Lage ist, die alten zu unterhalten. Genau wie bei der Deutschen Bahn wird hier nämlich einfach auf Verschleiß gefahren. Also, ich sage mal – jede Straße, die nicht unterhalten werden kann, wird einfach für den Verkehr dichtgemacht. Das spart Steuergelder, freut die Umwelt, die Anwohnerinnen, und die Kinder sowieso, die endlich wieder viel Platz zum Spielen auf der Straße haben und nicht vor irgendwelchen Glotzen abgestellt werden müssen.

Derweil die NPD ihre CDs weiterhin vor Schulhöfen verteilen darf [7]. Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien befand die Musik deutscher Neonazis für kompatibel mit dem deutschen Zeitgeist. Und da ist ja auch nichts Falsches dran. Solange wir zwischen Verfassungs­schützern und Neonazi-Funktionären nicht so recht unterscheiden können und wir daher nicht wissen, wer da wen unterwandert, oder, ob sich da einfach nur zwei gefunden haben, solange dürfen die ganz und gar nicht jugend­gefährdenden Hilfstruppen eines medial aufgegeilten Mobs ihre Meinung frei äußern.

In meiner heutigen Sendung geht es jedoch um etwas Anderes. Ich werde einen Ausstellungs­katalog zu den Ausgrabungen und Funden im syrischen Qatna vorstellen sowie ein in der Schweiz erschienenes Buch über das Verhältnis von Menschen und Akten. Hierin wird die Aktion Kinder der Landstraße der Schweizer Stiftung Pro Juventute behandelt. Abschließend übernehme ich zwei Interviews, die das freie Radio in Halle, Radio Corax, zur historischen Relevanz von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht geführt hat. Am Mikrofon ist für die Redaktion Alltag und Geschichte Walter Kuhl von der Dissent – Medienwerkstatt Darmstadt.

 

Der Schatz unter den Schuttloren

Besprechung von : Schätze des alten Syrien. Die Entdeckung des Königreichs Qatna, Konrad Theiss Verlag 2009, 320 Seiten, bis 30.6.2010 € 29,90, danach € 39,90

Wesentlich einfacherer aufgebaut als die postmodernen Industrie­gesellschaften waren die altorienta­lischen Königreiche zwischen den persischen und anatolischen Hochebenen und den nord­afrikanischen und arabischen Wüsten. Während die Großreiche Mesopotamiens, Ägyptens und auch das Hethiterreich sich anhaltenden Interesses erfreuen, finden kleinere oder randständige Gebiete eher ein Nischenpublikum.

Dies ist sicherlich auch mit der Fundsituation zu erklären, denn wo nichts herzuzeigen ist, haben es Forschung und Wissenschaft nicht leicht, Gehör zu finden. Wenn uns weder Keilschrift­tafeln noch in Obelisken eingeschnittene Hieroglyphen etwas über die Taten der großen Herrscher oder eine trocken-bürokratische Auflistung des vorhandenen Inventars verraten können, dann sind wir auf die wenigen stummen Zeugen angewiesen, die sich – im Boden vergraben – haben finden lassen. Zum Glück hat sich die Archäologie in den vergangenen zwei Jahrhunderten weiterentwickelt, so daß auch unscheinbare stumme Zeugnisse das Sprechen gelernt haben.

Syrien war seit dem 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung eine Randregion der sich entwickelnden und wieder zerfallenden großen Reiche am Nil, Euphrat und Tigris. Die geografische Randlage war sicherlich dem klimatischen Umstand geschuldet, daß eine auf intensiver Bewässerung beruhende Landwirt­schaft in großem Stil aufgrund von relativer Trockenheit und Bodenbeschaffen­heit kaum möglich war. Dennoch entwickelten sich im Niemands­land zwischen Ägypten, Mesopotamien und Anatolien kleinere Herrschaften, die solange überleben konnten, bis sie von ihren mächtigeren Nachbarn erobert, zerstört oder unterworfen wurden.

Buchcover Schätze des alten SyrienEine dieser Herrschaften war das Königreich Qatna im Nordwesten des heutigen Syrien. Eine erst vor sieben Jahren entdeckte und weitgehend unzerstörte Königsgruft aus dem 2. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung deutet an, daß selbst in kleineren Herrschaften ein auf Reichtum basierender recht luxuriöser Lebensstil gepflegt wurde. Eine Ausstellung im Landesmuseum in Stuttgart zeigt noch bis zum 14. März die „Schätze des alten Syrien“. Der Katalog zur Ausstellung ist im Theiss Verlag herausgebracht worden und lädt zum ruhigen Schmökern und Anschauen ein.

Wenn ich von einigen Seltsamkeiten absehe, die gewiß der Zusammen­arbeit mit den syrischen Behörden geschuldet ist, dann handelt es sich um einen sorgfältig zusammenge­stellten und angesichts reichhaltigen Bildmaterials auch angenehm zu betrachtenden Band. Worin bestehen nun die Seltsamkeiten? Syrien befindet sich heute, ähnlich, wenn auch anders als vor drei- oder viertausend Jahren, in einer unruhigen Region. Die Grenzlinien der vorder­asiatischen Staaten wurden nach dem Zerfall des Osmanischen Reiches im Anschluß an den Ersten Weltkrieg teilweise willkürlich von den Siegermächten Groß­britannien und Frankreich gezogen. Weder Syrien, noch Jordanien, Irak, Libanon oder Palästina besaßen in den Jahrhunderten zuvor eine eigene staatliche Tradition.

Daher waren auch ohne den Konflikt zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn einige Grenz­ziehungen umstritten. Dies betraf und – so scheint es – betrifft auch heute noch die Region Hatay am Mittelmeer. Diese Region wurde nach dem Ersten Weltkrieg von französischen Truppen besetzt und gemeinsam mit Syrien verwaltet. 1939, nach Ende des französischen Mandats, wurde Hatay ein Teil der Türkei. Auf einer Übersichts­karte im Katalog finden wir daher auf Seite 27 diese Region um das antike Antiochia als von Syrien beansprucht eingezeichnet. Ähnlich befremdlich ist, daß der Nachbarstaat Israel „Palästina“ genannt wird, erst recht, wenn die besetzten Gebiete in der Westbank nicht als Teil Israels bzw. „Palästinas“ eingezeichnet sind. Dieses Unsichtbar­machen Israels auf der Landkarte halte ich bei einer deutschen Produktion für geschmacklos.

Anders befremdet die Umsiedlung der in Qatna heimischen Bevölkerung zugunsten der archäo­logischen Forschung. Nun stellt sich dieses Problem häufiger, denn viele Fundstätten sind durch moderne Besiedlung überlagert und somit für Ausgrabungen nicht verfügbar. Aus eigener Anschauung kenne ich das von Side an der türkischen Südküste. Dort wurde die antike Stadt zu Beginn des 20. Jahrhunderts durch die Ansiedlung kretischer Flüchtlinge verdeckt, die natürlich nicht einfach vertrieben werden können, um die Schätze der Vergangenheit zu bergen.

Auf den Ruinen des antiken Qatna scheint dies einfacher möglich gewesen zu sein. 1928 entdeckte hier der französische Adlige Robert du Mesnil du Buisson den Königspalast, der im 14. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung von den Hethitern zerstört wurde. Dieser Comte kam Anfang der 1920er Jahre in das von französischen Truppen besetzte Syrien und war damit beauftragt, den Zustand der Altertümer zu erfassen. Hieraus erwuchs sein archäo­logisches Interesse, das er in zahlreichen Grabungs­kampagnen, nicht nur in Qatna, auslebte. In Qatna benutzte er, genauer gesagt: seine arabischen Tagelöhner, Loren, die auf Gleisen den ausgegrabenen Schutt auf einen Hügel beförderten. Die Gleistrasse und der Schutthügel wurden folglich damals nicht näher untersucht, was sich siebeneinhalb Jahrzehnte später, nämlich ab 2002, für eine erneute Grabungs­kampagne als Glücksfall erweisen sollte. Mit moderneren Methoden konnten nun Schicht um Schicht abgetragen werden, bis sich ein Eingang zu einer Königsgruft auftat.

Auch wenn sich hier ungeahnte Einblicke in das Leben, oder hier wohl eher: Sterben, vorderasiatischer Herrscher­familien auftaten, so muß unser Wissen von Qatna und ähnlichen syrischen Städten bislang bruchstückhaft bleiben. Zwar lassen sich auch andere Quellen, vor allem Archive in anderen Königreichen wie Mari oder Ugarit, erschließen. Doch der Katalog zur Ausstellung ist eher wie eine Art Puzzle aufgebaut, in dem aus verschiedener Sicht all das Wissen zum damaligen Syrien zusammen­getragen wird, über das die Archäologie heute verfügt. Und das ist nicht wenig. Eines jedoch fehlt fast vollkommen: wie haben die Menschen gelebt, die nicht zur herrschenden Klasse gehört haben, wie haben sie gedacht, sich ernährt, gearbeitet, woran haben sie geglaubt, welche Sprache haben sie gesprochen?

Das Grundproblem derartiger Grabungen ist ja, daß sich in der Regel nur die herrschende Familie in Bauten und Inschriften verewigt hat, daß nur sie ihre Reichtümer vergraben oder zur Schau stellen konnte, während die Alltagsgegen­stände der Untertanen meist im Staub zerfielen oder nur bei sehr genauer Fund­dokumentation als Spuren­elemente wieder auftauchen. An dieser Stelle muß die Ausstellung zu den Schätzen des alten Syriens problematisiert werden. Gezeigt wird der Glanz der Herrschenden und damit auch deren Inszenierung einer Wirklich­keit, die nur einer kleinen Elite vorbehalten blieb. Ähnliche Fiktionen finden wir in den heutigen medialen Kunst­produktionen wieder. Und damit meine ich nicht die Zurschau­stellung von Luxus. Ist euch einmal aufgefallen, wie oft in Deutschland gemordet wird? Wenn wir alle Krimi­produktionen zusammen­rechnen, dann dürfte dieses Land demnächst ausgestorben sein.

Doch zurück nach Qatna. Die Knochen beispielsweise, die in der Königsgruft gefunden wurden, lassen Aufschlüsse über Alter, Krankheiten und Ernährungs­gewohnheiten zu. Aber trifft dies auch für die anderen über 90% der Bevölkerung zu? Anhand der Zähne läßt sich feststellen, daß auch die herrschende Elite nicht von Epidemien oder Kinderkrank­heiten verschont geblieben ist. Ab einem bestimmten Lebensjahr hingegen führte sie ein Leben ohne größere körperliche Belastungen und sicherlich auch im Überfluß, was sich positiv auf mögliche Krankheiten oder Verletzungen ausgewirkt hat. Für diese eher gesundheits­fördernde Lebensweise mußten andere schuften, deren Zähne und Knochen erst noch aufzufinden wären.

Qatna war keine arme Stadt, aber eine Stadt, in welcher der Reichtum ungleich verteilt war. Anders als heute, wo angeblich so etwas Neumodisches wie „Chancen­gerechtigkeit“ herrscht, war der Lebensweg eines oder einer Neugeborenen vermutlich vorgezeichnet. Bauern blieben Bauern und aus Prinzen wurden Könige. Inwieweit eine gewisse Durchlässig­keit innerhalb der Unterschichten bestand, muß offen bleiben. Religiöse Praktiken und Riten werden schon dafür gesorgt haben, daß die Ungerechtigkeit dieser Lebensverhält­nisse ertragen und fortgeschrieben werden konnte. Anfänge für einen Ahnenkult lassen sich in Syrien schon für das 8. Jahrtausend festmachen. Die sich hierin ausdrückende Selbstverge­wisserung und Sinnstiftung darf in einer Zeit nicht unterschätzt werden, in der die jungsteinzeit­lichen Menschen das enge, dicht gedrängte und von Abhängig­keiten geprägte Leben in Dörfern und Städten mitsamt ihrer sozialen Schichtung erst noch erlernen mußten. Diese jahrtausende­lange Einübungs­prozedur war sicherlich nicht konfliktfrei. Auch die modernen Arbeiterinnen und Arbeiter mußten durch jahrhunderte­langen militärischen Drill, durch Zuchthäuser, eine entsagende Religiosität und Prügel in der Schule davon überzeugt werden, sich freiwillig der Lohnarbeit zu unterwerfen. Dieser Prozeß ist noch nicht abgeschlossen, obwohl ich hierzulande bei vielen Jugendlichen eine unterwürfige Apathie als Lebens­haltung feststellen muß.

Neben der organisierten Tempelreligion gab es auch eine häusliche Religiosität, die ohne magische Praktiken nicht auskam. Fundstücke aus beiden Bereichen zeigen Ausstellung und Katalogband.

Erste Besiedelungsspuren lassen sich in Qatna für das 4. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung belegen. Doch erst um 2700 werden organisierte Siedlungsaktivitäten erahnbar. Zweihundert Jahre später scheint die Siedlung die Kontrolle über die Umgebung übernommen zu haben. Mit einer Fläche von vielleicht 20, 25 Hektar entstand eine für diese Zeit typische Rundsiedlung, worin der Grundstock späterer Macht gelegt wurde. Ein künstlich angelegtes Wasserreservoir wird die Ernährungs­grundlage gesichert haben. Der Name dieser frühen Siedlung ist unbekannt.

Zu Beginn des 2. Jahrtausends wuchs die Siedlung zu einer befestigten Stadt, die vorsichtig zwischen Unabhängig­keit und Eingebunden­sein in größere Reiche lavierte. Gelungen ist es ihr letztlich nicht. Mit der Zerstörung der Palastanlagen im 14. Jahrhundert beginnt der Niedergang, der im 6. Jahrhundert zum endgültigen Verlassen des Ortes geführt hat. Hier mag die Austrocknung des Bodens, auch durch menschliche Aktivitäten, eine Rolle gespielt haben.

Der Katalogband zur Ausstellung vereint in einer großzügigen Übersicht die nicht wegtragbaren Fundstücke mit denen, die in der Ausstellung „Schätze des alten Syrien“ in Stuttgart gezeigt werden. Der Name der Ausstellung verrät, daß uns hier nicht nur Qatna näherge­bracht werden soll, wenn auch die Entdeckung der Königsgruft mitsamt ihren Fundstücken einen großen Raum einnimmt. Die Buchhandels­ausgabe des Katalogbandes „Schätze des alten Syrien. Die Entdeckung des Königreichs Qatna“ ist im Theiss Verlag erschienen. Sie umfaßt 320 Seiten mit über 300 farbigen Bildern, und sie ist ansprechend aufgemacht. Der Band kostet als Subskriptions­preis bis Mitte des Jahres 29 Euro 90, ab Juli [2010] dann zehn Euro mehr. Auch wenn ein Buch keine Ausstellung ersetzen kann, so handelt es sich dennoch um eine interessante Alternative. Die Ausstellung selbst ist noch bis zum 14. März im Landesmuseum im Alten Schloß in Stuttgart zu sehen.

 

Der Raub der Kindheit, die Verfolgung der Jenischen

Besprechung von : Sara Galle / Thomas Meier: Von Menschen und Akten. Die Aktion »Kinder der Landstrasse« der Stiftung Pro Juventute, Chronos Verlag 2009, 244 Seiten, mit DVD, € 24,00

Zwischen 1926 und 1973 nahm die Stiftung Pro Juventute 586 Kinder aus fahrenden Familien ihren Eltern weg. [8]

So beginnen Sara Galle und Thomas Meier die Darstellung eines Verbrechens in der Schweiz. Die hierbei handelnde Stiftung Pro Juventute hatte hierzu eine Aktion Kinder der Landstrasse ins Leben gerufen. Ziel dieser Maßnahme war die Entwurzelung von Kindern, um sie mittels einer ganz speziellen Pädagogik zu seßhaften und nützlichen Mitgliedern der Gesellschaft umzuerziehen. Bei den hiervon betroffenen fahrenden Familien handelt es sich jedoch nicht einfach um Sinti oder Roma. Die in der Schweiz als Jenische bezeichnete Gruppe von zum Teil seßhaften, zum Teil aber auch nicht seßhaften Menschen werden unterschied­lich als eine soziokulturelle, aber auch als eine ethnische Minderheit betrachtet. Obwohl sie auch als „Zigeuner“ bezeichnet werden, scheint diese Minderheit in einer jahrhunderte­langen Geschichte eher aus der eigenen Bevölkerung hervorgegangen zu sein und nicht von den aus Indien nach Europa eingewanderten Roma abzustammen.

Buchcover Von Menschen und AktenDie Stiftung Pro Juventute ist mir erstmals vor Jahrzehnten auf einer Briefmarke begegnet. Vermutlich hat der Status dieser Organisation in der Schweizer Gesellschaft auch etwas mit ihrer medialen Präsentation zu tun, Auch Briefmarken repräsentieren eine Symbolik, eine Symbolik, die derart viel Vertrauensüber­schüsse schafft, daß es für die meisten Schweizerinnen und Schweizer bis in die 70er Jahre, ja für manche bis heute, undenkbar erscheint, daß eine solch wohltätige Organisation mit Duldung und Unterstützung der Behörden eine organisierte Kinder­verschleppung betrieben hat. Mich erstaunt die dahinter verborgene christliche Ethik weniger.

In ihrem Buch „Von Menschen und Akten“ schildern Sara Galle und Thomas Meier den Umgang mit den Kindern der Jenischen, derer man und frau habhaft werden konnte. Es handelt sich um eine Schweizer Geschichte, die jedoch durch ausführliche Erklärungen und eine fast schon zu pädagogische Vermittlung auch für ein deutsches Lesepublikum gut verständlich aufgearbeitet wurde. Im Vordergrund stehen die Menschen – und die Akten. Es handelt sich in der Regel um die Akten aus der Stiftung Pro Juventute, die nicht nur sieben Jahrzehnte Unrecht minutiös belegen, sondern auch um dieselben Akten, anhand derer nachvollzogen werden kann, wie vermittels dieser Akten Menschen entrechtet, entmündigt und systematisch gedemütigt wurden.

Nun handelt es sich hierbei nicht um eine einmalige Geschichte. Der Versuch, mittels Entwurzelung von Eltern und Kultur Kinder aus indigenen oder Minoritäts­gruppen gehirnzuwaschen, um sie auf die Mehrheits­gesellschaft anzupassen, ist ein weltweites Phänomen weißen, mittel­europäischen, eurozentrierten Herren­menschentums. Wir finden es beispiels­weise bei den Aborigines in Australien oder den indigenen Stämmen Nordamerikas und Kanadas. Daß die Deutschen, insbesondere im National­sozialismus, ihre eigenen Methoden hatten, um angeblich oder tatsächlich nomadisierende Menschen­gruppen zu stigmatisieren und auszulöschen, soll hier nicht relativiert werden. Auf diese Idee kämen weder Sara Galle noch Thomas Meier. Es ist zunächst einmal ein Schweizer Skandal mit einer eigenen Dimension der Verfolgung und Entrechtung, aber es ist auch einer, der grund­sätzliche Fragen der Bürokratisierung und Objektivierung menschlichen Handelns aufwirft.

Auch wenn das Buch selbst als eine ziemlich trockene Angelegen­heit daherkommt, wenn es Akte um Akte vorzeigt und damit Jahre der Qual belegt, so werden hier Schicksale einzelner Menschen, Männer, Frauen und Kinder, vorgetragen. Eine gute Idee war es auf jeden Fall, dem Buch eine DVD beizulegen, auf der die durch die Maßnahmen von Pro Juventute gezeichneten Männer und Frauen selbst zu Wort kommen und ihre Geschichte erzählen. Vielleicht ist auch hier die Präsentation etwas zu pädagogisch geraten, wenn die Erzählungen in viele kleine Unterthemen zerstückelt werden. Vielleicht ist es aber auch einfach nur so, daß ein medialer Overkill vermieden werden soll, daß wir uns in Ruhe nach und nach die ganze Dimension einer Entrechtung ansehen und aufnehmen können. Die Opfer dieser Entwurzelung erhielten erst spät Einsicht in ihre Akten. Manche haben es nicht ertragen und haben sie verbrannt, manche haben sich angesichts der hierin dokumentierten Anmaßungen, das Schicksal, den Leumund und die Integrität eines Menschen systmatisch in den Dreck zu ziehen, das Leben genommen.

Im Grunde genommen ist es die Aktion eines einzelnen Mannes, Alfred Siegfried. Dieser und seine Nachfolgerin Clara Reust nahmen den Kampf gegen das Vagantentum in der Schweiz auf. Ihr Ziel war es, durch das Auseinander­reißen von Familien die fahrende Lebensweise zu zerschlagen und aus den Kindern brauchbare Menschen zu machen. Die Stiftung Pro Juventute, also „für die Jugend“, wurde 1912 gegründet. Als sie 1923 von einem Tessiner Bundesrat angefragt wurde, sich um die verwahrlosten Kinder einzelner fahrender Familien zu kümmern, sah der seit 1915 für die Stiftung tätige Alfred Siegfried darin seine Aufgabe, systematisch nach anderen Kindern zu forschen und sie ihren Eltern wegzunehmen.

Er war für diese Aufgabe bestens geeignet. Der seit 1918 in Basel als Gymnasial­lehrer beschäftigte Alfred Siegfried wurde 1924 vom Baseler Strafgericht wegen Vornahme unzüchtiger Handlungen an einem Schüler verurteilt und aus dem Schuldienst entlassen. Das behinderte seine Karriere bei Pro Juventute nicht. „Ob es später auch zu sexuellen Übergriffen auf seine Mündel kam, wurde nie untersucht.“ [9] Somit war er bestens geeignet, Vorwürfe einzelner Mündel beurteilen zu können, sie seien von ihren Pflegevätern sexuell belästigt oder gar vergewaltigt worden. Seine Akten verwiesen diese Anschuldigungen in das Reich der Lügen. Er mußte es ja wissen.

Auch wenn die Aktion »Kinder der Landstrasse« mit den Namen Alfred Siegfried und Clara Reust verbunden ist, so gehen die Autorin und der Autor einer auf diese Beiden bezogenen Individuali­sierung des Skandals aus dem Weg. Sie zeigen anhand der Akten, wie systematisch die Beiden vorgegangen sind und wie bereitwillig Schweizer Behörden mitgemacht haben. Hierbei gab es durchaus auch Ausnahmen. Nicht jede Behörde und nicht jedes Gericht fand die in den Akten zusammengestellten Lebensgeschichten überzeugend. Die Gründe waren zuweilen jedoch auch von ganz speziellen Ressentiments getragen:

Es ist offensichtlich und aktenkundig, dass die Behörden keineswegs überall bereit waren, mit dem »Hilfswerk« zusammenzu­arbeiten. Ein gewisses Misstrauen dieser nationalen und »städtischen«, jedenfalls ortsfremden Organisation gegenüber spielte dabei ebenso eine Rolle wie die Angst vor einer zu starken Inanspruch­nahme der lokalen Armenkasse. So sahen etwa die Behörden von Muotathal ihre von der Pro Juventute bereits bevormundeten Bürger schliesslich lieber unter der eigenen Kontrolle im gemeinde­eigenen Armenhaus als verstreut auf ihrer Meinung nach viel zu teure und schlecht geführte Heime im Unterland. [10]

Wenn jedoch die lokalen Behörden einmal überzeugt waren, dann erkennen wir ein gut funktionierendes Zusammen­spiel von Pro Juventute, einzelnen Ämtern, Pflegefamilien und „Besserungs“­einrichtungen, die alle ein Ziel hatten: den Kindern ihre Kindheit zu stehlen, ihre menschlichen Regungen zu unterdrücken, sie auf Anpassung und Unterwerfung unter die verlogene Moral der Mehrheits­gesellschaft zu trimmen. Strafen für Nichtigkeiten waren an der Tagesordnung. Daß zu dieser verlogenen Moral fiese Tricks gehörten, um den Müttern ihre Kinder zu stehlen, wird an einzelnen Fällen deutlich.

Jede gute Bürokratie arbeitet seit dem Ende des Mittelalters mit einem ausgefeilten Aktensystem. Die hierin zu findende Verobjektivierung und Nachvollzieh­barkeit von Sachverhalten macht aus Menschen Objekte nach Aktenlage. Das, was die Akten beinhalten, entfaltet eine eigene Wirkungsmacht. Es zählt nicht der Mensch in seiner Individualität, sondern der effektiv verwaltbare, normierte, etikettierte und damit handhabbar gemachte Mensch. Dies gilt für die preußische Bürokratie des 19. Jahrhunderts genauso wie für die Akten von Pro Juventute oder die Fallakten der Arbeitsagenturen und ARGEn. Ich erinnere hier nur an die ausführliche indiskrete Abfragerei in den Erstanträgen für das Arbeitslosengeld II.

Wie schwer es ist, diese Akten einzusehen, mag jede und jeder erkennen, wenn sie einen Antrag auf Akteneinsicht gestellt haben. Welche Behörde rückt schon das heraus, was sie über und gegen eine und einen in der Hand hat? Ich glaube, mich würde der Schlag treffen, wenn ich die Einträge und Bewertungen meiner Arbeitslosen­akte einsehen würde. Den geballten Unsinn, der darin zu finden ist, wieder richtigzustellen, ist eine Lebensaufgabe. Eine der auf der DVD zu sehenden Opfer dieser Entrechtung hat schon fast resignierend festgestellt, daß, um die Wirkungsmacht dieser Akten zu entschärfen, zu jedem Aktenstück eine Gegendarstellung vonnöten wäre, um die eigene Sichtweise angemessen darzustellen. Und wer sagt mir, daß derartige Einlassungen nicht wieder gegen eine oder jemanden verwendet werden? Dies ist gar nicht so abwegig gedacht. Eine der ihren Eltern geraubten Frauen wurde aufgrund einer ehrlichen Aussage in einer Schularbeit später für unglaubwürdig erklärt, als sie ihren Vergewaltiger angezeigt hatte.

Das Sammeln von Daten in Akten kann jedoch ganz leicht auch andere Dimensionen annehmen, und zwar in jeder gut geführten Demokratie. In den 80er Jahren wurde beispiels­weise in der Schweiz aufgedeckt, daß rund 700.000 Schweizerinnen und Schweizer jahrzehntelang von der Bundespolizei bespitzelt worden waren. Der Große Bruder ist eben nicht nur die DDR, sondern ebenso der ganz normale Wahnsinn kapitalistischer Datenproduktion. Heutzutage nennt man oder frau so etwas dann besser Sozialdetektive und findet es auch noch ganz toll, in den einschlägigen Fernseh­magazinen den Hilfssheriffs zuzujubeln (oder ihn am liebsten gleich selbst zu spielen).

Die Studie „Von Menschen und Akten“ zur Aktion »Kinder der Landstrasse« der Stiftung Pro Juventute ist ein wichtiges Buch. Nicht nur, um das geschehene Unrecht nicht in Vergessen­heit geraten zu lassen. Dabei ist das Buch keine Anklage, es ist erstaunlich moderat in seinem Tonfall. Nein, es ist vor allem deshalb wichtig, weil es unsere Gleichgültig­keit gegenüber bürokratischer Daten­sammelei angeht. Hier, in diesem Buch, geht es um eine Minderheit. Das betrifft uns ja nicht. Aber der Große Bruder arbeitet im Hintergrund mit denselben Methoden, nur besser ausgestattet. Und das sollte uns angehen. Und schließlich: wir sollten hinschauen und nicht wegschauen, wir sollten genau nachfragen und nicht jede Geschichte, die in irgendeiner Akte vermerkt ist, für bare Münze nehmen. Menschen haben ihre eigene Geschichte, die es sich anzuhören lohnt.

Eine nachkapitalistische Gesellschaft wird daher auf Akten, Buchhalter und Bürokraten verzichten und neue Wege finden müssen, die Kohärenz einer Gesellschaft mit Würde zu gestalten. Eine derjenigen, die in Heimen, bei Pflegefamilien und anderen Anstalten um ihre Kindheit gebracht wurde, sagt daher zu Recht: „Man darf keinen Schlußstrich ziehen.“

Das von Sara Galle und Thomas Meier geschriebene Buch heißt „Von Menschen und Akten“, es ist im Schweizer Chronos Verlag zum Preis von 24 Euro erhältlich, natürlich auch in deutschen Buchhandlungen.

 

Was uns Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht heute noch sagen können

Bis zum Ende meiner heutigen eher historisch angelegten Sendung hört ihr zwei Interviews, die Radio Corax in Halle mit Friedrich Raabe von der Kommunistischen Plattform der Partei „Die Linke“ und mit Evelyn Wittich von der Rosa-Luxemburg-Stiftung geführt hat. Anlaß war das alljährliche Gedenken an Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg im Januar in Berlin. Welchen Stellenwert haben Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg für Theorie und Praxis heute? Es verabschiedet sich zuvor der von zwei RadaR-Vorstands­mitgliedern als Stalinist titulierte Walter Kuhl von der Dissent – Medienwerkstatt Darmstadt. Dieser Begriff und noch einige Verleumdungen mehr finden sich auch in Akten, und zwar denen des Trägervereins des Radios, das ihr gerade hört. [11]

Die Beiträge von Radio Corax anhören

Die beiden Beiträge könnt entweder über das Audioportal des Bundesverbandes Freier Radios nachgelesen, angehört oder herunter­geladen werden, sie können aber auch mit dem nach­folgend zu sehenden MP3-Abspielgerät ohne lästiges Herumgefummel mit internen oder externen Software-Playern angehört werden. Wie ihr wollt.

 

Der Beitrag „Gedenken an Luxemburg und Liebknecht heute“ findet sich hier.

 

Der Beitrag „Die internationale Rezeption von Rosa Luxemburg“ findet sich hier.

 

ANMERKUNGEN

 

Mittels eines Klicks auf die Nummer der jeweiligen Anmerkung geht es zur Textpassage zurück, von der aus zu den Anmerkungen verlinkt wurde.

 

»» [1]   Die Aufnahme entstammt der Privatsammlung des Benutzers Fäberer und wird von Wikipedia als gemeinfrei angegeben. Siehe auch die interessante Webseite dieses jenischen Wikipedianers: www.faeberer.tk.

»» [2]   Eine treffende Antwort hat auf diese Frage Rainer Roth am 13. Februar 2010 gegeben: Ist das Urteil des Bundesverfassungsgerichts zu begrüßen? Nein!

»» [3]   Siehe hierzu auch: Artikel BA sieht Missbrauchsquote bei 1,9 Prozent in der Onlineausgabe des Neues Deutschland am 3. Februar 2010. Artikel Missbrauch von Hartz IV nimmt zu in der Onlineausgabe des Focus am 2. Februar 2010.

»» [4]  Noch ist er ja Oberbürgermeister. Aber im Frühjahr 2011 werden die Karten neu gemischt. Angesichts der Wahl­ergebnisse der letzten Zeit ist kaum zu erwarten, daß es zu einer absoluten Mehrheit im ersten oder zweiten Wahlgang reichen wird. Für die CDU hat Rafael Reißer seine Kandidatur schon einmal angemeldet ([quelle]). Sollten die Grünen dann noch auf die Idee kommen, den derzeitigen Sozialdezernenten Jochen Partsch aufzustellen, dann wird es wirklich spannend. Denn erstmals würden die Grünen dann keinen Alibi-Kandidaten ins Rennen schicken, sondern ernsthaft politisch agieren. Meine Prognose: Reißer und Partsch kommen in die Stichwahl, und die SPD wird dem Grünen die Unterstützung verweigern, nicht zuletzt als Abstrafaktion wegen unbotmäßigem Verhaltens in der Koalition. Das wird die SPD dann bei der nachfolgenden Kommunalwahl teuer zu stehen kommen. Genial wie diese Partei ist, schießt sie am 22. Februar 2010 ihren Oberbürger­meister ab und verweigert ihm die Kandidatur für eine zweite Amtszeit ([quelle]). Ich warte noch ein bißchen mit meinem Nachruf, denn die Implosion dieser Partei scheint unabwendbar.

»» [5]  Siehe hierzu den Artikel von Daniel Baczyk Die Nordostumgehung kann gebaut werden in der Onlineausgabe des Darmstädter Echo am 5. Februar 2010.

»» [6]   Das ist immerhin seit Jahren bekannt. Siehe hierzu den Artikel von Daniel Baczyk Wenzel: Straßen bisher vernachlässigt in der Onlineausgabe des Darmstädter Echo am 6. Februar 2010.

»» [7]   Siehe hierzu den Artikel Pausenbrot und rechte Propaganda von Johannes Boie in der Onlineausgabe der Süddeutschen Zeitung am 6. Februar 2010.

»» [8]   Sara Galle / Thomas Meier : Von Menschen und Akten, Seite 7.

»» [9]   Galle/Meier Seite 24.

»» [10]   Galle/Meier Seite 64.

»» [11]   Diese diffamierenden Äußerungen haben eine interessante Bewertung in einem Urteil des Amtsgerichts Darmstadt vom 26. November 2009 erhalten.


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