Geschichte und Geschichten

 

 

SENDEMANUSKRIPT

 
Sendung :
Geschichte
… und Geschichten
 
Redaktion und Moderation :
Walter Kuhl
 
gesendet auf :
Radio Darmstadt
 
Redaktion :
Alltag und Geschichte
 
gesendet am :
Montag, 14. Oktober 2002, 17.00–18.00 Uhr
 
wiederholt am :
Dienstag, 15. Oktober 2002, 00.00–01.00 Uhr
Dienstag, 15. Oktober 2002, 08.00–09.00 Uhr
Dienstag, 15. Oktober 2002, 14.00–15.00 Uhr
 
 
Besprochene und benutzte Bücher und Zeitschriften :
  • Bärbel Auffermann und Jörg Orschiedt : Die Neandertaler, Konrad Theiss Verlag
  • Wighart von Koenigswald : Lebendige Eiszeit, Konrad Theiss Verlag
  • Unbequem Nr. 46/47, 48 und 49, Zeitung Kritischer Polizistinnen und Polizisten
  • Peter Brückner : Sigmund Freuds Privatlektüre, Verlag Neue Kritik
 
 
URL dieser Seit : http://www.waltpolitik.powerbone.de/herstory/ge_eiszt.htm
 
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Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1 : Einleitung
Kapitel 2 : Neandertaler / Eiszeit
Kapitel 3 : Innere Sicherheit
Kapitel 4 : Sigmund Freuds Privatlektüre
Kapitel 5 : Schluß

 

Einleitung

Jingle Alltag und Geschichte

Vor zwei Wochen habe ich die Moralistinnen und Moralisten der grünen Partei eingeladen, mir hier und heute Rede und Antwort zu den makaberen Auswirkungen ihrer Menschenrechtspolitik zu stehen. Wie nicht anders zu erwarten war, sind die Damen und Herren in Schickgrün sich viel zu fein dafür, Rechenschaft über ihr Tun abzulegen. Lieber kungeln sie gerade in Berlin, wie sie ihre Klientel am besten bedienen und ansonsten dem Kapital freie Bahn bei der Ausbeutung von Arbeitskraft und Natur ermöglichen können. Standortpolitik nennt sich so etwas. Wo kämen wir auch hin, wenn Konzerne mit hohem Energiebedarf Ökosteuern und auch die Lufthansa für ihr Kerosin Steuern zahlen müßten? Vom Atomdeal zu Obrigheim rede ich lieber erst gar nicht; und natürlich fragt auch diesmal keine und niemand den Herrn Umweltminister nach der Rotbauchunke. Schade eigentlich. Doch am Ende der Sendung habe ich noch einen Veranstaltungstip für GRÜNE und solche, die es werden wollen. Schließlich ist es allemal interessant, wie grüne Menschenrechtsrhetorik sich am konkreten Beispiel ziemlich menschenverachtend, wenn nicht gar tödlich auswirkt. Aber Joschka Strahlemann wird deshalb kein Zacken aus der Krone fallen.

Und deshalb rede ich heute über ganz andere Dinge. Ist ja auch langweilig, immer wieder dasselbe zu hören. Finde ich auch; aber was kann ich denn für die Realität? Meine Themen sind daher heute:

  • Zunächst einmal möchte ich euch in die Eiszeit entführen. Nicht, weil wir sowieso gerade dem Winter entgegensehen, sondern weil vor kurzem zwei wirklich außerordentlich informative und gut geschriebene Bücher über die Neandertaler und das Klima und die Tierwelt der Eiszeit erschienen sind, die ich auch deshalb empfehlen möchte, weil sie unser Bild vom Menschen und seiner Herkunft bereichern können.
  • Dann werde ich vollkommen das Thema wechseln und auf die Innere Sicherheit in diesem Land zu sprechen kommen. Spötter könnten auf die Idee kommen, daß die Innere Sicherheit am meisten durch Polizei, Politik und Wirtschaft gefährdet werde. Und vielleicht liegen sie da gar nicht so falsch. Mehr dazu im Verlauf dieser Sendung.
  • Und zum Schluß frage ich danach, was der Begründer der Psychoanalyse selbst so alles gelesen hat. Denn manchmal verrät die Lektüre so einiges über die Person des oder der Lesenden. Obwohl – ehrlich gesagt: Es war der – auch an den Folgen politischer Verfolgung – 1982 gestorbene Psychologieprofessor Peter Brückner, der 1975 ein Buch über Sigmund Freuds Privatlektüre verfaßt hat.

Und damit möchte ich euch begrüßen; am Mikrofon für die Redaktion Alltag und Geschichte auf Radio Darmstadt ist Walter Kuhl.

 

Neandertaler / Eiszeit

Wer morgens den Radiowecker von Radio Darmstadt hört, hat vielleicht schon die eine oder andere Besprechung der Zeitschrift Archäologie in Deutschland vernommen. Diese versteht sich als bewußt nicht hochtheoretische, sondern dem Gedanken verpflichtet, neueste Forschungsergebnisse in Geschichte und Archäologie verständlich und nachvollziehbar zu präsentieren. Wenn dann noch der wissenschaftliche Anspruch nicht verloren geht, dann handelt es sich um eine gelungene und empfehlenswerte Zeitschrift. Diese Zeitschrift aus dem Konrad Theiss Verlag gibt jedes Jahr ein Sonderheft heraus, das dabei ist, sich als eigenständige Publikationsform ein Namen für herausragende wissenschaftliche Publizistik zu machen. Eigentlich handelt es sich nicht um ein Heft, sondern um einen kleinen, solide gebundenen Band. Aber der hat es in sich. Im Jahr 2000 stellte Hartwig Schmidt Archäologische Denkmäler in Deutschland vor – und ich dachte: nicht übel. Letztes Jahr präsentierte Gudrun Gerlach eine Kulturgeschichte des Essens und Trinkens mit dem Titel Zu Tisch bei den alten Römern. Mir wurde zwar nicht der Mund beim Lesen wäßrig, weil römisches Essen eine ziemlich eigenwillige Schärfe gehabt haben muß, aber das Buch selbst ist klasse. Gibt es noch eine Steigerung? Die Antwort lautet eindeutig ja. Bärbel Auffermann und Jörg Orschiedt sind Autorin und Autor des diesjährigen Sonderheftes über Die Neandertaler. Und ich habe schon eine Menge zur Vorgeschichte des Menschen gelesen. Dieses Buch gehört auf jeden Fall zum Besten, was je über den Vormenschen geschrieben worden ist. Und der Grund liegt nicht nur in der sauberen wissenschaftlichen Beweisführung, sondern vor allem darin, daß mir erstmals Fragen beantwortet worden sind, die mich schon immer beschäftigt haben.

Die Paläoanthropologie, also die Wissenschaft von den ältesten Menschen und ihren Vorfahren, muß sich nämlich mit zwei grundsätzlichen Problemen herumschlagen. Zum einen gibt es von vielen Fossilien nur Bruchstücke – einzelne Knochen, einzelne Zähne, und vor allem, viel zu wenige Funde, um eine wirklich gesicherte statistische Aussage über das Aussehen der einzelnen Menschen– oder Vormenschenarten treffen zu können. Bei kompletten Skeletten mag dies noch angehen; aber auch hier bleibt die Variationsbreite unbekannt. Oder anders gesagt: wenn wir davon ausgehen, daß alle Menschen dieser Erde einer einzigen Art angehören und die weiße Hautfarbe (wie Friedemann Schrenk das so schön sagt) eine Degenerationserscheinung ist, dann haben wir eine ungefähre Vorstellung davon, wie variabel der Knochenaufbau bei Männern und Frauen, Jungen und Alten, Dicken und Dünnen, Armen und Reichen sein kann. Und dann haben wir einige wenige Skelettfunde aus grauer Vorzeit und sollen dann entscheiden, welcher Art sie angehören. Kein Wunder, daß sich die Gelehrten oftmals über den Stammbaum des Menschen streiten.

Und das andere Problem ist: es gibt Funde aus nur wenigen Gegenden der Erde. Wir wissen überhaupt nicht, wo die Vormenschen noch gelebt haben, und vor allem wissen wir nicht, ob es nicht weitere, uns heute völlig unbekannte, Arten gegeben haben mag, was durchaus im Bereich des Möglichen liegt. Und genau über derartige Probleme räsonieren Bärbel Auffermann und Jörg Orschiedt. Und sie zeigen dabei, daß die angeblich scharfe Trennlinie zwischen Neandertalern und Jetztmenschen gar nicht so klar ist, wie dies Paläoanthropologinnen und Paläogenetiker vermuten. Die Wirklichkeit ist wahrscheinlich viel komplexer gewesen.

Als vor rund 150 Jahren die ersten Knochen eines Neandertalers gefunden wurden, war Charles Darwins bahnbrechendes Werk über die Entstehung des Menschen noch nicht geschrieben. Zwar ahnte man etwas von der Existenz von frühzeitlichen Menschen, aber man sah – ganz dem Zeitgeist entsprechend – in ihnen bloß Wilde und Primitive. Bezeichnend ist, daß sie mit einer Keule in der Hand dargestellt wurden, obwohl bis heute keine Keule aus der Eiszeit gefunden worden ist. Bärbel Auffermann und Jörg Orschiedt legen nun den Stand der heutigen Forschung dar. Sie belegen darin, daß der Neandertaler – würde er entsprechend mit Anzug und Krawatte kostümiert werden – uns heute nicht einmal als Fremder begegnen würde. Zu ähnlich sind nicht nur seine anatomischen Merkmale, sondern – soweit sich dies heute sagen läßt – auch sein Sprachvermögen, sein Sozialverhalten und seine Kunstfertigkeit.

Bärbel Auffermann und Jörg Orschiedt waren in den 90er Jahren beim Aufbau des Neanderthal–Museums in Mettmann beteiligt, dessen Direktor Gerd–Christian Weniger für eine gleichermaßen wissenschaftliche Exaktheit wie wissenschaftliche Neugier steht. Was nicht beweisbar ist oder nur spekulativ, wird auch so benannt. Was andere Forscherinnen und Forscher der Frühzeit des Menschen als gesicherte Erkenntnis verbreiten, wird hier noch einmal problematisiert. Und dennoch ist es ein leicht und verständlich zu lesendes Buch.

Doch das Rätsel, warum die Neandertaler, oder vielleicht sollten wir genauer sein: warum die Menschen, die anatomisch als Neandertaler gelten, vor etwa 30.000 Jahren verschwunden sind, ist bis heute ungeklärt. Entweder waren sie im Vergleich zum einwandernden modernen Menschen zu wenige und sind sozial einfach assimiliert worden, oder sie sind aus Gründen, die völlig unklar sind, ausgestorben. Vielleicht sollten wir dabei berücksichtigen, daß im Gebiet des heutigen Mitteleuropa vielleicht gerade einmal 1.000 Neandertaler/innen gelebt haben mögen. Dann kann es schon sein, daß ein paar tausend aus dem Süden einwandernde Jetztmenschen in wenigen hundert Jahren die vorhandenen Jägerinnen und Sammler assimiliert haben könnten. Einfach so. Ohne Krieg, ohne Völkermord, ohne Gewalt. Nicht, daß es auszuschließen wäre, daß es zu Gewalttätigkeiten gekommen sein mag. Das ist jedoch etwas, was wir definitiv nicht wissen. Aber wenn es zu Gewalttätigkeiten zwischen einzelnen Gruppen gekommen ist, dann wird der anatomische Unterschied zwischen Neandertalern und Jetztmenschen keine Rolle gespielt haben.

Somit läßt sich die These, wie sie der Spiegel im März 2000 aufgestellt hat, wonach die flachköpfigen Neandertaler von unseren Vorfahren im Stil einer ethnischen Säuberung ausgerottet worden sein sollen, schlicht nicht belegen. Hier ist offensichtlich die unwissenschaftliche Phantasie mit dem Autor durchgegangen, um das angeblich kriegerische Erbe des Jetztmenschen genetisch zu begründen, anstatt die sozialen und ökonomischen Ursachen von Kriegen zu beleuchten.

Die Neandertaler hingegen müssen ungemein anpassungsfähig gewesen sein, da sie mehrere Jahrzehntausende in Gegenden gelebt haben, die wesentlich kälter und unwirtlicher als unser heutiges Mitteleuropa waren. Doch als Sammlerinnen und Jäger verstanden sie es, das Beste daraus zu machen, so daß es unwahrscheinlich ist, daß sie an der Kälte einer Eiszeit zugrunde gegangen sind. Vielleicht müssen wir auch von einer weiteren Vorstellung Abstand nehmen. Wir reden von Steinzeitmenschen, weil wir nur erahnen können, mit welchen anderen organischen Materialien sie ihr Leben bestritten haben. Organisches Material ist vergänglich, Stein nicht. Vielleicht sollten wir sie eher Holz– oder Knochenwerkzeugmenschen nennen. Jedenfalls war ihr kultureller Hintergrund wesentlich weiter, als der Begriff Steinzeit vorgibt.

Doch wovon haben sich die Neandertaler ernährt? In welcher Umgebung haben sie sich aufgehalten? Wighart von Koenigswald hat in seinem ebenfalls bei Theiss erschienen Buch Lebendige Eiszeit Klima und Tierwelt im Wandel betrachtet. Denn nichts wäre falscher, als die Eiszeit als einheitlichen Block zu betrachten. Eiszeiten hat es schon immer gegeben, oder genauer: seitdem die Erde ausreichend abgekühlt war, um Leben zu ermöglichen. Die Gründe sind noch nicht ausreichend erforscht, aber es scheint einen Zusammenhang mit der Kontinentalverschiebung und den damit möglichen Meeresströmungen zu geben. Liegt nämlich ein Kontinent am Nord– oder Südpol, scheint sich dies auf die globalen Wetterbedingungen auszuwirken. Es fällt mehr Schnee und es bilden sich verstärkt Gletscher. Die jetzige Eiszeit begann vor etwa zwei Millionen Jahren. Nun gibt es auch innerhalb einer Eiszeit wärmere Perioden – in solch einer leben wir gerade –, aber vorherrschend sind die kälteren Perioden. Um das Ganze noch ein bißchen komplexer zu machen: innerhalb der warmen Perioden einer Eiszeit gibt es auch wieder kältere Jahrhunderte; und in den richtigen Eiszeitperioden gibt es auch wärmere Jahrhunderte. Und davon handelt das Buch Lebendige Eiszeit – wie wirkt sich dies auf Flora und Fauna aus?

Wighart von Koenigswald schildert darin Arbeitsmodelle, warum sich bestimmte Tier– und Pflanzenarten verbreitet haben und warum sie möglicherweise ausgestorben sind. Hierbei weist er vor allem den dominanten Einfluß des Menschen beim Aussterben etwa des Mammut durchaus plausibel als nicht beweisbar zurück. Um alle am Ende der letzten Kaltperiode vor etwa 12.000 Jahren ausgestorbenen Tiere zu töten, hätten die Jäger der Vorzeit im Akkord arbeiten müssen. Es waren schlicht zu wenige, ein paar Tausend Menschen vielleicht auf dem Gebiet des heutigen Deutschland. Berücksichtigen sollten wir auch, daß es Perioden gab, in denen die Sammlerinnen und Jäger trockenen Fußes von Frankreich nach Irland gelangen konnten; und Perioden, in denen halb Finnland unter Wasser stand und Skandinavien eine große Insel war. Neandertaler und Jetztmenschen hatten es also mit einer Umgebung zu tun, die sich meist gravierend von dem unterschieden hat, wie wir heute Mitteleuropa kennen.

Wer zudem wissen möchte, welche Tiere im Verlauf der Eiszeit in Mitteleuropa gelebt haben und welche Lebensumstände sie angetroffen haben, erhält hier eine Fülle spannender und interessanter Details.Lebendige Eiszeit von Wighart von Koenigswald kostet 34 Euro 90. Der Sonderband der Zeitschrift Archäologie in Deutschland mit dem Titel Die Neandertaler von Bärbel Auffermann und Jörg Orschiedt kostet 26 Euro. Beide Bücher sind im Theiss Verlag erschienen.

 

Innere Sicherheit

Ein wenig aus der öffentlichen Debatte verschwunden sind sie – die Kritischen Polizistinnen und Polizisten. Dies liegt sich nicht daran, daß es in Zeiten rotgrüner Reformpolitik keine kritischen Polizistinnen und Polizisten mehr geben müßte. Gerade Otto Schily hat sich immer mehr als würdiger Nachfolger von Manfred Kanther erwiesen; der einzige Unterschied zwischen beiden scheint darin zu bestehen, daß Schily im Gegensatz zu Kanther keine schwarzen Koffer mit sich herumgetragen hat.

Doch die Innere Sicherheit ist und bleibt das Lieblingsthema aller Scharfmacher und Ordnungsfanatiker. Zwar jagt Horst Knechtel immer noch lieber sprühende Kids als verkehrsgefährdende Autorowdies, schikaniert lieber Junkies als Falschparker, aber er liegt im Trend. Doch brauchen wir mehr innere Sicherheit, oder brauchen wir nicht vielmehr mehr Zivilcourage und Demokratie? Und dies sind dann eben Fragen, die sich kritische Menschen und eben auch kritische Polizistinnen und Polizisten stellen.

Nun haben die Kritischen ein Problem. Sie sind untereinander zerstritten. Zum einen liegt das daran, daß einige ihrer Mitglieder illusionäre Hoffnungen auf Rot–Grün gesetzt haben und natürlich nicht so begeistert sind, wenn ihre Kolleginnen und Kollegen dennoch weiterhin Defizite, Mißstände und Skandale deutscher Polizeien anprangern. Zum anderen ist die Organisation der kritischen Polizistinnen und Polizisten, auch durch etwas anders gelagerte interne Streitereien, insolvent geworden. Und in solchen Zeiten ist eben schwer, eine Zeitschrift wie die Unbequem nicht nur herauszubringen, sondern auch an den Mann und die Frau zu bringen. Schauen wir daher einmal, was in der Unbequem zu lesen ist.

Die Debatte um die angeblich so arg gefährdete Innere Sicherheit – und damit ist nicht die Kollaboration zwischen Verfassungsschutz und NPD gemeint – hat die Bedrohungsszenarien so weit verschoben, daß inzwischen grundsätzlich jede und jeder als verdächtig gilt. Die sogenannte Schleierfahndung hat uns schon einen Vorgeschmack darauf gegeben, was es heißen kann, wenn ganz präventiv und ohne jeden Grund auf Autobahnen Kontrollen durchgeführt werden. Hiermit wird das rechtsstaatliche Prinzip der Unschuldsvermutung ad absurdum geführt. Biometrische Merkmale, Fingerabdrücke oder die neuen Arbeitslosenausweise der Hartz–Kommission werden zwar keine Sicherheit und keine Arbeitsplätze schaffen, aber sie liefern Daten, genauso wie die erweiterten Möglichkeiten der Telefonüberwachung oder der Speicherung von Telefonnummern bei den Telekommunikationsunternehmen. Die ganz spezielle rassistische Rasterfahndung nach dem 11. September gibt einen Vorgeschmack auf das, was gesellschaftlich akzeptabel sein soll: wir alle sind potentiell Verdächtige und dürfen keine Privatsphäre mehr haben. Das Ganze wird wohlklingend hinter angeblichen Terrorismusbekämpfungsgesetzen oder Sicherheitsgesetzen getarnt, doch in einer Zeitschrift wie der Unbequem erfahren wir dann doch, worauf das Ganze hinauslaufen soll. Wo auf der einen Seite angeblich strengere Datenschutzrichtlinien beschlossen werden, etwa für Verwaltungen und Teile der Wirtschaft, wird auf der anderen Seite der gläserne Mensch – natürlich aus rein sicherheitspolitischen Erwägungen – hergestellt. Wer braucht den gläsernen Menschen? Das ist doch eine Frage, über die es sich lohnt nachzudenken. Spannend ist in diesem Zusammenhang, daß Wirtschaftskriminalität, also nicht Drogengeldwäsche, sondern Steuerflucht oder Insidergeschäfte, nicht gescreent werden.

Doch auch ohne Daten und Rasterfahndung ist die Polizei aktiv. Demonstrantinnen und Demonstranten werden wie immer fürsorglich behandelt; und damit ihnen etwa bei einer Castorblockade kein Knüppel begegnet, werden sie zuweilen vorsorglich präventiv in Gewahrsam genommen. Platzverweise und Unterbringungsgewahrsam gehören zum methodischen Vorgehen bei der Behinderung des Grundrechts auf Demonstrationsfreiheit. Oder wie es Mathias Edler in der Unbequem vom Dezember letzten Jahres schreibt:

[Bei den Protesten gegen den Castortransport im November 2001] haben ein Fünftel aller protestierenden Menschen 24 Stunden und länger in Gefangenensammelstellen eingesessen. Die miserablen Haftbedingungen sind ein Thema für sich und kommen einer vorweggenommenen Bestrafung durch die Exekutive, nicht durch die zuständige Judikative, gleich. In den meisten Fällen wurden die [Demonstrantinnen und] Demonstranten weit außerhalb der an sich schon fragwürdigen Demonstrationsverbotszone [...] festgenommen und denkwürdigerweise haben Richter lediglich in vier Fällen die Fortsetzung des Gewahrsams bestätigt. Nur 100 Fälle landeten überhaupt auf den Schreibtischen der Richter. Die anderen saßen einfach so ein. Und der polizeiliche Apparat arbeitete so langsam es eben nur geht. Hauptsache, das Einsatzziel wurde nicht aus den Augen verloren: die Leute vom Demonstrieren abzuhalten. [Unbequem 46/47, Seite 30]

Natürlich gibt es einen Zusammenhang zwischen Datensammelwut, Rasterfahndungen und der Verhinderung der Ausübung des Grundrechts auf Demonstrationsfreiheit. Dies wird jedoch nicht als Gefahr für die Innere Sicherheit angesehen; und daher sollten wir uns schon fragen, was es bedeutet, wenn von führenden Politikerinnen und Politikern das Wort Demokratie in den Mund genommen wird. Offensichtlich ist Demokratie etwas anderes als das Ausüben von Grundrechten und die Unschuldsvermutung.

Menschenrechte unter Rot–Grün? Da müssen wir nicht einmal nach Afghanistan schauen.

Ein weiteres Schwerpunktthema der Unbequem ist beispielsweise das Mobbing bei Polizei und anderen Behörden. Wenn die Polizei es schon nach außen mit demokratischen Rechten nicht so genau nimmt, wie sieht es dann im Innern eines solchen Apparates aus? Auch hiervon handeln immer wiederkehrende Berichte und Analysen kritischer Polizistinnen und Polizisten in der Unbequem. Polizei – Freund und Helfer? Soll vorkommen. Aber verlassen würde ich mich darauf nicht. In Hamburg beispielsweise wird weiterhin die lebensgefährliche Brechmittelvergabe gegen angebliche oder tatsächliche Drogendealer praktiziert, um verschluckte Drogen sicherzustellen. Christian Arndt, Pastor in Hamburg, stellt dazu in der Juliausgabe der Unbequem lapidar fest:

Wären alle Händler illegalisierter Drogen Weiße, würde es keine Brechmittelvergabe geben ... [Unbequem 49, Seite 3]

Wenn dem so ist, dann gibt es offensichtlich eine rassistische Komponente in der Polizeiarbeit. Doch auch Deutsche bleiben von solider deutscher Polizeiarbeit nicht verschont. Im Mai 2002 wurde in Köln ein offensichtlich psychisch verwirrter Mann während eines Polizeieinsatzes und nachher auf der Polizeiwache derart mißhandelt, daß er an den Folgen der Mißhandlung starb. Mißhandlung heißt hier: Schläge, Tritte, die Treppe Herunterstoßen. Das Opfer war gefesselt und wehrlos. Vielleicht ein Einzelfall. Aber von diesen Einzelfällen, kommen sie denn zutage wie in Köln, gibt es zu viele. Offensichtlich gibt es ein Gewaltpotential bei der Polizei, das nach Entlastung sucht. Damit will ich nicht sagen, daß alle Polizisten oder gar die Polizistinnen gewalttätig sind. Aber es gibt einen Bodensatz, der nicht zu unterschätzen ist. In der Unbequem wird darüber berichtet. Natürlich machen sich die Autorinnen und Autoren der Zeitschrift auch Gedanken darüber, woher dieses Gewaltpotential kommt, auf welchen strukturellen Grundlagen der Polizeiarbeit es beruht und was daran geändert werden kann. Doch leider vergessen die Autorinnen und Autoren allzuoft, daß es vielleicht politisch erwünscht ist, wenn die Ordnungshüter ein gewisses Maß an Aggressivität verinnerlicht haben. Denn die Innere Sicherheit hat nicht nur Terroristen oder Drogendealer zum Thema, sondern richtet sich nicht zuletzt gegen diejenigen, die diese gesellschaftlichen Verhältnisse inhuman und asozial finden (so wie ich zum Beispiel).

Wer die Geschichte der Notstandsgesetze der 60er Jahre und der Anti-Terror-Gesetze der 70er Jahre kennt, weiß, wovon ich rede. Staatsfeind Nummer Eins sind immer diejenigen, die eine andere als die globale kapitalistische Ausbeuterordnung haben wollen. Ob die bestehende jetzt Rot–Grün oder Schwarz–Gelb oder Schwarz–Braun aussieht, spielt dabei keine Rolle.

Die Zeitschrift Unbequem erscheint im kölner GNN–Verlag und kostet im Jahresabo 12 Euro.

Sigmund Freuds Privatlektüre

Nachdem ich im vorangegangenen Beitrag die Problematik des Datenschutzes angesprochen habe, muß ich noch einmal darauf zurückkommen. Inwieweit ist es uns erlaubt, inwieweit ist vertretbar, wenn wir versuchen, das Privatleben verstorbener oder lebender Persönlichkeiten des öffentlichen Interesses zu durchleuchten? Ich meine hier nicht die Regenbogenpresse oder Paparazzi. Ich meine das wissenschaftliche Interesse, etwa am Privatleben von Sigmund Freud. Gerade Sigmund Freud hat schon sehr genau gewußt, welche Details seines Privatlebens er der Öffentlichkeit bekannt machen wollte. Gerade er, der sich des Nutzens biographischer Daten für die Psychoanalyse bewußt war, hat mehrmals in seinem Leben Briefe, Exzerpte und Manuskripte vernichtet. Und für seine zukünftigen Biografinnen und Biografen hatte er nur Spott übrig:

Die Biografen [...] sollen sich plagen, wir wollen's ihnen nicht zu leicht machen. Jeder soll mit seinen Ansichten über die Entwicklung des Helden recht behalten, ich freue mich schon wie die sich irren werden. [zit. nach Brückner, Seite 4]

Doch ich will mich dieser Frage nicht weiter widmen. Sigmund Freud ist auch heute noch eine Person des öffentlichen Interesses; und nicht zuletzt die Vorlesungsreihe von Prof. Helmut Dahmer im vergangenen Winter an der TU Darmstadt zeugt davon. Diese Vorlesungsreihe wurde und wird auch auf Radio Darmstadt gesendet, und zwar an jedem dritten Mittwoch eines Monats von 21 bis 23 Uhr. Das heißt also, am kommenden Mittwochabend.

Der 1982 verstorbene Psychologieprofessor Peter Brückner hat sich nun der Frage nach Sigmund Freuds Privatlektüre verschrieben. Sein Buch hierzu ist 1975 im Verlag Neue Kritik erschienen und wirft so manches interessante Schlaglicht auf die Person des großen Meisters. Doch zunächst möchte ich noch einige Worte zu Peter Brückner sagen, der selbst ein nicht uninteressanter Mensch gewesen ist.

Brückner, 1922 in Dresden geboren, hatte eine jüdische Mutter. Dennoch machte er 1941 sein Abitur und trat der Hitlerjugend bei. Er fand Kontakt zu Kommunisten und überlebte den Krieg. 1945 wird er in die KPD aufgenommen und beauftragt, am Aufbau der Universität Leipzig mitzuwirken. Doch er ist weder mit den herrschenden Vorstellungen bürgerlicher Bildungsorganisation noch mit den diesen merkwürdig ähnelnden marxistisch–leninistischen Anschauungen einverstanden, beispielsweise in Bezug auf die Psychologie. Er übersiedelt nach Westberlin, studiert Psychologie, reibt sich an den verkrusteten sozialpädagogischen Institutionen und nähert sich politisch dem SDS. Er entwickelt seine Vorstellung von der Politisierung der Wissenschaft, die nur bedingt mit dem Begriff Wissenschaft in gesellschaftlicher Verantwortung zu tun hat. Brückners demokratische und emanzipatorische Vorstellungen gehen darüber hinaus. Sein Wissenschaftsbegriff dient der Befreiung der Menschen von Ausbeutung und Herrschaft, nicht ihrer humanisierenden Perfektionierung.

1972 wird er als Professor in Hannover vom Dienst suspendiert, weil ein Kronzeuge aus der Roten Armee Fraktion ihn denunziert hat. 1977 wird er ein weiteres Mal suspendiert, weil er den kriminalisierten Text Buback – Ein Nachruf mit neu herausgegeben hat. Ein spannender Text übrigens, der alles andere als staatsfeindlich war. Aber über tote Bundesanwälte durfte nur Gutes verbreitet werden. Kritik ist böse. Er wird freigesprochen, bleibt aber bis 1981 suspendiert. Politisch denkende Professoren sind halt unerwünscht. Peter Brückner verstarb 1982.

Peter Brückner ging also bei seiner Analyse von Sigmund Freuds Privatlektüre auch mit einem politischen Interesse an die Arbeit. Die meisten der Autorinnen und Autoren, die Freud las, sind heute unbekannt: Multatuli aus Holland, Jens P. Jacobsen aus Dänemark oder John Milton aus England; daneben aber auch Miguel de Cervantes. Peter Brückner kommt bei der Lektüre Freuds zu einigen beunruhigenden Ergebnissen. Die Romanfigur Niels Lyhne des dänischen Schriftstellers Jens P. Jacobsen scheint es Freud besonders angetan zu haben. Jacobsen lebte Mitte des 19. Jahrhunderts und war Anhänger von Charles Darwin, dessen Schriften er ins Dänische übersetzte. Doch er hatte auch einen träumerisch–okkulten Hang zur Nachromantik. Niels Lyhne gehörte zu den Helden mit dem romantischen Bedürfnis, jenseits der frühkapitalistischen Sphäre autark zu sein. Doch eine solche Vorstellung und ein solches Individuum mußte scheitern – an Verhältnissen, die durch Isolierung und Zerfall düster gefärbt sind. Der Roman Niels Lyhne galt als Bibel des Atheismus und muß Freud sehr beeindruckt haben. Dazu Peter Brückner:

Bei Freud, dessen Glaubenslosigkeit sozusagen [wissenschaftlicher Natur] ist, nicht religiös wie die des dänischen Helden, findet sich eine vergleichbare untergründige Tönung des Entpoetisierten, Erkalteten, Hoffnungsarmen; eine Welt im Schatten, die zwar Fragen nach dem Sinn von Dasein nicht zuläßt, aber noch als sinnlose schwer auf den Frager zurückschlägt. [...] Daß Sinn, Würde, Gerechtigkeit, Lust erst auf einer wirklich menschlichen Erde zu suchen und zu finden wären, kommt bei Freud kaum noch vor. In der sozialen Welt Freuds gibt es neben wenigen guten Menschen viel Gesindel. Der Mensch ist faul und muß durch Zwang zur Arbeit angehalten werden; die Erde ist ein kleiner Planet und eignet sich nicht zum Himmel. Die individuelle Freiheit ist kein Kulturgut; die Absicht, daß der Mensch glücklich sei, ist im Plan der Schöpfung nicht enthalten. [Brückner, Seite 58]

Doch was ist dann die Welt? Ein Spuk? Es gibt Hinweise auf Freuds positive Stellungnahmen in Dingen des Okkultismus. Und seine Privatlektüre scheint bei ihm ein Verständnis für Auslesephantasien beim Menschen geweckt zu haben. Noch einmal Peter Brückner:

Was beides, [die Auslese] und den Okkultismus, zur Hintertreppe der gesellschaftlichen Sinngebung macht und ihnen gemeinsam ist, liegt zunächst in ihrem irrationalen und inhumanen Charakter. [Brückner, Seite 62]

Sigmund Freud hat einmal Paradise Lost des Engländers John Milton aus dem 17. Jahrhundert als sein Lieblingsbuch bezeichnet. Das allgemeine Thema ist der Einbruch des Bösen in die menschliche Seele, dem durch Sittlichkeit beizukommen sei. Doch es ergeben sich weitere Hinweise auch auf Freuds Verständnis der Psychoanalyse, der männlichen Psychoanalyse. Noch einmal Peter Brückner:

Die Schilderung der Eva in Paradise Lost [...] erweckt indessen noch andere Assoziationen als an besitzbürgerliche–patriarchalisch–puritanische Traditionen. War das Weib, wie Freud sich gelegentlich auszudrücken pflegte, für den Erforscher der Entwicklungsgeschichte der Sexualität partiell verteufelt? [Brückner, Seite 71]

Vielleicht hilft hier nur eine eigene Lektüre längst verschollener Dichter und Schriftsteller. Peter Brückners Buch sollte jedoch zum Nachdenken auch darüber anregen, was uns die Privatlektüre ansonsten so angeblich fortschrittlicher Menschen über diese zu sagen vermag. Auch wenn Brückners Buch allenfalls in Bibliotheken oder gar nur antiquarisch erhältlich ist – für die Wissenschaftsgeschichte der Psychoanalyse enthält es sicher die eine oder andere Anregung.

Sigmund Freuds Privatlektüre von Peter Brückner ist im Verlag Neue Kritik erschienen – den Verlag gibt es auch heute noch in Frankfurt.

 

Schluß

Jingle Alltag und Geschichte

Zum Schluß noch einige Veranstaltungshinweise für die nächsten Tage und anschließend noch einmal die Literaturangaben zu dieser Sendung.

Den Anfang macht eine Bildungsveranstaltung für GRÜNE Parteimitglieder und Wählerinnen und Wähler der großen Illusionspartei – aber die werden ja nicht kommen, weil sie bildungsresistent sind. Und zwar geht es um den von den GRÜNEN mit beschlossenen Krieg in Afghanistan. Am heutigen Montagabend – wer also die Sendung am Dienstag in der Wiederholung hört, hat dann Pech gehabt –, am heutigen Montagabend also um 20 Uhr findet im Schloßkeller ein Diavortrag mit anschließender Diskussion statt. Thema: Der Krieg in Afghanistan und die Menschenrechte. Veranstalter ist OS/3. In der Ankündigung zu dieser Veranstaltung heißt es:

Der jüngste Krieg der USA und ihrer Verbündeten hat die Schreckensherrschaft der Taliban beendet. Gekommen ist aber nicht die Demokratie, sondern zurückgekehrt sind die alten Warlords, deren Reichtum und Macht einzig von der Fortführung des Krieges abhängt. [...] Bei der militärischen Intervention in Afghanistan diente die Rede von den Menschenrechten vor allem zur Überzeugung der hiesigen Bevölkerung für den Einsatz deutscher Soldaten. Vor dem Hintergrund der angekündigten nächsten Militäraktion für den Frieden

fragen die Veranstalter, wie Anspruch und Wirklichkeit in Afghanistan aufeinanderprallen. Thomas Gebauer von medico international, das in Afghanistan Hilfsprojekte durchführt, wird einen Blick hinter die Kulissen grüner Menschenrechtsrhetorik werfen. – Montag abend, 20 Uhr, Schloßkeller Darmstadt.

Am Dienstagabend um 18 Uhr wird im Glaskasten der Fachhochschule Darmstadt die Ausstellung 30 Jahre AstA der Fachhochschule Darmstadt – Politik und Kultur im Spiegel studentischer Mitbestimmung eröffnet. Gezeigt werden Dokumente aus dem Archiv des Allgemeinen Studentenausschusses, die Schlaglichter auf die hochschulpolitische Geschichte und die gesellschaftlichen Entwicklungen der vergangenen 30 Jahre werfen. Dr. Anna Schneider und Dr. Holger Wilmesmeier, die diese Ausstellung im Auftrag des AStA konzipiert und realisiert haben, betonen hierbei,

daß studentische Mitbestimmung politisch etwas bewegen [und] daß politisches Engagement zu durchaus konkreten Ergebnissen führen kann. [Die Ausstellung] soll heutigen [Studentinnen und] Studenten Lust machen, sich selbst im AStA oder anderen Universitätsgremien einzubringen.

Doch zeigt die Ausstellung nicht nur trockene Gremienarbeit oder verweist auf Hochschul–, Innen und Außenpolitik seit 1971. Darüber hinaus wird der Blick auch auf das gerichtet, was studentisches Leben im Alltag bedeutet hat – Wohnungsprobleme etwa, aber auch gemeinsame Unternehmungen oder selbstorganisiertes Leben und Arbeiten. Die Ausstellung ist ab Dienstagabend bis zum 15. November montags bis freitags von 8 bis 17 Uhr im Glaskasten der Fachhochschule Darmstadt zu sehen. Die Eröffnung ist – wie gesagt – am Dienstag um 18 Uhr.

Und dann habe ich noch eine Informationsveranstaltung am Mittwochabend in Frankfurt zum Europäischen Sozialforum, das Anfang November in Florenz stattfinden soll. Widerstand und Proteste gegen die Auswirkungen der neoliberalen Offensive des Kapitals sind weltweit. In Spanien, Frankreich, England und Italien demonstrierten Hunderttausende gegen Rechtsradikalismus und den Abbau sozialer oder gewerkschaftlicher Rechte. Die Demonstration am 14. September in Köln beeindruckte zwar weder Stoiber, noch Schröder oder gar Fischer, besuchte dafür aber menschenleere Straßen und hatte auch sonst einige unangenehme Begleiterscheinungen typischer männlicher Verhaltensweisen.

Mal wieder eine Demonstration, auf der Informierte Informierte informierten.

Doch was geht darüber hinaus? Auf dem Weltsozialforum Anfang des Jahres in Porto Alegre wurde sehr moderat die Globalisierung des Kapitals kritisiert. Auch hier machte sich der reformistische Einfluß von Attac und ähnlichen Organisationen bemerkbar. Anfang November soll nun das Europäische Sozialforum in Florenz europaweiten Bewegungen eine Plattform zur Diskussion und zum Erarbeiten gemeinsamer Forderungen bieten. Dieses Sozialforum findet vom 6. bis zum 10. November statt. Als Vorbereitung hierauf, aber auch Information dazu findet am Mittwochabend um 19 Uhr 30 im KoZ in Frankfurt (Jügelstraße 1) eine Veranstaltung statt. Untereinander und hoffentlich auch mit den anwesenden Zuhörerinnen und Zuhörern werden dort Jürgen Hinzer von der Gewerkschaft Nahrung–Genuß Gaststätten, Matthias Jochheim von den Ärztinnen und Ärzten zur Verhinderung eines Atomkrieges, Marei Pelzer von Pro Asyl und Anne Kossack vom LandesschülerInnenverband Hessen über Sozialabbau, Krieg, Demokratie und Bildung referieren und diskutieren.

Jetzt noch einmal zum Mitschreiben die Angaben zu den in dieser Sendung besprochenen oder benutzten Büchern und Zeitschriften.

Da wäre zum einen das im Theiss Verlag herausgekommene Buch über Die Neandertaler von Bärbel Auffermann und Jörg Orschiedt. Es kostet 26 Euro. Dann das Buch Lebendige Eiszeit von Wighart von Koenigswald über das Klima und die Tierwelt der Eiszeit. Ebenfalls bei Theiss erschienen, kostet es 34 Euro 90.

Die Zeitschrift Unbequem der Kritischen Polizistinnen und Polizisten erscheint in der Regel viermal im Jahr und ist zu beziehen über den GNN–Verlag in Köln.

Und schließlich das Buch von Peter Brückner über Sigmund Freuds Privatlektüre. Es ist 1975 im Verlag Neue Kritik erschienen; und ich habe es vor kurzem noch direkt beim Verlag in Frankfurt beziehen können.

Und damit komme ich zum Ende meiner heutigen Sendung. Fragen, Anregungen oder Kritik könnt ihr wie immer auf meine Voice–Mailbox bei Radio Darmstadt aufsprechen. Die Telefonnummer lautet (06151) 87 00 192. Oder ihr schickt mir ein Fax auf die 87 00 111 oder eine Email an geschichte@alltagundgeschichte.de. Diese Sendung wird am Dienstag, 15. Oktober, um Mitternacht, um 8 Uhr morgens direkt nach dem Radiowecker und dann noch einmal ab 14 Uhr wiederholt. Die nächste Sendung der Redaktion Alltag und Geschichte ist am Dienstagabend um 18 Uhr 05 zu hören; hierbei werden wir Ausschnitte aus der Veranstaltung mit Madjiguène Cissé von der französischen Migrantinnen– und Migrantenbewegung Sans Papieres senden. Madjiguène Cissé war letzte Woche auf einer Veranstaltung in Darmstadt zu hören. Alltag und Geschichte ist auch im Internet präsent unter www.alltagundgeschichte.de. Gleich geht es weiter mit der Kulturredaktion und Gehörgang. Michael Chappi Schardt wird die Blueswoche zum Anlaß nehmen, die Blues–Szene in Darmstadt vorzustellen.

Ich selbst werde am nächsten Montag mit der 32. Folge von Tinderbox – meiner kapitalismuskritischen Sendereihe mit Siouxsie and the Banshees zu hören sein. Nun soll es ja vorkommen, daß es Menschen gibt, die meinen zugegebenermaßen nicht gerade ausgefallenen Musikgeschmack nicht teilen und deshalb auf der Vergnügen verzichten möchten, Frau Banshee und ihre Todesfeen zu genießen. Da empfehle ich dann einen Blick auf meine Homepage, auf der in der Regel einige Tage nach der jeweiligen Sendung das Sendemanuskript nachgelesen werden kann. Und zwar unter www.waltpolitik.de. Tja, und damit verabschiede ich mich für heute von euch. Am Mikrofon war Walter Kuhl.

 

 

Diese Seite wurde zuletzt am 28. Januar 2006 aktualisiert.
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