Darmstadtium mit Wasserrinne
Darmstadtium mit Wasserrinne

Geschichte

Babylonische Sprachverwirrung

Sendemanuskript

 

Sendung der Redaktion Alltag und Geschichte

Radio: Radio Darmstadt

Redaktion und Moderation: Walter Kuhl

Ausstrahlung am:

Montag, 8. September 2008, 17.00 bis 18.00 Uhr

Wiederholt:

Montag/Dienstag, 8./9. September 2008, 23.10 bis 00.10 Uhr
Dienstag, 9. September 2008, 08.00 bis 09.00 Uhr
Dienstag, 9. September 2008, 14.00 bis 15.00 Uhr

Zusammenfassung:

In der ersten Hälfte der Sendung sprach ich über das Genossenschaftsmodell, das sich die Genossen von der SPD für die preiswerte Auslagerung kommunaler Aufgaben hinsichtlich des Bezirksbads Bessungen ausgedacht haben. Daran schließen sich einige allgemeine Anmerkungen zu kapitalistischen Geschäftsmethoden an. In der zweiten Hälfte stelle ich den zweibändigen Ausstellungskatalog zur Babylon-Ausstellung in Berlin vor. Wir finden hier, daß manche antike Methoden auch heute noch wirksam sind. Zum Schluß stelle ich das aktuelle Heft der Zeitschrift Archäologie in Deutschland vor.

Besprochen:

Angespielt:

 


 

Inhaltsverzeichnis

 


 

Einleitung

Jingle Alltag und Geschichte

Vor wenigen Tagen erreichte mich eine Pressemitteilung der gewerkschaftlichen Arbeitsloseninitiative Galida. Sie beschreibt hierin den manipulativen Umgang mit Arbeitslosenzahlen und die Verschleierung der damit verbundenen sozialen Folgen. Das Thema ist ernst genug, um darüber ausführlicher zu sprechen. Und anstatt nun in den Studios von Radio Darmstadt mit Mitgliedern der Galida darüber zu sprechen, muß ich euch die Pressemitteilung [1] vortragen. Denn der Trägerverein dieses Lokalradios verweigert mir – und damit auch meinen Studiogästen – den Zugang zu seinen Räumlichkeiten. Somit ist die nun folgende Sendung zwangsweise vorproduziert.

Folgerichtig handelt meine heutige Sendung von der babylonischen Sprachverwirrung. Ich werde über Sprachakrobaten von heute reden und darüber hinaus über das tatsächliche Babylon. Am Mikrofon für die Redaktion Alltag und Geschichte bei Radio Darmstadt ist Walter Kuhl von der Dissent – Medienwerkstatt Darmstadt.

 

Vom Verschwinden der Arbeitslosen

Unter der Überschrift „GALIDA kritisiert angebliche Erfolgsmeldungen“ heißt es in der Pressemitteilung:

„Weniger Arbeitslose“ – „Guter Start nach der ‚Sommerpause‘“ – solche und ähnliche Schlagzeilen bekomme man zur Zeit Monat für Monat vorgesetzt, ohne dass irgendjemand Sinn oder Unsinn der dazugehörigen Meldung hinterfragt, kritisiert die GALIDA […]. Die entscheidende Frage sei nämlich, wohin diese Arbeitslosen vermittelt worden seien.

„Es habe einmal eine Zeit gegeben“, so Frank Gerfelder-Jung von der GALIDA, „in der der Sinn von Arbeitsvermittlung darin bestanden habe, Menschen in ein Arbeitsverhältnis zu vermitteln, von dessen Entlohnung sie auch leben konnten.“ Davon sei heute keine Rede mehr. Arbeitslose werden heute nicht mehr in Arbeitsverhältnisse vermittelt, von denen sie tatsächlich leben können, sondern in Jobs, die so schlecht bezahlt werden, dass sie mit Hartz IV alimentiert werden müssen.

Das noch als Erfolgsmeldung zu verkaufen bringt den Sinn von Hartz IV nach Meinung der GALIDA auf den Punkt: „Menschen durch das Instrumentarium von Hartz IV dazu zu bringen, jeden noch so mies bezahlten Job anzunehmen.“

Und es funktioniert: Nach einer Studie der Universität Duisburg-Essen hat die BRD mit 22% ([das sind] 6,5 Millionen Arbeitnehmer) inzwischen den höchsten Niedriglohnanteil in Europa. Das liegt der Untersuchung zufolge aber nicht daran, dass es sich um unqualifizierte Arbeitnehmer handelt – rund drei Viertel der Betroffenen haben eine Berufsausbildung oder akademischen Abschluss. Nur logisch, dass inzwischen nach Angaben des Armutsberichts der Bundesregierung jeder vierte Deutsche in Armut lebt.

Die Galida sieht die Verantwortung für diese Armutsproduktion jedoch nicht allein bei der Arbeitsagentur oder den kommunalen Trägern, beispielsweise in Darmstadt der ARGE. Die regelmäßig verbreiteten Erfolgsmeldungen würden jedoch eher das durchaus mitgestaltete Elend verschleiern und damit die Realität auf dem Arbeitsmarkt ausblenden. Was fehle, seien differenzierte Aussagen darüber, wie viele Arbeitslose denn tatsächlich durch eine aktive Vermittlung in existenzsichernde Arbeitsverhältnisse vermittelt worden sind. Schlagzeilen nach dem Motto „Weniger Arbeitslose“ seien hingegen keine Information, sondern „pure Volksverdummung“. So die Galida.

Agentur für Arbeit DarmstadtVon meiner Seite aus hinzuzufügen wäre, daß sich die Erfolgszahlen auch einem manipulativen Umgang mit der Statistik verdanken. Werden Arbeitslose in Trainingsmaßnahmen gesteckt oder als Ein-Euro-Jobberinnen geparkt oder fallen sie gar durch das Hartz IV-Raster zum Bezug von Arbeitslosengeld II, sind sie zwar weiterhin arbeitslos, werden jedoch nicht als arbeitslos gezählt. Würden alle Arbeitslosen, die durch solche oder andere statistische Raster gefallen sind, mit erfaßt, so kämen wir locker auf sechs bis sieben Millionen Arbeitslose, ohne daß hier ein Rückgang bemerkbar wäre.

Nicht zuletzt gibt es interne Zielvorgaben in den Arbeitslosen­verwaltungs­behörden, durch geeignete Maßnahmen die Zahl der Arbeitslosen zu senken. Sperrzeiten erweisen sich hier als ein unglaublich effizientes Mittel, die Klientel auszudünnen. Witzigerweise hat die Arbeitsagentur selbst Menschen auf Zeit eingestellt, um den Arbeitsmarkt zu deregulieren. Wer hier die Zielvorgaben nicht erfüllt, kann sich schon einmal darauf vorbereiten, zu derselben Klientel zu gehören, die man und frau zuvor „betreut“ hat.

Natürlich hat der Wahnsinn Methode. Selbstverständlich ergibt dieses Erfolgsstory-Blabla einen Sinn. Die industrielle Reserverarmee, wie es bei Karl Marx schon richtig hieß, dient der allgemeinen Lohndrückerei. Subventionierte Dumpinglöhne sind Teil einer Strategie, das Lohnniveau insgesamt zu senken. Diejenigen, die hierbei aus den Maschen fallen, werden auf andere Art und Weise drangsaliert. Zum Beispiel werden sie angehalten, sich pro Monat um eine bestimmte Anzahl von Jobs zu bewerben.

Damit sie das auch perfekt beherrschen, führen die Arbeitsämter sogenannte Bewerbungstrainings durch. Glaube aber keine und niemand, daß hier sinnvolles Wissen vermittelt werde. Vielmehr geht es darum, sich optimal als Humankapital anzubieten, sich und seine Seele also bestmöglich zu verkaufen. Lebensläufe werden so frisiert, daß Lücken mit positiven Füllwörtern abgedeckt werden. Nebensächlichkeiten werden mit euphemistischen Beschreibungen aufgepeppt. Soziales Elend wird als gesellschaftliches Engagement verkauft, etwa bei notgedrungener ehrenamtlicher Tätigkeit in einer Selbsthilfegruppe. Und selbstredend wird in jedem Bewerbungstraining ein anderes Erfolgsrezept vermittelt. Helfen tut es wenig. So ist mir beispielsweise eine halbjährige Qualifizierungsmaßnahme mit einer Vermittlungsquote von 5% bekannt; und auch diese Vermittlung hatte mit der Maßnahme nichts zu tun. Statt dessen wurden einzelne Personen aus dieser Qualifizierung, die ein ausgiebiges Bewerbungstraining beinhaltete, gleich in die nächste Bewerbungsmaßnahme gesteckt, nur um zu erfahren, daß das vorangegangene Bewerbungstraining nichts getaugt haben soll.

Wer hier von Geldverschwendung redet, redet am Kern der Sache vorbei. Das hat alles seine Richtigkeit. Denn es geht um etwas gesellschaftlich Nützliches, zumindest für die gesellschaftlichen Bereiche, die sich hieran bereichern wollen. Denn es bedeutet: der Kampf aller gegen alle um die wenigen offen Stellen führt dazu, daß Millionen und Abermillionen – wie ich es nenne – von virtuellen Bewerbungen geschrieben werden, die in der Regel ungelesen in den Papierkörben der hiermit bombardierten Betriebe landen. Die permanente Mobilmachung ist Teil einer Strategie, bei der die Arbeitslosen vor lauter Frust und Druck bereit sind, so ziemlich jeden Dreck zu fressen. Jeder Arbeitgeber leckt sich die Finger nach derart willigen Arbeitssklavinnen und -sklaven.

Logisch, daß die SPD an dieser Agenda 2010 festhält. Sie ist Teil dieses Systems. [2]

 

Genossenschaftliches Baden Gehen

Teil des Systems ist auch die Darmstädter SPD, deren Fraktionsvorsitzender in der Stadtverordnetenversammlung, Hanno Benz, uns vor Augen führt, was das vielbeschworene „bürgerschaftliche Engagement“ in Wirklichkeit bedeutet und wem es nutzen soll.

Es geht um das aufgrund einer Asbestbelastung der benachbarten Schule geschlossene Bessunger Bezirksbad, das der Stadt Darmstadt auf der Tasche liegt. Nicht auf der Tasche liegen der Stadt Darmstadt das nach einem in Wixhausen [3] künstlich hergestellten chemischen Element benannte Protzgebäude mit vorgeschalteter Pißrinne oder die für Kulturveranstaltungen subventionierte Centralstation. Die Millionen, die hier fließen [4], fehlen logischerweise an anderer Stelle.

Baustelle Bessunger BezirksbadObwohl: was uns hier erzählt wird, ist ausgemachter Quark. Wir werden mit Zahlen verschreckt, die belegen sollen, wie hoch Städte und Gemeinden, Bundesländer und überhaupt der ganze Staat verschuldet ist. Wir sollen also sparen. Genauer: Wir sollen sparen, damit andere daran gut verdienen können. Denn wir leben ja im Kapitalismus. Eine kapitalistische Gesellschaft ist jedoch aufgrund ihrer strukturellen Eigenarten überhaupt nicht in der Lage, ohne Kredit, also auf Pump zu existieren. Geldverleihen und sich Verschulden waren schon immer und sind es demnach auch heute Teil des Geschäfts.

Das Problem ist vielmehr, daß wir (angeblich) zu hoch verschuldet sind. Obwohl es ja in der Regel nicht wir selbst sind, sondern das Gemeinwesen, das wir allesamt angeblich bilden. Nun ist der bürgerliche Staat von Anfang an eine Veranstaltung zum Schutz und zur Förderung der kapitalistischen Wirtschaft. Es hat jahrhundertelanger Kämpfe bedurft, damit es so etwas wie gleiche und freie Wahlen gibt. Wir waren nämlich anfangs überhaupt nicht gemeint – und im Grunde genommen sind wir es auch heute nicht.

Wir haben einmal in vier oder fünf Jahren einen vorformulierten Wahlzettel mit einem oder mehreren Kreuzchen zu beschriften und dürfen anschließend die Mütze des Michel wieder anziehen und brav nach Hause gehen. Die per Kreuzchen zum Wählen Bestimmten treffen sich anschließend mit der Wirtschaftslobby zur Ausgestaltung des Gemeinwesens. Der Frust über diese Art bürgerschaftliches Engagement schlägt sich in einer stetig sinkenden Wahlbeteiligung nieder und auch darin, daß rechte Parolen gesellschaftsfähig sind. Weil – sie versprechen einfache Lösungen komplexer Probleme und suggerieren Sicherheit in einer Welt undurchschaubar gehaltener Sachzwänge. Und – sie bedienen natürlich unsere Ressentiments. Deswegen sind die Rechten erfolgreich.

Kommen wir zur angeblich zu hohen Verschuldung zurück. Die Frage ist nämlich, für wen diese Verschuldung zu hoch ist und was mit dem über die Verschuldung ausgeübten Druck erreicht werden soll. Die Vorgaben der Maastricht-Kriterien, wonach die jährliche Staatsverschuldung 3% des Bruttoinlandsprodukts nicht übersteigen dürfe, ist rein willkürlich. Es gibt keine ökonomische Notwendigkeit, die für 3% spricht. Es könnten auch zwei, vier oder zehn Prozent sein – und der Kapitalismus würde trotzdem nicht zusammenbrechen. Hier wird mit den Ängsten der Menschen gespielt, die aus eigener Erfahrung wissen, was es bedeutet, bei Banken oder anderen Kreditoren im Soll zu stehen. Fakt ist: das Gerede über die übermäßige Verschuldung ist Bullshit.

Mit diesen drei Prozent nun wird Politik gemacht. Es wird ein künstlicher Zwang hergestellt, gesellschaftliche Prioritäten zu setzen, die für das Gedeihen des Gesamtwohls, also des Kapitals und seines Profits, förderlich sind. Denn das Problem ist, daß wir spätestens seit den 1970er Jahren in einer sogenannten Überakkumulationskrise stecken. Das bedeutet, daß zu wenige Anlagemöglichkeiten für zu viel Kapital vorhanden sind, um dieses ausreichend profitabel zu verwerten. Ich könnte das jetzt auch marxistisch näher begründen, aber das ist vielleicht nicht nötig. Denn die Auswirkungen sind folgende: Um die gesunkene Profitrate dauerhaft zu heben, gibt es mehrere Ansatzpunkte. Man drückt das allgemeine Lohnniveau, man fördert den technischen Fortschritt und man weitet den globalen Handel aus. Genau das geschieht im Namen des Neoliberalismus und der Globalisierung. Deshalb auch das Predigen von Niedriglöhnen.

Regierungspräsidium DarmstadtDer über die willkürlichen Verschuldungskriterien künstlich erzeugte Druck wird institutionalisiert weitergegeben. Zu diesem Zweck haben sich die kapitalistischen Eliten in Europa die Europäische Gemeinschaft mit ihrem bürokratischen Apparat erschaffen. Dieser Apparat verfügt Sachzwänge, gegen die sich nationale Regierungen dann angeblich nicht mehr wehren können. Daß sie selbst mit daran beteiligt waren, in Brüssel die Kriterien mit zu erarbeiten, wird tunlichst verschwiegen. In Südhessen gibt es nun die Institution des Regierungspräsidiums, das für genau diesen Zweck eine eigene Haushaltsaufsicht besitzt. Passenderweise ist der Chef des Regierungspräsidiums ein FDP-Mitglied, aber das ist nicht wirklich relevant; ein Sozialdemokrat aus dem Agenda 2010-Clan würde nichts anderes tun.

Wenn nun einzelne Beamte dieser Kontrollbehörde von einem großen deutschen Verkehrslobbyisten mit einer Bahncard fürs kostenlose Reisen beschenkt worden sind [5], gehört das zwar zum System, aber das System würde auch ohne derartige Geschenke funktionieren. Entscheidend ist vielmehr, daß an den richtigen Scharnierstellen die richtigen Leute sitzen. Wer nicht die Gewähr bietet, sich die profitablen Interessen des Kapitals zu eigen zu machen, hat ohnehin keine Chance, aufzusteigen und mitzubestimmen. Die männlichen Seilschaften des Kapitals schmieren das Getriebe weitaus wirkungsvoller als kleine Präsente, die die Freundschaft natürlich erhalten.

Mit dem über das Regierungspräsidium vermittelten Druck kann nun die Stadt Darmstadt gezwungen werden, die „richtigen“ Prioritäten zu setzen. Zu den richtigen Prioritäten gehört zweifelsohne die Wirtschaftsförderung. Hierbei ist an das Darmstadtium als Konferenz-, Kultur- und Konsumangebot für das gehobene Bürgertum zu denken, aber auch an die Nordostumgehung. Sogar die Darmbachposse erhält hier seinen Sinn. Denn längst hat sich herumgesprochen, daß es neben der alten FDP eine neue gibt, welche in grünem Gewand eine nicht unerhebliche Klientel abbildet, die als kapitalistisch nützlich erachtet wird.

 

Wellness in Steinquadern

Nun hat diese Klientel noch einige nicht ganz so kapitalkonforme Flausen im Kopf, wie etwa eine Ökonomie, die ökologischer, humaner, nicht aber unbedingt sozialer zu gestalten ist. Daß dieser Klientel das Ökologische wichtiger ist als das Soziale, hat einen klaren klassenspezifischen Hintergrund. Schauen wir uns diese Grünen nämlich einmal näher an, dann entdecken wir alternative Gewerbetreibende und Freiberufler, also Männer und Frauen, die in der Regel auf die Lohnausbeutung anderer Menschen angewiesen sind. Da liegt ihnen das Geld näher als das Herz; und für das Herz schaffen sie sich dann ihre ökologisch-heimeligen Nischen.

Also gibt man oder frau dieser Klientel ein umweltbewußtes Spielzeug in die Hand, das diese Klientel ausreichend beschäftigt, ohne die wirklichen kommunalen Interessen zu beeinträchtigen. Die nicht nur in Darmstadt blühende Lokale Agenda 21 ist dieses Spielzeug. Man oder frau tut sich selbst etwas Gutes und behauptet damit, die Lebensqualität verbessert zu haben. Hier ein offengelegter Bach in einer ordentlichen deutschen Steinrinne, dort ein von Betonwüsten umgebenes Biotop, hier ein von Geldnöten bedrohtes kulturelles Projekt, dort ein anderes Placebo. Während überall sonst der heute Neoliberalismus genannte kapitalistische Wahnsinn weiter voranschreitet. Ach, was sind wir nicht alles für Gutmenschen!

Vorplatz DarmstadtiumIch rate euch einmal, euch gegenüber vom Schloßgraben auf die Steinterrasse des Darmstadtiums zu setzen, und frage euch dann, was diese seltsame Rinne inmitten der Steinquader eigentlich soll. Wo bitte ist das Grün? Na gut, etwas abseits wurden ein paar Alibi-Bäumchen gepflanzt. Aber ansonsten wird der Boden wieder so richtig versiegelt. Ganz ökologisch. Und für solch einen Mumpitz werden Millionen verpraßt.

Nun ist das Geld im Prinzip ja da. Für die Aufrüstung der Bundeswehr zum Global Player ist ja auch genügend Geld da. Für die Subventionen an notleidende Kapitalisten ist immer Geld da – milliardenschwere Konjunkturprogramme sollen beispielsweise die Wirtschaft der USA und Japans am Leben erhalten. In Berlin half sogar die Linkspartei mit, eine dem Kapitalmarkt nicht mehr gewachsene Bank vor dem Kollaps zu retten [6]. Auch für die Werbebroschüren der Arbeitsagenturen ist Geld da.

Geld ist demnach nicht das Problem, sondern seine Verteilung. Und die hat, weil wir ja im Kapitalismus leben, kapitalkonform zu sein; und hier meldet sich dann das Regierungspräsidium zu Wort. Was benötigen wir demnach nicht? Richtig: unnütze Bäder, welche die lokale Kleinbourgeoisie ohnehin nicht benutzt, weil sie ja ihr teure Wellnessbad geschenkt bekommen hat. Manche Zusammenhänge erschließen sich eben durch sorgfältige und gründliche Analyse der ökonomischen Gesetzmäßigkeiten.

So betrachtet, zeigt sich die Darmstädter SPD als gewitzt genug, das Bedürfnis der Menschen nach dem Sozialen ganz eiskalt und eigennützig auszubeuten. Wenn sich mehrere tausend Menschen per Unterschriftenliste für die Beibehaltung des Bessunger Bades ausgesprochen haben, so liegt es doch nahe, hier bürgerschaftliches Engagement zu vermuten. Wer also wirklich sein Bad behalten will, wird sicherlich bereit sein, der Stadt unter die Arme zu greifen. [7]

Eine Genossenschaft ist dann eine ideale Grundlage dafür, daß a) sozialer Protest so kanalisiert wird, daß ihm keine Zeit mehr bleibt. sich woanders zu äußern, und b) die eigentlich von der Kommune zu tragenden Kosten abgewälzt werden können. Denn die Kommune, sprich: die lokale Kleinbourgeoisie, benötigt die Aufrechterhaltung ihrer Spielzeuge: Ein Udo Jürgens-Konzert im Darmstadtium, zweitausend LKWs täglich im Bürgerparktunnel, und dreimal pro Stunde mit dem ICE zum Flughafen fahren, um im Wellness-Strandhotel die von Feinstaub und Sozialklimbim geplagte Seele per Billigflieger beim Wochenendtrip so richtig baumeln zu lassen und danach wieder einen auf Ökostrom zu machen.

Was uns Hanno Benz hier präsentiert, ist also dieselbe schallende Ohrfeige, die uns die Agenda-Fraktion in Berlin und anderswo um die Ohren haut. Unser bürgerschaftliches Engagement darf dafür herhalten, wir haben dafür zu Niedrigstlohnbedingungen, gar genossenschaftlich kostenlos dafür zu malochen, daß andere es sich gut gehen lassen können. Ist das Sozialneid? Kaum. Tatsächlich ist es so, daß Jahr für Jahr genügend Güter, genügend Lebensmittel und genügend Reichtum auf der Welt produziert werden, um allen fast sieben Milliarden Menschen ein Leben in Würde und Wohlstand zu gewähren. Das Problem ist: eine solche Gesellschaft könnte ganz gut ohne Kapitalisten und ihre staatlichen Lobbyisten auskommen. Aber wer hat schon daran ein Interesse? Hanno Benz sicherlich nicht. Und derlei von CDU oder FDP oder gar den Grünen zu erwarten, wäre nun wirklich eine alberne, wirklichkeitsfremde Illusion.

Die spannende Frage ist hier, ob die Sozialreformer von der Linkspartei nur einen besseren, schöneren, saubereren, friedlicheren Kapitalismus oder doch besser gleich gar keinen haben wollen. Am 23. September liest der inzwischen pensionierte Politikwissenschaftler Georg Fülberth im Linkstreff Georg Fröba aus seinem Buch Doch wenn sich die Dinge ändern über das Zustandekommen und die mögliche Rolle dieser Linken. In diesem Buch beschreibt er die Entwicklung der SPD seit 1989 bis heute, die Geschichte der PDS und der WASG, und fragt nach dem Platz der Partei »Die Linke« in der Opposition gegen Marktradikalismus und neue deutsche Weltpolitik. Am Dienstag, den 23. September, um 19 Uhr 30 im Linkstreff gegenüber vom Gewerkschaftshaus.

 

Babylon im Discosound

Besprechung von: Babylon – Mythos und Wahrheit, 2 Teilbände, Hirmer Verlag 2008, zusammen 928 Seiten, € 55,00

Mit Rivers of Babylon von Boney M aus dem Jahr 1978, der kommerziellen Interpretation von Psalm 137 aus der Bibel, komme ich auf Illusionen ganz anderer Art zu sprechen. In Berlin ist noch bis zum 5. Oktober die Ausstellung Babylon – Mythos und Wahrheit zu besichtigen. Dort treffen wir neben den weinenden Jüdinnen und Juden am Ufer des Euphrat auf noch andere mythisch aufgeladene Bekannte. Etwa den Turmbau zu Babel, das Menetekel an der Wand, die babylonische Sprachverwirrung, die hängenden Gärten der Königin Semiramis oder auf die Hure Babylon. Das antike Babylon ist uns zum einen über die biblische Tradition, anderseits durch griechische und römische Historiker und Schriftsteller mythisch aufgeladen überliefert worden. Den tatsächlichen Verhältnissen wird diese Darstellung aus der Antike jedoch nicht gerecht

Dennoch haben diese Mythen ihre eigene Wirkungsgeschichte, die bis in die heutige Zeit reicht. Die „Hure Babylon“ galt schon in der Antike eher als Umschreibung der als lasterhaft verschrieenen Sitten in Rom – und den moralisierenden Tugendwächtern ging es vor allem darum, daß Frauen sich wieder dorthin zurückziehen, wo sie ihrer Meinung nach hingehören. Nämlich an den Herd und nicht provozierend in die Öffentlichkeit.

Rivers of Babylon wurde 1969 von der jamaikanischen Band The Melodians aufgenommen. Auf Jamaika existiert ein eigener Babylon-Diskurs, welcher der Rastafari-Bewegung entstammt. Hier steht der Begriff Babylon

für die westliche Zivilisation, deren staatliche und kirchliche Institutionen sowie für die durch sie erzeugte Entfremdung, für Unterdrückung, Hass und Krieg. [8]

Während die jamaikanische Reggae-Version den Widerstandswillen der aus Afrika verschleppten Rastafari bekundet, reduziert die Discofassung den Song auf ein Klagelied und macht ihn hierdurch für den Mainstream konsumierbar – also etwas für Young Power.

Die Ausstellung Babylon – Mythos und Wahrheit in Berlin behandelt daher sowohl die sich um Babylon rankenden Mythen, ihre Herkunft und Wirkungsgeschichte, als auch die archäologisch und historisch erforschten Wahrheiten. Dabei stehen hier nicht, wie bei so vielen Ausstellungen über frühere Epochen der Menschheitsgeschichte, die Goldschätze und Repräsentationsbauten der herrschenden Klassen im Vordergrund. Obwohl gerade in Berlin keine und niemand an der rekonstruierten Prozessionsstraße und am Ischtar-Tor vorbeikommt. Und doch erhalten wir in dieser Ausstellung Einblicke in die Lebensbedingungen auch ganz normaler Sterblicher, wie sie gearbeitet, was sie gegessen und woran sie geglaubt haben.

Zu einer derartigen Ausstellung gibt es naturgemäß einen Ausstellungskatalog und dieser ist in zwei Teilbänden – zum Mythos und zur Wahrheit – im Hirmer Verlag herausgekommen. Um es vorwegzunehmen: eine leichte Lektüre ist es nicht, und das gar in doppelter Hinsicht, denn allein der großformatige Band über die Wahrheit umfaßt rund 650 Seiten und wiegt etwas mehr als dreieinhalb Kilo.

Auch die darin versammelten Texte sind nicht alle leicht zu verstehen, obwohl dies nicht daran liegt, daß die Autorinnen und Autoren ihr Fachbabylonisch ausgepackt haben. Doch wenn wir beispielsweise nachlesen, wie die gelehrigen Schreibschüler der babylonischen Eliten mathematische Gleichungen gelöst haben, dann stoßen auch wir mit unserer Schulbildung womöglich selbst an die Grenzen unserer Gelehrsamkeit. Spannend ist das jedoch allemal. Hier wird das Fachwissen aus den Fachzeitschriften hervorgeholt und für die Allgemeinheit zugänglich gemacht.

 

Von der Keilschrift zur Literatur

Babylon entstand als Siedlung im 3. Jahrtausend vor unserer Zeitrechnung und entwickelte sich zu Beginn des 2. Jahrtausends zu einem der Zentren Mesopotamiens. Die Geschichte des Zweistromlandes läßt sich bis zur Neolithischen Revolution zurückverfolgen, als vor rund 10.000 Jahren im heutigen Kurdistan nicht nur Ackerbau und Viehzucht entwickelt wurden, sondern mit Steinzeitwerkzeugen erste monumentale, wahrscheinlich spirituelle, Zentren errichtet wurden, etwa am Göbekli Tepe.

Buchcover Babylon MythosAus der Rückschau entwickelten sich diese Gemeinschaften recht langsam zu den ersten Stadtkulturen der Sumerer im 4. Jahrtausend. Von diesem Zeitpunkt an jedoch war der Weg zu dem, was wir Zivilisation nennen, vorgegeben. Die bis dahin wohl reichlich vorhandenen Ressourcen wurden knapper, als sich die Städte und Siedlungen ausdehnten; Grenzstreitigkeiten führten zu Kriegen. Bei diesen Kriegen aller gegen alle wurden die Territorien größer, die Armeen mächtiger und die Herrscher reicher. Könige und ihre Reiche kamen und gingen, bis Hammurabi im 18. oder 17. Jahrhundert [9] vor unserer Zeitrechnung Mesopotamien weitgehend unter seine Herrschaft brachte. Babylon war das Zentrum seines Reiches und Babylon entwickelte sich – zumindest ideell und ideologisch – auch zum Zentrum der Welt.

Diese Vorrangstellung wurde auch dadurch untermauert, daß der zuvor nur regionale Stadtgott Marduk zur wichtigsten Gottheit aufstieg und die Attribute vieler anderen Götter auf ihn übertragen wurden. Babylon blieb auch dann eine ganz besondere Stadt, als es gegen Ende des 16. Jahrhunderts [10] von den Hethitern erobert und geplündert wurde, als kassitische Bergvölker die Herrschaft übernahmen oder assyrische Könige das Territorium Babyloniens verkleinerten und schließlich eroberten. Babylon war zu dieser Zeit – mit Ausnahme vielleicht von China – die einzige wirkliche urbane Metropole. Allerdings erreichte Babylon auch in seiner Blütezeit nur eine Bevölkerungszahl von 50.000 bis 100.000 und war somit kleiner als die ersten Megastädte der römischen Antike wie Rom, Alexandria oder Antiochia in der heutigen türkisch-syrischen Grenzregion.

Als das assyrische Reich im 7. Jahrhundert vom ägyptischen Tal der Könige bis zum Persischen Golf reichte und seine Ressourcen in zahllosen Kriegen verbrauchte, wurde es zur Beute der Meder im Norden und einer neuen babylonischen Dynastie im Südosten, deren bekanntester Herrscher als Nebukadnezar II. in die Geschichtsbücher einging. Dieser eroberte das aufmüpfige Jerusalem und verpflanzte dessen Elite an die Ufer des Euphrat, wo es ihnen jedoch offensichtlich materiell ziemlich gut ging. Deshalb ist es auch kein Wunder, wenn auch nach der Eroberung Babylons durch den Perserkönig Kyros im Jahr 539 eine starke jüdische Gemeinde in Babylon verblieben ist. An den Ufern des Euphrat lebte es sich nämlich recht gut, wenn man und frau zu den begüteteren Schichten der Bevölkerung zählte.

Schon die ersten sumerischen Stadtstaaten betrieben einen großen logistischen Aufwand, um die Versorgung ihrer Bevölkerung mit Lebensmitteln und Luxusgütern sicherzustellen. Der Erfindung der Keilschrift ging ein recht praktisches System der Lagerhaltung voraus; aber als die Schrift erfunden war, konnte sie auch anderen als bürokratischen Zwecken dienen. Die erste Literatur entstand. Sie wurde im Verlauf der Jahrhunderte über Schreiberschulen weitergegeben und wir können daher erahnen, mit welchen perfiden pädagogischen Lehrmethoden schon damals die Kinder gequält wurden, um das ihnen vermittelte Wissen in den Dienst der herrschenden Klasse zu stellen. Überhaupt stellen diese hierbei fabrizierten Schultafeln einen großen Wissensschatz dar, welcher den Archäologen und Historikerinnen wichtige Hinweise auf das Leben im antiken Babylon hat geben können.

 

Das Wissen vermitteln und erforschen

Die Erforschung der Keilschrift wurde beispielsweise durch lange Listen erleichtert, mit der die Schüler nicht nur ihre eigene Sprache aufgezeichnet haben, sondern auch – sozusagen als Vokabelheft – die längst ausgestorbene und nur noch für rituelle Zwecke verwendete Sprache und Schriftzeichen der Sumerer. Das Wissen, das wir hieraus schöpfen können, entspricht so gar nicht der biblischen oder der griechisch-römischen Erzähltradition. Offensichtlich verfolgten die jüdischen und antiken Gelehrten ganz eigene Zwecke, wenn sie vom Jammertal am Euphrat oder den Ausschweifungen Babylons fabulierten. Mythen haben ihre eigene Geschichte – hiervon handelt vor allem der kleinere der beiden Bände zur Babylon-Ausstellung.

Im größeren wird zunächst die Wiederentdeckung Babylons nachgezeichnet, gefolgt von den Ausgrabungen Robert Koldeweys und der Rekonstruktion der Prozessionsstraße Nebukadnezars II. aus Tausenden von Ziegelfragmenten. Das Ischtar-Tor, das wir heute auf der Berliner Museumsinsel bewundern können, gibt jedoch nur einen Teil der damaligen Herrlichkeit wieder, denn es wurde – den räumlichen Verhältnissen im Museum angepaßt – etwas verkleinert wiederaufgebaut.

Natürlich fehlen auch in dieser Ausstellung nicht die Attribute der Macht, Gesetzestafeln, Herrscherskulpturen oder allerlei Kriegsgerät. Doch wenn wir uns der Religion und dem Recht zuwenden, wenn wir den Alltag von Arbeitern und Sklavinnen aus den Keilschrift-Tontafeln rekonstruieren, oder wenn vor uns die astrologischen und medizinischen Kenntnisse ausgebreitet werden, dann benötigen wir keinen Goldschmuck, keine Glasperlen oder ziselierte Säulenhallen, um spannende Einblicke in die Lebensrealität der Stadt- und Landbevölkerung zu erhalten. Sicherlich – der König und seine Priesterschaft beherrschten das Land und errichteten deutlich sichtbare Monumente der Macht, etwa das Wunder der aus Ziegelsteinen errichteten, bis zu einhundert Meter hohen Tempeltürme, den Zikkurats.

Aber ist es nicht ebenso interessant zu erfahren, auf welche Weise die durchaus tüchtigen Ärzte ihre Patientinnen und Patienten heilten, weshalb magische Praktiken einen bedeutenden Stellenwert besaßen oder wie die Arbeiterinnen und Arbeiter entlohnt wurden? All dies finden wir im Teilband über die Wahrheit vor – und wir werden feststellen, daß so manche Gemeinheit der kapitalistischen Ausbeutung schon vor mehreren tausend Jahren bekannt war, als es weder das Kapital noch das Wertgesetz gab. Schuldknechtschaft war eine beliebte Methode zur Ausbeutung fremder Arbeitskraft, weshalb wir nicht nur von Unruhen, sondern auch von Sozialreformen erfahren – oder davon, daß bestimmte gesellschaftliche Normen auf Rechtsurkunden fixiert wurden, damit, zumindest in der Theorie, jede und jeder vor dem Gesetz gleich war.

Es war eine patriarchale Gesellschaft. Männern gehörte das meiste Eigentum, Männer bestimmten über Wirtschaft und Politik, Männer führten Kriege. Aber aus verschiedensten Rechtsurkunden geht hervor, daß auch Frauen Eigentum besitzen konnten und nicht rechtlos wie im antiken Rom das Eigentum des Mannes waren. Selbst Sklaven hatten Rechte, wenn auch wenige, und sie konnten auch über eigenes Eigentum verfügen. Die Abschöpfung des gesellschaftlichen Mehrprodukts war gut organisiert. Es gab Steuern und Pachtzinsen, die an den Herrscher, die diversen Tempel, aber auch an private Geschäftsleute und Landeigentümer zu zahlen waren. Auf diese Abschöpfung des Mehrprodukts in der Landwirtschaft baute die gesellschaftliche Arbeitsteilung auf; und diese war teilweise als Massenproduktion organisiert.

Praktischerweise lag ein wichtiger Rohstoff vor den eigenen Füßen, nämlich der Lehm der Flußlandschaft von Euphrat und Tigris. Hieraus konnten massenhaft Keramiken, auch für den Export, produziert oder Ziegelsteine ertrocknet oder gebrannt werden, mit denen Wohnhäuser, Stadtmauern und Tempelanlagen errichtet wurden. Andere Rohstoffe hingegen mußten von außerhalb bezogen werden. Holz war schon immer knapp in der mesopotamischen Steppenlandschaft und mußte genauso wie Steine, Metalle oder Schmuck von außerhalb bezogen werden. So entstand auch unabhängig vom Zwist zwischen den einzelnen Städten schon sehr früh die Notwendigkeit einer regelmäßigen Kriegsführung in die Wälder und Gebirge zwischen Kurdistan und dem im heutigen Iran gelegenen Elam; Kriege, die wir wohl eher als Beutezüge bezeichnen sollten, die aber gleichermaßen tödlich für die hiervon Betroffenen waren.

Buchcover Babylon WahrheitAls ökologisches Gesamtsystem war der Bewässerungsanbau im südlichen Mesopotamien, also auch in Babylon, ungemein funktional. Er erforderte einen hohen Verwaltungsaufwand und war gleichzeitig durch die Unbilden der Witterung bedroht. Das aus den Bergen Kurdistans strömende Wasser war zugleich Segen und Fluch; eine Überschwemmung konnte den sorgsam geplanten kanalisierten Feldbau zerstören. In Zeiten, in denen die Zentralmacht nicht so stark war, konnte es zudem leicht geschehen, daß die notwendigen Arbeiten an Deichen und Kanälen sowie die Maßnahmen gegen die Bodenerosion vernachlässigt wurden.

In den Gesetzen Hammurabis finden wir daher sehr drastische Reparationsandrohungen gegen Pächter von Ackerland, die ihren damit verbundenen Pflichten nicht nachkamen. Wir wissen allerdings nicht, ob die zum Teil recht harten Strafandrohungen auch in der Praxis umgesetzt wurden. Aber Hammurabis Gesetzessammlung gibt uns einen Einblick darauf, daß die damaligen Untertanen ihre freiwillige Unterwerfung unter die Erfordernisse der Zivilisation immer noch eingebleut bekommen mußten.

Wir sind da heute schon fortschrittlicher und haben die Unterwerfung unter fremdbestimmte Verhältnisse als Sachzwang längst internalisiert. Wo damals nur die Eliten Schulbildung erhielten, um im Schulunterricht neben langweiligen Vokabellisten auch die dazu gehörigen Werte und Normen zu erlernen, schicken wir heute alle Kinder ganz freiwillig in derartige Drillanstalten zum Erlernen profitabler sozialer Verhaltensformen. Kein Wunder, daß der Drill seine Opfer fordert und sich sogenannte Krankheitsbilder wie Hyperaktivität und Legasthenie ausbreiten.

Babylons Straßennetz kannte regelmäßig und unregelmäßig angelegte Areale. Manche Straßenabschnitte waren mit Platten gepflastert und mit einer dünnen Asphaltschicht versehen, sahen also wie geteert aus. Die Hausfassaden zur Straßenseite waren in der Regel fensterlos, so daß hier eher von Straßenschluchten gesprochen werden muß. Das Licht erreichte die Wohnräume über einen Innenhof. Wasser für den täglichen Bedarf lieferten Straßenbrunnen oder der Euphrat, das Abwasser landete in der Regel auf der Straße. Gegessen wurde hauptsächlich Gerste in Form von Brot, Grütze oder Mehl; oder getrunken wurde die Gerste als Bier. Daneben gab es viel Gemüse und – wahrscheinlich eher als Luxus – Fisch und Fleisch.

Die altorientalische Gesellschaft war mittels monogamer Familien organisiert, allerdings leisteten sich die Männer der herrschenden Klasse auch Nebenfrauen. Die Bevölkerung war in die drei Kategorien der Freien, Abhängigen und Sklavinnen bzw. Sklaven aufgeteilt. Frei waren die Bürger der Städte, die Bauern und Hirten. Hieraus rekrutierte der König seine Beamten und Militärs. Bei den Abhängigen finden wir Handwerker, Palastdiener, Händler und kleine Grundbesitzer; sie bildeten den Großteil der Bevölkerung. Die Zahl der Sklavinnen und Sklaven scheint recht hoch gewesen zu sein; sie sollen jedoch niemals die Hauptlast der Produktion getragen haben wie in der antiken Sklavenhaltergesellschaft. Sklave oder Sklavin wurde man bzw. frau durch Geburt, Kriegsgefangenschaft oder aufgrund nicht zurückgezahlter Schulden.

 

Der Zahnwurm

Eine bestimmte Form von Religiosität bestimmte das Leben. In unserer Kenntnis sind wir auch hier auf die mit Keilschrift beschriebenen Tontafeln angewiesen; eine Menge Schriftstücke auf vergänglichem Material sind hingegen für immer verloren. Astrid Nunn beschreibt in ihrem Aufsatz über den Alltag in Babylon sehr schön die Nützlichkeit von Göttern für das Funktionieren einer Gesellschaft und auch, wie man und frau sich die Götter zu eigen machte:

Die Götter waren allmächtig, ihre Entscheidungen unergründlich; die Weltordnung war fest gefügt. Gottesgehorsam war selbstverständlich und betraf alle Aspekte des Lebens. Vieles, was einem im Leben widerfuhr, war undurchsichtig, unerklärbar und nicht voraussehbar. So wurden unschuldige Menschen bestraft und schuldige dafür nicht. Manchmal geschah einem etwas Übles, ohne dass man sich einer Schuld bewusst war, und dachte dann, man habe etwas Verbotenes getan, ohne es zu merken. Andererseits gehörte es zur Unergründlichkeit der Götter, dass sie nicht immer straften, genau wie die Könige. Diese unberechenbare Milde musste ausgenutzt werden. Dafür erdachte sich der Mensch eine ganze Reihe von Vorkehrungen oder Riten, die wir regelrecht als Techniken bezeichnen können. Durch sie sollte die Ursache, die Quelle des Bösen verschwinden. Im Alltag umgaben sich die Menschen mit zahlreichen Objekten, um die herum Handlungen stattfanden, die die Götter der Familie gegenüber sanft stimmen sollten. Wir sprechen hierbei von Magie und Exorzismus, bei denen der Bittende nicht für den Gott handelte, sondern für sich selbst. Studien des 20. Jahrhunderts haben gezeigt, dass man Mittel und Zweck unterscheiden muss. Aberglaube und Wahrsagekunst sind irrational, die darin eingesetzten Mittel jedoch völlig rational durchstrukturiert. Glaube, Aberglaube, Ratio und Irrationalität bilden eine Einheit und ergeben miteinander den intellektuellen Horizont eines Mesopotamiers. [11]

Praktisch wird dieses Verhältnis von rationalen Handlungen unter irrationalen Vorzeichen allerdings auch heute in der kapitalistischen Wahrsagekunst und dem Exorzismus unangenehmer Wahrheiten. Und die Esoterik hilft uns im Leben ja auch weiter. Im alten Babylonien ist folgerichtig nicht genau zwischen einem Arzt und einem Magier zu unterscheiden, weil beide zur Behandlung einer Krankheit benötigt werden. Gerade weil die babylonische Medizin recht fortschrittlich war, konnte dieses Zusammenspiel besonders gut funktionieren. So beschreibt ein umfangreiches und offensichtlich auch einflußreiches Diagnosehandbuch aus dem 11. Jahrhundert, daß ein Heiler auf dem Weg zum Patienten oder zur Patientin auf Vorzeichen achten solle. Dort wie am Krankenlager würden sich bereits Hinweise auf das Schicksal der erkrankten Person finden lassen.

Hierzu gehörten ungewöhnliche Erscheinungen am Wegesrand. Oder die Haustüre mache ein auffälliges Geräusch. Oder es befinden sich kleine Tiere am Krankenbett, was in der Tat bedenklich stimmen muß. Uns mag das zum Teil als äußerst irrational erscheinen. Aber für die damalige Zeit galten ungewöhnliche Begebenheiten als eine Botschaft eines Gottes; folglich war nun herauszufinden, welcher Gott die Krankheit durch eine Berührung der erkrankten Körperstelle verursacht habe und wie er zu besänftigen sei.

Daher wurde gleichermaßen Medizin verabreicht wie magische Handlungen vollzogen wurden. Die verschiedenen erhaltenen medizinischen Texte gehen genau auf Symptome und die dazu gehörenden Krankheiten ein und raten zu bestimmten Heilpflanzen oder Vorgehensweisen. Die Magier, hier Beschwörer genannt, unterstützten den Heilungsprozeß durch rituelle Praktiken. Und wer an etwas glaubt, gesundet ja auch heute an Mittelchen, denen jegliche physiologische Wirksamkeit abgeht.

Ein schönes Beispiel für die sich in der babylonischen Medizin auffindende Verzahnung von Medizin und Magie beschreibt Nils Heeßel in seinem Aufsatz, als er auf ein Tontafelfragment zur Behandlung von Zahnschmerzen zu sprechen kommt.

Bevor der Text zum eigentlichen Zweck der Behandlung kommt, gibt er eine lange Herkunftsgeschichte des »Zahnwurms«, der nach babylonischen Vorstellungen die Zähne schädigte:

Dieser Zahnwurm bat den für die Weisheit zuständigen Gott Ea darum, ihm etwas Nützliches zu tun zu geben:

Hebe mich hoch und setze mich zwischen Zahn und Zahnfleisch. Vom Zahn will ich das Blut saugen und vom Zahnfleisch Stücke abnagen.

Alsdann folgt die Beschwörung gegen den Zahnschmerz:

Die Behandlung: Mischbier, einen Brocken Malz und Öl mischst du, rezitierst die Beschwörung dreimal darüber und legst (die Mischung) auf den Zahn. [12]

Wie wir uns denken können, hat dies geholfen, den Zahnwurm zu verscheuchen. Ob damit auch die Zahnschmerzen verschwunden waren, ist eine andere Frage.

Ganz und gar nicht magisch ging es dort zu, wo laut dem ehemaligen preußischen Finanzminister David Hansemann die Gemütlichkeit aufhört, nämlich beim Geld. Die Geld- und Kreditwirtschaft war in Babylon hoch entwickelt und die gesetzlichen Regelungen wurden – wie heute – sehr kreativ gehandhabt. Sogar erste auf Tontafeln fixierte Schecks als Methode der bargeldlosen Zahlung sind nachzuweisen. Allerdings ist der Schritt vom Geldbarren zur Münze nicht vollzogen worden, obwohl die Vorform des Münzgelds bekannt war, nämlich ein normiertes Stück Silber, das in passender Größe abgehackt wurde.

Babylon wurde 539 vom Perserkönig Kyros erobert; seine Nachfolger übernahmen die lydische Innovation des Münzgeldes und führten es auch in Babylon ein. Die Geschicke des neuen Großreichs wurden woanders entschieden, dennoch blieb Babylon auch weiterhin eine wichtige Metropole der damaligen Welt. Die alten Kulte wurden zunächst fortgeführt und die aus der Antike überlieferte Darstellung der Zerstörung Babylons durch den Perserkönig Xerxes hält den archäologischen Zeugnissen nicht Stand. Alexander der Große wollte sogar den großen Stufenturm, die Zikkurat des Stadtgotts Marduk, wieder neu aufrichten, doch er starb 323, bevor er das Projekt durchführen konnte.

Mit Alexander und seinen Nachfolgern, den sogenannten Diadochen, verbreitete sich der Hellenismus und damit auch neue Sichten über die Welt und was sie zusammenhält. Noch zur Zeit der Partherkönige scheinen die alten Kulte aber fortgeführt worden zu sein, auch wenn die Tendenz zum Monotheismus unübersehbar ist. Wahrscheinlich endet die Zeit der altbabylonischen Tempel im 4. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Die magischen Beschwörungen hingegen fanden ihren Weg auch in die Welt des Islam. Babylon als Metropole der damaligen Welt wurde abgelöst durch Seleukeia, Ktesiphon und später durch Bagdad.

Aus diesen kleinen Mosaiksteinen, die ich aus den beiden Katalogbänden herausgegriffen habe, läßt sich hoffentlich erahnen, daß die Geschichte Babylons nicht nur aus zu Klumpen verformten Ziegelsteinen besteht, sondern durchaus auch Vorstufen zu unseren heutigen magischen Praktiken erkennen läßt. So entwickelten schon damals die in Stein gemeißelten oder die mit Siegeln verschlossenen Tontafeln ihre eigene Wirkungsgeschichte. Die beiden informativen, voluminösen, reich bebilderten und auch kilomäßig nicht ganz leichten Teilbände zur Ausstellung sind deshalb viel zu interessant, um sie im Bücherregal verstauben zu lassen.

Die Doppelausstellung Babylon – Mythos und Wahrheit hat noch bis zum 5. Oktober, einem Sonntag, geöffnet. Der Eintrittspreis beträgt 12 Euro, ermäßigt 6 Euro. Weitere Informationen bietet das Internet. Jede gute deutschsprachige Suchmaschine findet die Ausstellung mit den Stichworten Babylon und Berlin sofort. Der Katalog zur Ausstellung ist im Hirmer Verlag erschienen; die beiden Teilbände zum Mythos und zur Wahrheit über Babylon können auch einzeln erworben werden. Zusammen kostet die Buchhandelsausgabe 55 Euro; die Museumsausgabe ist ein paar Euro günstiger. Aber dafür müßtet ihr dann auch extra nach Berlin fahren. Wer zwischen November und März in London weilt, kann die Ausstellung in ähnlicher Form auch im Britischen Museum aufsuchen.

 

Schinken im Gebirge

Besprechung von : Archäologie in Deutschland, Heft 4/2008, Juli/August 2008, 82 Seiten, € 9,95

Eine gewollt verwirrende Vielfalt, aber eine Vielfalt, die vielfältige Interessen abdeckt, versammelt die Zeitschrift Archäologie in Deutschland in ihrem Heft für Juli und August 2008. Neben vielerlei kleinen Meldungen führt uns das Heft zur slawischen Besiedlung des Mittelelbegebietes, wo wir nicht nur den Waffen der slawischen Oberschicht begegnen, sondern auch den Siedlungsstrukturen mit ihren Auswirkungen auf die Veränderung der Umwelt. Vorgestellt werden das Deutsche Archäologische Institut und seine Zielsetzungen im 21. Jahrhundert. In Frankreich wurde ein keltischer Palast ausgegraben, dessen Konstruktion auf Einflüsse aus dem Mittelmeerraum hinweist. Felsbilder aus Skandinavien gehören zum Weltkulturerbe. In Weimar-Ehringsdorf treffen wir auf Neandertaler und im Altmühltal auf römische Spuren.

Neben aktuellen Mitteilungen aus der Landesarchäologie bildet die Schatzkammer der Alpen das Schwerpunktthema des Heftes. Wenn wir über eine derartige Schatzkammer reden, dann müssen wir uns fragen, seit wann der Mensch das Biotop der Alpen für sich entdeckt hat und unter welchen Bedingungen der Bergbau schon in der Jungsteinzeit, vor allem aber in der Bronzezeit vonstatten ging.

Cover der Zeitschrift AiDDie Besiedlung der Alpen geht in die Altsteinzeit zurück, dürfte dort aber auf die günstigeren Lebensbedingungen einer Warmzeit zurückzuführen sein. Angesichts des damaligen Wildreichtums und der äußerst geringen Anzahl umherstreifender Menschen gab es in den kälteren Jahrtausenden der Eiszeit keine Veranlassung, die kälteren Höhenlagen der Hochgebirge aufzusuchen. Anders sieht es in der Warmzeitperiode aus, die vor rund 12.000 Jahren begann. Die Menschen vermehrten sich und suchten nach neuen ökologischen Nischen als Lebensgrundlage. Hierbei werden sie ab und zu auf Rohstoffvorkommen gestoßen sein: Silex, Salz, Kupfer- und Eisenerze.

Ob, wie und ab wann einzelne Menschengruppen diese Lagerstätten als ihren Besitz angesehen haben, ist nicht geklärt. Für die Bronzezeit sind jedenfalls Fundstätten belegt, deren Siedlungen zusätzlich befestigt wurden. Doch dies war zu dieser Zeit eine auch andernorts in Europa verbreitete Praxis. In diesem Fall ist es durchaus möglich, daß der zum Teil schon gezielt vorangetriebene Bergbau im Alpenraum abgesichert wurde. Nebenbei erfahren wir, daß im nacheiszeitlichen Alpengebiet jahrtausendelang die Baumgrenze wesentlich höher gelegen hat als heute und die Vergletscherung stark zurückgegangen war. Allerdings waren hierfür nicht die Menschen, sondern die Klimabedingungen verantwortlich; ganz anders jedoch ab der Bronzezeit, in der anthropogene Einflüsse durch Besiedlung und Landwirtschaft zunehmen.

Spannend wird es dann, wo nicht nur an steilen Berghängen gezielt Rohstoffe abgeschlagen wurden, sondern die Stollen in den Berg hineingeschlagen, hineingebrannt oder hineingetrieben wurden. Der Abbau von Kupfer, Salz und Eisen bedurfte einer Arbeitsorganisation, die planmäßig organisiert und damit auch hierarchisch strukturiert war. Wir dürfen uns fragen, ob die Menschen mehr oder weniger freiwillig in den Berg hineingekrochen sind und wie die Arbeitsbedingungen aufgesehen haben.

Sicherlich wird es keine Ein-Euro-Jobs gegeben haben, eher schon Zwangsarbeit. Was hat Menschen dazu motiviert, im erzwungenen Kollektiv mit anderen zu schuften? Vielleicht waren die Arbeitszeiten auch ganz locker und die in den Salzbergwerken aufgehängten gepökelten Schweinehälften waren ein besonderer Anreiz. Wir wissen es nicht. Aber eine Idylle war dies alles vermutlich nicht.

Anregungen zu Fragen dieser Art vermittelt uns das hier vorgestellte Heft 4 der Zeitschrift Archäologie in Deutschland, das im Juli herausgekommen ist. Es umfaßt etwas mehr als 80 Seiten und kostet 9 Euro 95. Das nächste Heft mit dem Schwerpunkt Martin Luther und einem Forschungsbericht über menschliche Spuren beim Vulkanismus am Rhein erscheint am 15. September und ist über den Buch- und Zeitschriftenhandel sowie über den Theiss Verlag in Stuttgart zu erwerben.

 

Schluß

Jingle Alltag und Geschichte

In der vergangenen Stunde sprach ich über Arbeitslosigkeit ohne Arbeitslose, ein Schwimmbad ohne Frischwasser, babylonische Lebenswelten sowie prähistorischen Untertagebergbau.

Ich danke der Dissent – Medienwerkstatt Darmstadt für ihre Unterstützung bei der Produktion dieser Sendung und dem Verein RadaR e.V., falls es ihm gelungen sein sollte, diese Sendung ohne Verzerrungen und Patzer auszustrahlen. Obwohl: warum soll ich mich bei diesem Radio für etwas bedanken, was eigentlich selbstverständlich sein sollte, es aber leider nicht ist? [13]

Diese Sendung wird voraussichtlich wiederholt, und zwar in der Nacht von Montag auf Dienstag nach den Deutschlandfunk-Nachrichten gegen 23 Uhr 10. Und dann noch einmal am Dienstag um 8 Uhr morgens und um 14 Uhr am frühen Nachmittag. Das Manuskript zu dieser Sendung kann in den nächsten Tagen auf meiner Webseite nachgelesen werden: www.waltpolitik.de. Im Anschluß folgt eine Sendung der Kulturredaktion von Radio Darmstadt. Am Mikrofon für die Redaktion Alltag und Geschichte bei Radio Darmstadt war Walter Kuhl von der Dissent – Medienwerkstatt Darmstadt.

 

ANMERKUNGEN

 

Mittels eines Klicks auf die Nummer der jeweiligen Anmerkung geht es zur Textpassage zurück, von der aus zu den Anmerkungen verlinkt wurde.

 

»» [1]   Die Presseinformation vom 2. September 2008 befindet sich auf der Webseite der Initiative nicht.

»» [2]   Zu den Unannehmlichkeiten der Hausverbotsstrategie des Vereinsvorstands des Trägervereins von Radio Darmstadt gehört es, Sendungen vorproduzieren zu müssen. Dies führt dazu, daß aktuelle Ereignisse nicht mehr reflektiert werden können. Die CD zur Sendung war schon gebrannt, als Kurt Beck zurücktrat und der Agenda-Fraktion um Franz Müntefering und Frank-Walter Steinmeier die Partei überließ.

»» [3]   Leider bin ich einem weit verbreiteten Irrtum aufgesessen. Die GSI unterhält ihre Anlagen auf Arheilger Gemarkung.

»» [4]   Der jährlich erforderliche Zuschuß für das Darmstadtium wurde von Oberbürgermeister Walter Hoffmann auf um die 3 Millionen Euro pro Jahr beziffert. Dieses Defizit sei „politisch gewollt“. Unglaublich, aber wahr! Diese Todsünde gegen die Marktgesetze des Neoliberalismus wird von einem erklärten Agenda 2010-Vertreter auch noch verteidigt. Siehe hierzu den Artikel „Defizit war ‚politisch gewollt‘“ von Klaus Staat im Darmstädter Echo am 3. Dezember 2007. Schon im August 2000 befaßte sich der Magistrat der Stadt Darmstadt mit der Finanzlage der Centralstation. Der damalige Pberbürgermeister Peter Benz kündigte an, zur Rettung des Kulturprogramms 3,5 Millionen Mark zuschießen zu müssen. Siehe hierzu den Artikel „Centralstation vor dem Ruin. Rettungsaktion der Stadt“ von Klaus Staat im Darmstädter Echo am 12. August 2000 sowie seinen Kommentar „Ein schöner Erfolg – schöngeredet“ in derselben Ausgabe der Zeitung.

»» [5]   Siehe hierzu die nicht datierte Pressemitteilung der Staatsanwaltschaft Darmstadt; vermutlich vom 2. September 2008.

»» [6]   Damals noch als PDS. Siehe hierzu beispielsweise: Benedict Ugarte Chacón – Die rot-rote Fortsetzung des Berliner Bankenskandals [2006]. In seiner Austrittserklärung aus der PDS nannte der ehemalige Bundestagsabgeordnete der Partei Winfried Wolf am 21. Mai 2004 das Verhalten der PDS im Berliner Senat ausdrücklich als einen seiner Beweggründe für seinen Austritt.

»» [7]   Daniel Baczyk : Heute Badegast – morgen Badbetreiber?, in: Darmstädter Echo (online) am 26. August 2008. – Daniel Baczyk : Genossenschafts-Vorstoß „eine Bankrotterklärung“, in: Darmstädter Echo (online) am 29. August 2008. – „Defizite sollen privatisiert werden“, Artikel im Darmstädter Echo (online) am 3. September 2008.

»» [8]   Dieter Scholz : Das Babylon-System, in: Babylon Mythos, Seite 181–190, Zitat auf Seite 187.

»» [9]   Angesichts der nicht entschiedenen Chronologie-Frage lasse ich das Jahrhundert einmal offen. Für die Regierungszeit Hammurabis gibt es eine lange (1848–1806), eine mittlere (1792–1750), eine kurze (1728–1686) und sogar eine ultrakurze (1696–1654) Chronologie.

»» [10]   Nach der langen Chronologie 1651, mittleren Chronologie 1595, nach der kurzen Chronologie 1531, nach der ultrakurzen Chronologie 1499.

»» [11]   Astrid Nunn : Der Alltag in Babylon, in: Babylon Wahrheit, Seite 277–334, Zitat auf Seite 291–293.

»» [12]   Nils P. Heeßel : Babylonische Wissenschaft – Medizin und Magie, in: Babylon Wahrheit, Seite 413–428, Zitate auf den Seiten 419–420.

»» [13]   Ich spreche aus leidvoller Erfahrung. Die vorproduzierte Sendung fiel zweimal einem nicht funktionierendem CD-Player zum Opfer, einmal wurde sie vor ihrem Ende abgewürgt und einmal gar nicht erst ausgestrahlt. Verzerrt war das Sendesignal ohnehin auch bei dieser Ausstrahlung zu hören. Hier zeigt sich die besondere Kunst der Einstellung der im sendereigenen Programmflyer hochgelobten „hochwertigen und filigranen Audioprozessoren“. Man sollte halt auch damit umgehen können …

 


 

Diese Seite wurde zuletzt am 22. September 2008 aktualisiert. Links auf andere Websites bedeuten keine Zustimmung zu den jeweiligen Inhalten, sondern sind rein informativer Natur. ©  Walter Kuhl 2001, 2008. Die Wiedergabe, auch auszugsweise, ist nur mit dem Einverständnis des Verfassers gestattet.

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