Geschichte

Amerika, Deutschland, Vietnam

 

SENDEMANUSKRIPT

In der Sendung vom 12. Juni 2006 sprach ich über die Besiedlung des amerikanischen Kontinents, die Rüstungswirtschaft im wilhelminischen Kaiserreich und über Vietnam.

 

 

Sendung :

Geschichte

Amerika, Deutschland, Vietnam

 

Redaktion und Moderation :

Walter Kuhl

 

gesendet auf :

Radio Darmstadt

 

Redaktion :

Alltag und Geschichte

 

gesendet am :

Montag, 12. Juni 2006, 17.00–18.00 Uhr

 

wiederholt am :

Montag, 12. Juni 2006, 23.10–00.10 Uhr
Dienstag, 13. Juni 2006, 08.00–09.00 Uhr
Dienstag, 13. Juni 2006, 14.00–15.00 Uhr

 
 

Besprochene und benutzte Bücher :

  • Stefanie van de Kerkhof : Von der Friedens– zur Kriegswirtschaft, Klartext Verlag
  • René Oth : Bevor Kolumbus kam, Theiss Verlag
  • Rüdiger Siebert / Heinz Kotte : Vietnam hautnah, Horlemann Verlag

 
 

URL dieser Seite : http://waltpolitik.powerbone.de/herstory/ge_amdev.htm

 

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Inhaltsverzeichnis

Kapitel 1 : Einleitung

Kapitel 2 : Wenn Gene driften

Kapitel 3 : Merkwürdige Alphabet–Hieroglyphen

Kapitel 4 : Aufflammende politologische Floskeln

Kapitel 5 : Strategische Strategien

Kapitel 6 : Gewonnen und doch verloren

Kapitel 7 : Schluß

Anmerkungen zum Sendemanuskript

 

Einleitung

Jingle Alltag und Geschichte

Noch scheint alles friedlich verlaufen zu sein, aber die Fußball–Weltmeisterschaft dauert ja noch vier Wochen [1]. Die Welt ist zu Gast im gastfreundlichen Deutschland und schert sich nicht um dessen rassistischen Alltag und seine Abschiebeknäste. Neonazis dürfen munter demonstrieren [2] und kaum ein Fußballfan aus Afrika, Asien oder Lateinamerika verläuft sich in die sogenannten national befreiten Zonen, wo das krude deutsche Brauchtum von gastfreundlichen Nachbarinnen und Nachbarn noch so richtig gepflegt wird. Und selbst die Sonne lacht den Kickern ein wenig zu, so daß wir noch ein wenig auf die Regenprobe im Frankfurter Stadion werden warten müssen.

Und weil halb Deutschland im Fußballfieber ist und die andere Hälfte sich vielleicht viel lieber sonnen mag, werde auch ich mich in der heutigen Sendung den äußeren Umständen anpassen und nicht eine ganze Stunde lang ununterbrochen reden. Und doch habe ich heute drei Bücher mitgebracht, die uns mehr oder weniger interessante Einsichten zu vermitteln mögen.

Da wäre zum einem das Buch Bevor Kolumbus kam von René Oth. Der Autor geht in diesem Buch der Frage nach, wer die ersten Entdeckerinnen und Siedler des amerikanischen Kontinents gewesen sein mögen. Noch gilt die Theorie, wonach die ersten Menschen Amerika über die Landbrücke zwischen Sibirien und Alaska betreten haben, als wissenschaftlicher Standard. Aber es mehren sich die Zweifel.

Die Wirtschaftshistorikerin Stefanie van de Kerkhof hat in ihrer Dissertation Von der Friedens– zur Kriegswirtschaft Unternehmensstrategien der deutschen Eisen– und Stahlindustrie vom Kaiserreich bis zum Ende des Ersten Weltkrieges untersucht. Da sich hierbei womöglich Hinweise auf die Verbindungslinien zwischen Rüstungswirtschaft und Imperialismus zu Beginn des 20. Jahrhunderts ergeben könnten, habe ich mir die als Buch herausgebrachte Dissertation etwas näher angeschaut.

Und schließlich geht es auch im dritten Buch um Krieg, genauer: um Kriegsfolgen. Rüdiger Siebert und Heinz Kotte haben für ihre Reportagen Vietnam hautnah erlebt und beschreiben hierbei ein Land im Umbruch. Selbstverständlich wird dabei auch das Erbe des Vietnam–Krieges thematisiert, aber auch, wie die Vietnamesinnen und Vietnamesen heute in Zeiten folkloristischen Tourismus hiermit umgehen.

Zum Schluß der Sendung weise ich noch auf eine Veranstaltung zu Kuba hin. Am Mikrofon für die Redaktion Alltag und Geschichte auf Radio Darmstadt ist Walter Kuhl.

 

Wenn Gene driften

Besprechung von : René Oth – Bevor Kolumbus kam, Konrad Theiss Verlag 2006, 192 Seiten, € 24,90

Lange bevor europäische Conquistadoren ihren Fuß an die Küsten Amerikas setzten, war das riesige Gebiet von Alaska bis Feuerland von Nomaden besiedelt worden. Die gängige Theorie lautet: vor etwa 15.000 Jahren wanderten Menschen über die wasserfreie Beringstraße ein und folgten anschließend der Jagdbeute über die kanadischen Ebenen immer weiter nach Süden. Diese Theorie geht davon aus, daß die Landbrücke zwischen Sibirien und Alaska nur während zweier Zeiträume begehbar war und daß archäologische Funde nur für das letzte Jahrzehntausend vor unserer Zeitrechnung vorhanden sind.

Buchcover Bevor Kolumbus kamDiese Theorie wird inzwischen aus mehreren Gründen angezweifelt. Es mehren sich nämlich Berichte über Spuren menschlicher Besiedlung in Nord- und Südamerika, die bis zu 50.000 Jahre alt sein sollen. Damit einher stellt sich die Frage, warum die ersten Menschen, die Amerika besiedelten, nicht über das Meer gekommen sein sollen. Der Ethnologe und Amerikanist René Oth geht in seinem im Frühjahr bei Theiss herausgebrachten Buch Bevor Kolumbus kam den Spuren dieser möglichen frühen Entdecker Amerikas nach.

Sein Buch hat drei Teile. Zunächst behandelt er die möglichen europäischen und asiatischen Einflüsse während der Eiszeit, die vor rund 15.000 Jahren zuende gegangen ist. Denn es spricht nichts dagegen, daß der ersten Menschen den amerikanischen Kontinent mit Booten oder Flößen aufgesucht haben, indem sie sich entlang der Küsten oder des weit nach Süden gelangten Eises bewegten.

René Oth behandelt in seinem Buch mögliche Theorien und die hierzu passenden Indizien. Beliebt ist heute der molekularbiologische Nachweis für Dies und Jenes. So sollen alle Frauen dieser Erde von einer einzigen weiblichen homo sapiens abstammen, die vor 143.000 Jahren in Afrika gelebt hat, und der Urvater aller heutigen männlichen Exemplare soll vor rund 84.000 Jahren gelebt haben. Allerdings verrät uns der Autor dann im Nebensatz, daß die verwendete Forschungsmethode wissenschaftlich umstritten ist und es auch alles ganz anders gewesen sein kann.

Dieses Problem verfolgt uns das gesamte Buch, so daß man und frau den Verdacht nicht los wird, als würde uns eine unterhaltsame Geschichte vorgesetzt, die zwar nett ist, aber auch nicht beweisbar. Deshalb ist es doch fragwürdig, wenn René Oth behauptet, daß unsere Gene etwas über die zugrunde liegenden Völkerwanderungen aussagen. Das, was als Gendrift erscheint, benötigt offensichtlich doch des Nachweises durch andere harte Fakten.

Insofern können wir, müssen es aber nicht glauben, daß die gesamte amerikanische Bevölkerung, die beim Eintreffen des Kolumbus den Kontinent bewohnte, von gerade einmal sieben Frauen abstammen soll. Sicherlich ist jedoch festzuhalten, daß die Bevölkerungsdichte der eiszeitlichen Erde etwa der heutiger Savannen und Steppen entsprochen haben mag. Unter veränderten klimatischen und erst recht sozialen und gesellschaftlichen Bedingungen kam es dann zur gewaltigen Zunahme der Erdbevölkerung, die schon im neolithischen Vorderasien zu ersten Hungersnöten geführt haben wird.

Halten wir daher fest: Schon vor der Überquerung der Beringstraße im Norden könnten einzelne Gruppen aus Europa über den Atlantik gekommen sein, aber auch über den Pazifik aus Südostasien und Polynesien. Wahrscheinlich war jedoch die Hauptroute der Weg über Alaska, so daß sich kaum europäische oder polynesische Spuren finden lassen werden.

 

Merkwürdige Alphabet–Hieroglyphen

Im zweiten Teil seines Buches geht es schon wesentlich spekulativer und – ich muß es leider sagen – auch ungenauer zu. René Oth gibt hier verschiedene Theorien wieder, wonach Phönizier, Chinesen, Römer, Iren und Afrikaner manchmal eher zufällig, manchmal aber auch gezielt den amerikanischen Kontinent aufgesucht haben sollen.

Leider hat der Autor nicht den neueren Forschungsstand zur phönizischen Geschichte und Kultur zur Kenntnis genommen, etwa in der Frage der seit der Antike kolportierten Kinderopfer. Diese hat es wahrscheinlich nicht gegeben, so daß die Phönizier dann auch nicht für derartige Praktiken bei den Maya oder Azteken verantwortlich gemacht werden können. Im Umkehrschluß bedeutet dies aber auch, daß es ein Indiz für eine kulturelle Drift weniger gibt, was es wieder unwahrscheinlicher macht, daß Phönizier mehr oder weniger regelmäßig gen Westen gesegelt sind. [3]

Zudem ist es schon merkwürdig, wenn die mittelamerikanische Schriftkultur auf phönizischen Einfluß zurückzuführen sein soll. Zwar waren es die Phönizier, die unsere Schriftkultur mit der Verbreitung einer Alphabetschrift revolutioniert haben, doch seltsamerweise beschrieben die Maya ihre Stelen mit einer Hieroglyphenschrift, die weltweit einzigartig dasteht. Kaum zu glauben, daß die Phönizier ihr einfaches Schreibsystem vollkommen umkrempelten und etwa vollkommen anderes in Stein hauen ließen. Im Bemühen, phönizischen Einfluß nachzuweisen oder zumindest nahezulegen, wird ganz offensichtlich mehr spekuliert als nachgedacht.

So funktioniert der Mayakalender komplett anders als alle vorderasiatischen Kalendersysteme, zudem basierte das Zahlensystem Mittelamerikas auf der Zahl 20 und nicht auf einer Mischung aus 10er und 60er–System, wie im Vorderen Orient. Nebenbei sei angemerkt, daß die Phönizier ihre Küstenstädte nicht spätestens im Jahr 600 vor unserer Zeitrechnung panikartig verlassen haben, wie der Autor schreibt, um sich vor den angreifenden Babyloniern zu schützen. Nebukadnezars Belagerung von Tyros erfolgte erst später. Auch der Hinweis, dynastische Schwierigkeiten hätten die Phönizier daran gehindert, einfach in ihre Kolonie Karthago auszuwandern, ist haltlos. Karthago und Tyros hatten – soweit wir wissen – keinen Streit miteinander; der Gründungsmythos der nordafrikanischen Stadt entbehrt jeglicher historischen Grundlage.

Ähnlich problematisch sind die im Buch angeführten chinesischen, irischen und römischen Einflüsse zu bewerten. Auch fehlt es dem Autor ein wenig an Präzision. So schreibt er: "Die Häfen Palästinas und Ägyptens erschlossen den Römern das Rote Meer, während die jenigen Persiens ihnen Zugang zum Indischen Ozean gaben." [4] Angesichts des fast permanenten Kriegszustandes zwischen dem Römischen Imperium und dem Partherreich und ab dem 3. Jahrhundert dem Perserreich der Sassaniden eine gewagte Behauptung, zumal Rom nur während einiger weniger Jahre unter Trajan überhaupt den Persischen Golf erreicht haben konnten.

Dieser zweite Teil ist auf jeden Fall ein großer Schwachpunkt des Buches. Im abschließenden dritten Teil geht René Oth auf das Erbe der Indianer ein. Sehen wir einmal davon ab, daß hiermit die gesamte indigene Bevölkerung der beiden Amerikas auf eine kleine Gruppe in den heutigen USA und Südkanada reduziert wird, so ist es immerhin verdienstvoll, wenn der Autor das Bild des edlen Wilden als europäischen Mythos darstellt.

Mag sein, daß die Vorfahren der heutigen Native Americans ein nicht ganz so naturzerstörerisches Leben führten wie die Menschen und Gesellschaften Europas und Asiens. Mag auch sein, daß eine indianische Gemeinschaft insgesamt harmonischer miteinander lebte – wenn auch Kriege nach außen brutal geführt werden konnten.

Aber der entscheidende Grund für diesen Unterschied wird nicht benannt. Die indianischen Gesellschaften befanden sich noch weitgehend auf dem Niveau der Sammlerinnen und Jäger. Das bedeutet: die grundlegende Veränderung des Lebensstils durch systematischen Getreideanbau und Viehzucht, wie sie nach der Neolithischen Revolution in Vorderasien begann, in Richtung Besitz, Handel und Herrschaft ist deshalb nur in Ansätzen vorzufinden. Wenn wir überhaupt über glaubwürdige Quellen für den Lebensstil der indigenen Bevölkerung zum Zeitpunkt der europäischen Eroberung verfügen, dann zeigt sich auch, daß diese Harmonie abhängig von der Verfügung über Ressourcen gewesen ist. Hunger und Krankheiten waren an der Tagesordnung.

Und: die heutigen Native Americans pflegen weitestgehend Rituale und geistige Vorstellungen, die mit denen ihrer Vorfahren von vor rund fünfhundert Jahren wenig bis gar nichts zu tun haben [5]. 50.000 Jahre, wenn es denn so viele sind, kultureller Entwicklung in Nord- und Südamerika wurden durch die europäischen Eroberer und Ausbeuter innerhalb weniger Jahrhunderte, wenn nicht gar Jahrzehnte, zunichte gemacht. Darauf weist René Oth durchaus zu Recht hin.

Das bedeutet jedoch nicht, daß wir mit eurozentristischem Blick das folkloristische Erbe der Vergangenheit hochleben lassen sollten. Die edlen Wilden sind eine europäische Konstruktion; und Gesellschaften ändern sich nun einmal und damit auch ihre Wertevorstellungen. Das Ursprüngliche ist immer auch das Vergängliche; und es gibt keinen Grund, es als "authentisch", "ehrlich" oder "natürlich" zu konservieren.

René Oths Buch heißt Bevor Kolumbus kam; es hat 192 Seiten und ist im Frühjahr im Theiss Verlag zum Preis von 24 Euro 90 erschienen.

 

Aufflammende politologische Floskeln

Besprechung von : Stefanie van de Kerkhof – Von der Friedens– zur Kriegswirtschaft, Klartext Verlag 2006, 480 Seiten, € 33,00

 
In einer Phase neuerlich aufflammender kriegerischer Konflikte, die nicht nur Politik und Gesellschaft, sondern auch das labile Gefüge der Weltwirtschaft beeinflussen, scheint eine empirische Untersuchung von Unternehmen in Kriegswirtschaften angebrachter denn je zu sein. Bedenkt man, dass seit Ende des Zweiten Weltkrieges jährlich bis zu fünfzig Kriege regionalen oder internationalen Ausmaßes stattfinden, so müsste auch die moderne Wirtschaftswissenschaft militärische Konfliktphasen stärker in ihre Theorien einbeziehen, um zu einer realitätsnäheren Modellierung der Wirtschaftsentwicklung zu gelangen. [6]

Mit dieser Aussage leitet die Wirtschaftshistorikerin Stefanie van de Kerkhof ihre im Klartext Verlag als Buch erschienene Dissertation Von der Friedens– zur Kriegswirtschaft ein. Ihre Untersuchung über die deutsche Eisen– und Stahlindustrie vor und während des Ersten Weltkrieges behandelt die Strategien der einzelnen Unternehmen bzw. die einer ganzen Branche, sich in Friedens– und Kriegszeiten zu behaupten.

Buchcover van de KerkhofDie wirtschaftlichen Rahmenbedingungen waren so beschaffen, daß gerade im Bereich der Eisen- und Stahlindustrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts Überkapazitäten aufgebaut worden waren. Wie gingen nun die einzelnen Firmen bzw. Konzerne hiermit um? Stefanie van de Kerkhof verwendet hierbei verschiedene Ansätze des sogenannten Strategischen Managements, um Strategien zu Beschaffung und Absatz, Expansion und Internationalisierung empirisch und theoretisch zu fassen.

Dabei ist ihr durchaus bewußt, daß der Begriff des strategischen Managements alles andere als klar definiert ist, und doch reicht diese Konzeption ihr aus, um eine Folie herauszuarbeiten, mit der sie die Unternehmensentscheidungen der kaiserzeitlichen Montanindustrie wissenschaftlich beschreiben kann.

Nun wäre es eine durchaus spannende Frage, ob und inwieweit die deutsche Eisen- und Stahlindustrie ein kriegstreibender Faktor zu Beginn des 20. Jahrhunderts gewesen ist. Wir befinden uns – historisch betrachtet – im sogenannten Zeitalter des Imperialismus. Dieser Imperialismus war keine rein politische oder militaristische Angelegenheit; vielmehr gab es wirtschaftliche Gründe, weshalb die einzelnen europäischen Mächte, und außerhalb Europas auch die USA und Japan, in eine globale Konfrontation gerieten.

Der Kampf um Märkte und Rohstoffe geschah vor dem Hintergrund allseits aufgebauter Überkapazitäten, welche, da nicht ausgelastet, auf die jeweiligen Profitraten drückten. Der Krieg war, und am besten zeigt sich das immer noch an der Analyse von Rosa Luxemburg, solange unvermeidlich, wie es den jeweiligen herrschenden Klassen gelang, interne Klassenkonflikte durch aggressives Auftreten zu externalisieren. [7]

Gewisse Ähnlichkeiten zur heutigen Weltwirtschaft, zu multinationalen Eingreiftruppen und imperialistischen Kriegen sind nicht zufällig, sondern liegen in der Natur der Sache, also des kapitalistischen Weltsystems. Deshalb finde ich es auch problematisch, wenn Stefanie van de Kerkhof derartige Überlegungen aus ihrer Arbeit augeklammert hat, obwohl sie ihr nicht fremd sind, schließlich beschäftigt sie sich intensiv mit Friedens– und Konfliktforschung. [8]

Aber wenn wir uns heute überlegen, was die Bundeswehr im Kongo zu suchen hat oder warum die US Army das irakische Erdöl besetzt, dann verweist dies historisch betrachtet auf die Notwendigkeit, Unternehmensstrategien im Kontext imperialistischer Wirtschaftspolitik zu behandeln. So nebenbei möchte ich anmerken, daß das Bauernopfer von Roland Koch in der Schwarzgeldkoffer–Affäre, nämlich Franz–Josef Jung, die Treppe heraufgefallen ist und heute als Bundeskriegsminister klare Vorgaben darüber macht, daß die Bundeswehr – nicht zuletzt auch im Kongo – zur Sicherung strategischer Rohstoffe benötigt wird. [9]

Die von mir zitierten einleitenden Worte aus ihrer Dissertation beschreiben jedoch eine gewisse Ungenauigkeit im Umgang mit dem zu untersuchenden Forschungsobjekt. Das mag den Formalien wissenschaftlichen Arbeitens geschuldet sein, bei denen frau nicht einfach über die Grausamkeiten dieser Welt schwadronieren kann, die tagtäglich im Namen von Zivilisation und Menschenrechten, vor allem aber zugunsten der Freiheit des Marktes und des Profits begangen werden.

Aber es ist nun einmal so, daß Konflikte nicht einfach "aufflammen" oder Kriege einfach so "stattfinden". Hinter marodierenden Milizen oder durchgeknallten Diktatoren stehen materielle, sprich: wirtschaftliche, Interessen. Im Kongo gibt es strategische Rohstoffe, welche mittels eigens aufgebauter Milizen oder geförderter Warlords abgesichert, billig abgebaut und angeeignet werden können. Genauso wenig ist der Erste Weltkrieg einfach so "ausgebrochen". Auch hier gab es Interessen und Interessenten.

Selbst wenn die Kriegsschuldfrage nicht unbedingt nur an Österreich–Ungarn und vor allem am Deutschen Reich festzumachen ist, so war es ja nicht so, daß die deutschen Industriellen Pazifisten gewesen wären. Es ging ums Geschäft, es ging um Rohstoffbasen und Absatzgebiete. Der Krieg war so willkommen wie unvermeidlich. Insofern war auch der Erste Weltkrieg Teil einer strategischen Entscheidung der kaiserzeitlichen Wirtschaftseliten, welche Stefanie van de Kerkhof hätte berücksichtigen müssen.

 

Strategische Strategien

Leider hat Stefanie van de Kerkhof in ihrer Dissertation Von der Friedens– zur Kriegswirtschaft nicht näher untersucht, was strategische Entscheidungen im Kontext der kapitalistischen Rationalität tatsächlich bedeuten. Selbst wenn sie uns in ihrer Dissertation etwa zehn Denkschulen zum Begriff des Strategischen Managements vorführt, sagt sie uns noch lange kein Wort über die Wirkungsmächtigkeit des Begriffs und seiner Umsetzung im betrieblichen Alltag.

Genau betrachtet können wir heutzutage bei multinationalen Konzernen eine muntere Abfolge verschiedener Denkrichtungen beobachten. Das, was gestern up–to–date war, ist heute der Käse von gestern. Letztlich kommt es nämlich gar nicht darauf an, welche Denkrichtung verwendet wird. Der neoliberale Konzern von heute lebt von der Konfusion seiner Beschäftigten, die einfach nicht mehr wissen, welche Leistungen von ihnen erwartet werden. Diese strategische Ungewißheit ist jedoch Mittel zum Zweck, nämlich dem völligen Umkrempeln althergebrachter Strukturen und Denkmuster. Der moderne flexible Mensch wird ausgepreßt wie eine Zitrone und kann dann gehen.

Die Frage ist, ob dieses methodische Vorgehen neoliberaler Wunderdoktoren auf das Ende des 19. und den Beginn des 20. Jahrhunderts zu übertragen ist. Das halte ich für fragwürdig. Natürlich haben sich auch damals die Konzernbesitzer und ihre Manager Gedanken über Strategien gemacht, ihre Absätze und Profite zu sichern oder womöglich zu steigern. Aber der ganze Hokuspokus heutigen wirtschaftswissenschaftlichen Unsinns war ihnen einfach fremd.

(Und hier verweise ich gerne noch einmal darauf, daß es an jeder guten deutschen Universität drei theologische Fakultäten gibt: die Katholiche Theologie, die Evangelische Theologie, und die Wirtschaftswissenschaften.)

Ich halte mich deswegen so lange mit diesen methodischen Fragen auf, weil sie das Gerüst der Dissertation von Stefanie van de Kerkhof bilden. Damit greife ich, wie ich meine, die Schwachpunkte heraus, ohne den Wert der Arbeit als solcher schmälern zu wollen. Denn das, was die Autorin auf 480 Seiten ausbreitet, ist nicht nur Fleißarbeit, sondern der Versuch, bestimmte Formen wirtschaftlicher Strategie herauszufiltern. Dabei ist jedoch festzuhalten, daß die daraus entstandene umfangreiche Materialsammlung selten auf einen Punkt gebracht wird.

In der Tat lassen sich in Interessenverbänden, Denkschriften und Konzernentscheidungen unterschiedliche Interessenlagen ausmachen. Aber heißt das deshalb, daß es keine konsistente Strategie gab? Die Frage ist ja eher: was folgt aus diesen unterschiedlichen Positionen, was setzt sich durch und wie läuft das ab? In der Dissertation erscheint dies alles eher als ein Nebeneinanderher.

Was bleibt als Unternehmensstrategie festzuhalten? Man versuchte vor dem Ersten Weltkrieg, Rohstoffbasen anzukaufen und Absatzmärkte gezielt zu erschließen. Dabei waren es gerade die schwerindustriellen Kreise, die auf eine offensive Kolonial– und Rüstungspolitik drängten, vor allem im Bereich des Flottenbaus. Innovative Strategien, also die Einführung neuer verbesserter Produktionsverfahren, wurden hingegen eher nicht verfolgt. Die rationale Nutzung der Überkapazitäten führte nicht zu einem aggressiven Konkurrenzkampf, sondern eher zu kartellartigen Strukturen, zu Preis– und Mengenabsprachen. Das Problem war hiermit jedoch nicht vom Tisch – und dazu bedurfte es nicht nur der Rüstungswirtschaft, sondern auch des Krieges, um das Problem anzugehen und zu lösen.

Die Rüstungswirtschaft läßt sich beispielsweise gut am Krupp–Konzern verfolgen, der die Zeichen der Zeit frühzeitig erkannte und den Krieg antizipierte. In gewisser Weise handelte es sich um den Vorläufer dessen, was US–Präsident Eisenhower in den 50er Jahren den Militärisch–Industriellen Komplex genannt hat, heute in Deutschland verkörpert durch den Daimler–Benz–Konzern.

Der Staat ist der ideelle Gesamtkapitalist und hat deshalb als Gemeinwohl die Interessen der Kapitalistenklasse im Sinn. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine Monarchie, eine Diktatur oder eine Demokratie handelt. Die Staatsform, so schreibt die Autorin dann auch deutlich [10], war den Schwerindustriellen egal. Es wäre ja auch ein Mißverständnis, die Freiheit des Marktes und des Profits mit Demokratie und Menschenrechten verwechseln zu wollen.

Die deutsche Eisen– und Stahlindustrie schlitterte also nicht in den Ersten Weltkrieg, er war durchaus schon vorbedacht. Dennoch unterschätzt Stefanie van de Kerkhof meines Erachtens den Realitätsgehalt der Ausführungen von Wirtschaftsbossen und Politikern, wenn diese im Nachhinein sagten, man sei auf den Krieg nicht so recht vorbereitet gewesen. Die Autorin sieht hierin eine Schutzbehauptung und belegt dies mit Hilfe verschiedenen Äußerungen, bei denen vor dem Krieg von den Planungen für den Krieg gesprochen wurde.

Zu berücksichtigen wäre jedoch, daß das deutsche Militär von einem schnellen Sieg im Westen ausgegangen war; und dafür mögen die Vorbereitungen ausgereicht haben. Als jedoch aus dem Bewegungs– ein Stellungskrieg geworden war, mußte die Versorgung mit strategischen Rohstoffen neu organisiert werden. Auf diesen längeren Krieg war man in der Tat nicht vorbereitet.

Interessant ist, daß die Produktionskapazitäten, die vor dem Krieg nicht ausgelastet waren, im Krieg noch ausgebaut wurden. Offensichtlich rechnete man mit einem Sieg, der sowohl die Verfügung über Rohstoffe verbessern als auch neue Absatzmärkte erschließen würde.

Die Kriegswirtschaft als solche dürfen wir uns jedoch nicht als ein Staatsunternehmen vorstellen, bei dem die Wirtschaft in die Interessen des Staates und seines Militärs eingespannt wurde. Vielmehr, und darauf weist die Autorin eindringlich hin, zog die Montanindustrie nur solange und soweit mit, wie es eine Übereinstimmung in Interessen und Kriegszielen gab.

Als absehbar war, daß der Krieg nicht mit einem Sieg enden würde, war allen Beteiligten klar, daß schon jetzt die Vorbereitungen für einen weiteren Krieg zu treffen seien. Eine andere Lösung für die aufgebauten Überkapazitäten und Profitlöcher gab es ja auch nicht. Solange der Krieg florierte, florierte auch das Geschäft. Stefanie van de Kerkhof zieht hierbei die Unternehmensbilanzen herbei und verweist darauf, daß diese auch noch gezielt manipuliert wurden, um den Kriegsgewinn nicht allzu deutlich hervorstechen zu lassen. In einer Rüstungswirtschaft ist Krieg eben immer ein Geschäft, dessen Verluste und Opfer von anderen zu tragen sind.

Angesichts dieser vielschichtigen Fleißarbeit weiß ich nun, warum ich weder einen universitären Abschluß angestrebt noch gar eine wissenschaftliche Arbeit verfaßt habe. Meine Herangehensweise an eine solche Thematik ist eine grundsätzlich andere, und sie ist mit den wissenschaftlichen Standards universitärer Formalien schwerlich vereinbar. Das Material, welches Stefanie van de Kerkhof zusammengetragen hat, ist eindrucksvoll. Dennoch hat mich bei der Lektüre der Verdacht beschlichen, daß vor lauter Material die konsistente Aussage ein wenig verloren gegangen ist.

Die Frage, ob und inwieweit die deutschen Eisen– und Stahlindustriellen den Ersten Weltkrieg gewollt und mit befördert haben, läßt sich mit dieser Arbeit nur schwerlich beantworten. Das mag jedoch auch damit zusammenhängen, daß die Fragestellung der Autorin eine andere gewesen ist. Für mich ist das Ergebnis deshalb eher enttäuschend, aber vielleicht finden andere Historikerinnen und Leser hier brauchbare Hinweise für neue Fragestellungen.

Die Dissertation Von der Friedens– zur Kriegswirtschaft von Stefanie van de Kerkhof ist im Klartext Verlag erschienen. Das Buch hat gewichtige 480 Seiten und kostet – wie es sich für eine wissenschaftliche Arbeit gehört – stolze 33 Euro.

 

Gewonnen und doch verloren

Besprechung von : Rüdiger Siebert / Heinz Kotte – Vietnam hautnah. Ein Land im Umbruch, Horlemann Verlag 2006, 206 Seiten, € 12,90

Der globale Kapitalismus frißt seine Kinder, und er ist unersättlich. Keine Region dieser Erde kann sich ihm entziehen, auch die Länder nicht, die sich sozialistisch nennen. Kuba besitzt seine wohlorganisierten Ferienparadiese, um Devisen zu erwirtschaften, China forciert eine Industrialisierung, bei der es nur eine Frage der Zeit ist, bis die kommunistischen Kader auch Eigentümer der boomenden Betriebe werden, und auch das kleine Vietnam kann sich dem Zugriff des Kapitals nicht entziehen.

Buchcover Vietnam hautnahFür diejenigen, die in den 60er und 70er Jahren aufgewachsen sind, verbindet sich mit Vietnam einer der barbarischsten Kriege aller Zeiten. Diejenigen, welche später geboren wurden, gehen hier viel unbefangener vor. Dies gilt sowohl für ausländische Touristen wie auch für die Bewohnerinnen des Landes selbst. Von Rüdiger Siebert und Heinz Kotte ist dieses Jahr im Horlemann Verlag ein Lesebuch erschienen, das die vielen Facetten des marktwirtschaftlichen Umbruchs eines zentral gelenkten Staates aufzeigt. Der Titel Vietnam hautnah verweist hierbei auf das Nebeneinander von postmoderner Geschäftigkeit und realsozialistischem Beharren.

Da wird auch ein Busbahnhof zum Schauplatz und Lehrbeispiel der Veränderungen. Manchmal sind wir fast neidisch auf die jungen Reisenden, die noch keine Erinnerungen, keine Vergleiche, keine Beziehungen zu Vietnam in ihrem Gepäck mit herumschleppen. Wer nach 1968 geboren wurde, kann sich Land und Leuten heutzutage unbefangen nähern und eine der spannendsten Regionen Asiens entdecken. Einfach so, ohne geistigen Ballast und Skrupel. Wer sich der organisierten Gruppenreise anvertraut, braucht sich vor Ort um kaum mehr zu kümmern als den angemessenen Preis für Souvenirs. Wer aber auf eigene Faust reist, pendelt immer wieder zwischen den beiden Ebenen der doppelten Infrastruktur; und wer zu den betagteren Reisenden gehört, hat es mit der eigenen Vergangenheit und einer Gegenwart fundamentaler Neuorientierung auf einem Weg voller Widersprüche zu tun. Längst ist der amerikanische Dollar landesweite Zweitwährung geworden. Ironie der Geschichte. Ausgerechnet das Geld der Supermacht, die so opferreich aus dem armen Land vertrieben wurde, wird überall in Zahlung genommen und hat einen stabilen Umrechnungskurs, der den Schwarzmarkt austrocknet. Wer sich allerdings von der für Ausländer eingerichteten Infrastruktur der Bequemlichkeit entfernt […], wird über kurz oder lang auf der Straße oder auf einem Busbahnhof stehen und Vietnam hautnah erleben. [11]

Und das ist durchaus wörtlich zu nehmen, denn eine Reise in einem klapprigen Bus oder einem Sammeltaxi kann zu einer Angelegenheit werden, bei der sich die Menschen mehr unfreiwillig sehr nahe kommen.

Rüdiger Siebert und Heinz Kotte haben Vietnam auf diese Weise erfahren und erlebt, und hierbei ist ein Reportageband herausgekommen, der sich den üblichen Klischees entzieht und der einfühlsam und ohne eurozentristische Attitüde versucht, und das moderne Vietnam in all seinen Widersprüchen nahe zu bringen. Seit Michail Gorbatschows Perestroika Mitte der 80er Jahre ist auch in Vietnam das kapitalistische Gewinnstreben erlaubt; und wir können mitlesen, welche Auswirkungen der ungehemmte Markt in einem armen Land wie Vietnam hat. Subventionen werden gestrichen, soziale Dienste vernachlässigt, und die Folgen des Krieges werden entweder gewinnbringend vermarktet oder beschämt versteckt.

Vietnam ist kein demokratisches Land, und da paßt der Übergang zur Marktwirtschaft gut dazu. Wenn die beiden Autoren dann jedoch schildern, daß die Werke einer vietnamesischen Autorin verboten sind, aber in der kapitalistischen Zone des Landes als Übersetzung (Raubkopie) problemlos feilgeboten werden, dann ist das nicht belustigend, sondern hat seine eigene Tragik. Denn wer besitzt schon die nötigen Devisen?

Es ist genausowenig unfreiwillige Komik eines Übergangs zur Marktwirtschaft, wenn die Relikte des Krieges zu Attraktionen für zahlungskräftige Touristinnen und Touristen umgestaltet werden. Da kann man und frau durch die Tunnelsysteme des vietnamesischen Widerstandes kriechen und sich fragen, wie Menschen das jahrelang ausgehalten haben, darin zu leben? Und wir können uns fragen, was der jahrelange heroische Widerstand den Menschen wirklich gebracht hat, wenn viele Jahre später Vietnam nicht militärisch, sondern ganz ordinär wirtschaftlich erobert wird? "Der neue Konsumrausch frißt unsere Seele", sagt Frau Nguyen Tri Oanh.

Das Restaurant ist ein geeigneter Ort, darüber nachzudenken. Bierflaschen türmen sich neben den Tischen, und der Ton der Männerrunden ist laut und ausfällig. Die Bosse winken ihre Kumpane zu sich und schicken sie mit neuen Aufträgen fort. Auf der Straße werden sie von ihren Mädchen erwartet. [12]

Derweil immer noch Kinder mit Mißbildungen zur Welt kommen als Folge des flächendeckenden Einsatzes von Agent Orange, derweil immer noch Menschen auf den Feldern durch scharfe Munition getötet werden oder die Kriegsveteranen mehr oder weniger vergessen vor sich hinvegetieren. Es ist der Sozialdarwinismus, so meint Frau Oanh, der sich breit macht. Wie bei uns; nur daß es uns in einer der Metropolen des Weltmarktes noch relativ gut geht und die meisten Menschen In Vietnam in bitterster Armut leben.

Vietnam hautnah von Rüdiger Siebert und Heinz Kotte ist im Horlemann Verlag zum Preis von 12 Euro 90 erschienen.

 

Schluß

Jingle Alltag und Geschichte –

heute darüber, was geschah, bevor Kolumbus nach Amerika kam, welche Strategien die Unternehmer der deutschen Eisen– und Stahlindustrie vor und im 1. Weltkrieg verfolgten, sowie einige Reisereportagen aus Vietnam.

Vorgestellt habe ich hierbei die Bücher Bevor Kolumbus kam von René Oth aus dem Theiss Verlag, Von der Friedens– zur Kriegswirtschaft von Stefanie van de Kerkhof aus dem Klartext Verlag und Vietnam hautnah von Rüdiger Siebert und Heinz Kotte aus dem Horlemann Verlag.

Zu Amerika, Deutschland und Vietnam lassen sich natürlich noch andere Verbindungslinien ziehen. Als Berlin in den 60er Jahren angeblich in Vietnam verteidigt wurde, war es ein mittelständischer Betrieb in Deutschland, der die Grundsubstanz von Agent Orange herstellte. Und weil in diesem Land wie immer keiner von nichts etwas gewußt haben will, erinnert sich auch der ehemalige Geschäftsführer dieses Betriebes, der später für seine durch und durch patriotische Haltung zum Bundespräsidenten ernannt wurde, an gar nichts. Sein Name: Richard von Weizsäcker, der Liebling der aufgeklärten Bourgeoisie und ihrer alles nachplappernden Intelligenz. [13]

Wenn ihr diese Sendung am Montagnachmittag hört, dann möchte ich noch auf eine Veranstaltung am heutigen Montagabend hinweisen, und zwar auf eine Veranstaltung zu Kuba. Der Journalist Harald Neuber, der u.a. in der jungen Welt schreibt, referiert in der Teestube der Bessunger Knabenschule über eine Insel in starker Brandung – Kuba in der Kritik von links bis rechts. Beginn ist um 19 Uhr 30. Eine Aufzeichnung dieser Veranstaltung ist wahrscheinlich in zwei Wochen am 26. Juni bzw. in der Wiederholung am Dienstag, den 27. Juni, zu hören.

Diese Sendung wird in der Nacht von Montag auf Dienstag um 23.00 Uhr, am Dienstagmorgen nach dem Radiowecker um 8.00 Uhr und noch einmal am Dienstnachmittag ab 14.00 Uhr wiederholt. Das Manuskript zur Sendung gibt es im Verlauf der Woche auf meiner Homepage: www.waltpolitik.de. Es folgt nun nickelodeon, eine Sendung der Kulturredaktion von Radio Darmstadt. Am Mikrofon war Walter Kuhl.

 

 

ANMERKUNGEN

 

[1]   Am 15. Juni zeigten deutsche und polnische Männer, was Fußball mit handfester Gewalt verbindet.

[2]   Am 10. Juni zogen Neonazis durch die WM–Stadt Gelsenkirchen.

[3]   Vergleiche hierzu den Ausstellungskatalog Hannibal ad portas aus demselben Verlag, von mir am 27. Dezember 2004 in der Sendung Santorin–Karthago besprochen.

[4]   René Oth : Bevor Kolumbus kam, Seite 123

[5]   Vergleiche hierzu die Geschichte der Indianer in den Vereinigten Staaten und Kanada von Roger L. Nichols, von mir am 29. März 2004 in der Sendung Interpretationen besprochen.

[6]   Stefanie van de Kerkhof : Von der Friedens– zur Kriegswirtschaft, Seite 11

[7]   Rosa Luxemburgs Imperialismustheorie ist sowohl in ihren politischen Polemiken wie auch in ihrer Schrift Die Akkumulation des Kapitals [1913] nachzulesen. In ihrer theoretischen Begründung des Wesens des Militarismus und Imperialismus ist diese Schrift allemal erhellender als die Erkenntnisse der Friedens– und Konfliktforschung.

[8]   Siehe hierzu die Publikationen der Autorin.

[9]   Siehe hierzu: Aufklärer mit Gedächtnislücken, in: Süddeutsche Zeitung vom 17. August 2004. Dietmar Pieper : Kochs Standleitung ins Kabinett, in: Spiegel Online vom 14. Oktober 2005. Tobias Pflüger : Deutschland und die Europäische Union sind keine friedlichen Akteure der Weltpolitik, Rede am 15. April 2006. Wolfgang Pomrehn : Im Kongo künftig einen Fuß in der Tür, in: Telepolis vom 8. Juni 2006.

[10]   van de Kerkhof, Seite 412

[11]   Rüdiger Siebert / Heinz Kotte : Vietnam hautnah, Seite 150–151

[12]   Siebert/Kotte, Seite 73

[13]   Almut von Rickmann–Werder : Vietnamesische Agent–Orange–Opfer kämpfen weiterhin um Entschädigung, in: Sozialistische Zeitung, Mai 2006, Seite 17

 

 

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