Geschichtssendungen

1999

Die folgende Übersicht enthält die Inhalte meiner Geschichtssendungen aus dem Jahr 1999.

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15.02.1999 Atlantis, Troja, Delphi Sendemanuskript auf Anfrage

Viele Mythen ranken sich um Atlantis, worauf ich im Juli letzten Jahres in einer zweistündigen Sendung ausführlich eingegangen war. Damals vertrat ich den Standpunkt, daß Atlantis kein Mythos ist, sondern einen historischen Kern besitzt. Soweit, so denke ich, gibt es auch keine Veranlassung, diese Position zu überprüfen. Der Geoarchäologe Eberhard Zangger stellt mit seinen Forschungen die weithin akzeptierte Gleichsetzung von Atlantis mit dem minoischen Kreta bzw. der ägäischen Insel Santorin bzw. Thera in Frage. Da Zangger Atlantis mit Troja gleichsetzt, bietet es sich geradezu an, einen Rundgang durch den bislang ausgegrabenen Teil dieser antiken Stadt zu unternehmen. Und wenn wir schon in der klassischen griechischen Welt sind, wechsle ich den Schauplatz und beschäftige mich mit einigen ideologischen Grundlagen des antiken Griechenland. Das Orakel von Delphi besaß damals eine herausragende Bedeutung. Worin diese bestand und wieviel davon bloßer ideologiebeladener Mythos war, das soll im Anschluß an den Rundgang durch Troja dargelegt werden. Und zum Schluß werde ich mich mit einem historischen Weltatlas auseinandersetzen, über den ich mich teilweise ziemlich geärgert habe.

Besprochene Bücher :

  • Eberhard Zangger : Die Zukunft der Vergangenheit, Schneekluth Verlag
  • Manfred Korfmann und Dietrich Mannsperger : Troia, Konrad Theiss Verlag
  • Michael Maaß : Das antike Delphi, Konrad Theiss Verlag
  • Großer Atlas zur Weltgeschichte : Westermann Verlag

 

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20.09.1999 Cool Hour : "Mord am Strand" Sendemanuskript auf Anfrage

Besprechung von Jan Philipp Reemtsmas Buch Mord am Strand.

Nicht alle Kriege werden als Vernichtungskriege geführt, aber jeder Krieg verändert die Gesellschaft, die diesen Krieg führt. Kriege verändern diejenigen, die an ihnen teilnehmen, als Täter oder als Opfer. Traumata sind überall. Wer gewohnt ist, auf Befehl zu töten, wird sich in einer angeblich zivilisierten Gesellschaft schwer tun, Konflikte ohne Gewalt zu lösen.

Wer Krieg verstehen will, muß die Vorstellung vom Krieg als einem Instrument, das man gleichsam aufnehmen und nach Gebrauch wieder weglegen kann, aufgeben. Der Krieg ist selber ein Gesellschaftszustand, und eine Gesellschaft, die Krieg führt, tritt in einen anderen Zustand ein.

Und das gilt nicht nur in den großen kriegerischen Auseinandersetzungen, in den beiden Kriegen, die wir Weltkriege nennen, oder für den Vietnamkrieg oder für Bürgerkriege wie im ehemaligen Jugoslawien. Das gilt auch in Gesellschaften, die Kriege aus angeblich humanitären Gründen führen.

Ich zitierte [in der Sendung] Jan Philipp Reemtsma hinsichtlich der Heuchelei der angeblich Zivilisierten gegenüber den angeblichen Barbaren. Diese Heuchelei macht heute die deutsche Politik aus, die Geld und Waffen an Diktatoren und weniger diktatorische Regimes in aller Welt liefert und sich gleichzeitig über Menschenrechtsverletzungen ereifert, wenn es sie in die Lage versetzt, mit deutschen Waffen eingreifen zu können. Denn die Menschen sind diesen Menschenrechtlern völlig egal. Flüchtlinge werden aufgenommen, wenn es ins politische Kalkül paßt, und abgeschoben, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Das machen Christdemokraten nicht anders als Sozialdemokratinnen oder Grüne. Nicht alle Christdemokratinnen, nicht alle Sozialdemokraten und nicht alle Grüne. Aber die, die dabei nicht mitmachen, müssen schon erklären, warum sie noch in diesen Parteien sind.

Wenn eine Partei, die vor zwei Jahrzehnten angetreten war, die gesellschaftlichen Verhältnisse friedlich zu verändern, die sich als Markenzeichen den Begriff gewaltfrei umhängte, wenn ausgerechnet diese Partei erstmalig nach dem Zweiten Weltkrieg deutsche Truppen als Besatzungsmacht losschicken kann, dann sagt dies viel über diese Gesellschaft aus. Dann sagt dies viel über die allgemeine Akzeptanz von Gewalt in dieser Gesellschaft aus. Und auch über die vielen Lebenslügen, mit der diese Gewalt gerechtfertigt wird.

Besprochenes Buch :

Jan Philipp Reemtsma : Mord am Strand, Hamburger Edition

 

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29.11.1999 Cool Hour : Unbekanntes Ägypten Sendemanuskript auf Anfrage

Neuere Ausgrabungen lassen vermuten, daß die ägyptischen Hieroglyphen älter sind als bisher angenommen. Die Hieroglyphen - übersetzt etwa: heilige Zeichen - bestehen aus verschiednenen Elementen. Es gibt Zeichen, die einzelne Laute wiedergeben, in diesem Fall Konsonanten, da wie im Hebräischen oder Arabischen die Vokale - also a, e oder u - meist nicht geschrieben wurden. Es gibt Zeichen, die eine Silbe wiedergeben, und es gibt Zeichen, die ganze Begriffe benennen. Lange dachte frau und man, daß sich die Silben und dann die Konsonanten aus den Zeichen für bestimmte Begriffe entwickelt hätten. Diese Vorstellung ist jedoch durch neuere Ausgrabungen in Frage gestellt worden. Es könnte nämlich sein, daß die ägyptische Schrift in einem bewußten Schritt auf einmal eingeführt wurde. Ein anderes historisches Beispiel fär die Erfindung und planmäßige Einführung einer Schrift ist aus Korea bekannt - im Jahre 1444.

Die ersten ägyptischen Schriftzeichen wurden für ganz profane Dinge verwendet. Es wurden damit erhaltene Steuern - in Form von Naturalien - aufgezeichnet oder das Herstellungsdatum bestimmter in Lagern aufbewahrter Waren. Es kann davon ausgegangen werden, daß die Entwicklung der ägyptischen Schrift mit den Anfängen bürokratischer Verwaltung eines größeren Territoriums, das mit Gewalt erweitert wurde, einherging.

Der Reichtum Ägyptens entstammt den Goldfeldern Nubiens und der Ausbeutung von Sklavenarbeit. Gegen 1500 vor unserer Zeitrechnung eroberten die ägyptischen Armeen das südlich von Ägypten im heutigen Sudan gelegene Nubien. Die ergiebigsten Goldminen lagen tief in der Wüste zwischen Nil und Rotem Meer, in trockenen Flußbetten. Bis heute sind etwa 100 Goldminen bekannt, die zum Teil jahrhundertelang ausgebeutet wurden. Das Gold kommt an Stellen vor, in denen es im Laufe von Jahrmillionen angeschwemmt wurde, oder in Adern im Quarzgestein. Die Ausbeutung der Minen war rücksichtslos und andauernd. Das Gold wurde wahrscheinlich hauptsächlich von Sklaven geschürft - Kriegsgefangene der vielen ägyptischen Feldzüge oder von Sträflingen. Die Arbeit war so hart, daß die meisten dieser Sklaven sie nicht überlebten. Wasser war extrem knapp. Aus altägyptischen Texten ist bekannt, daß die Expeditionen zu den Goldfeldern einen beträchtlichen Teil der Arbeitskräfte allein durch Durst verlieren konnten, wenn es nicht gelang, Brunnen zu finden oder zu graben. Im Laufe von 50 Jahren konnte mit den damaligen Mitteln etwa eine Tonne Gold geschürft werden.

Es war dieser durch krasse Ausbeutung erworbene Reichtum, der ergänzt wurde durch die Eroberung und Ausplünderung anderer Gebiete, etwa im heutigen Palästina und Libanon, der die Grundlage für die vielen Monumente altägyptischer Macht und Pracht bildete. Ausbeuten ließen sich aber auch die ganz normalen Sterblichen des alten Ägyptens - etwa durch religiöse Zeremonien.

Die heilige Tiernekropole von Saqqara ist ein gewaltiger Grabkomplex mit einer unglaublichen Menge an mumifizierten Tieren: Paviane, Katzen, Kühe, Hunde, Falken und Ibisse. Jedes dieser Tiere wurde mit einem bestimmten Gott, der in einem Kult verehrt wurde, gleichgesetzt. Die Menschen kamen von weit her, um den Göttern ihre Opfer dazubringen und um mit ihnen zu sprechen. Dies taten sie hauptsächlich dadurch, daß sie für ein Tier oder einen Vogel ihrer Wahl bezahlten. Die Tiere wurden dann mumifiziert und häufig in einem Gefäß aufbewahrt. Die Gläubigen bezahlten dann einen Prister, damit ihm ein bestimmter Gott im Traum erschien, der den Ratsuchenden helfen sollte. Nun sind Götter bekanntlich vielbeschäftigt und so konnte es natürlich auch mehrere Tage dauern, bis ein Gott Zeit fand, im Traum eines Priesters zu erscheinen.

Die Priester - wer hätte es gedacht? - waren jedoch nicht immer fair zu ihren Kundinnen und Kunden. Zusätzlich zu den Ausführungen seiner Träume beinhaltete das Archiv eines bedeutenderen Priesters auch Aufzeichnungen verwaltungstechnischer Natur. Diese werfen ein faszinierendes und manchmal auch unvorteilhaftes Licht auf das Management und die alltägliche Praxis der Tierkulte. Korruption gab es auch damals schon. Betrug an den Pilgerinnen und Pilgern war offensichtlich verbreitet. In einem diesbezüglich angestellten Prozeß stellte sich zum Beispiel heraus, daß die Gefäße mit Vogelmumien, für die ein Pilger bezahlt hatte, leer waren. Der Skandal war derart groß, daß eine Kommission eingesetzt wurde, die das Bestattungssystem für die heiligen Vögel vollständig überprüfen sollte. Ob diese Kommission ähnlich zahn- und erfolglos war wie heutige parlamentarische Untersuchungsausschüsse, ist nicht überliefert.

Besprochenes Buch :

Vivian Davies und Renée Friedman : Unbekanntes Ägypten, Konrad Theiss Verlag

 

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05.12.1999 Es war ein harter Kampf um meine Erinnerung Sendemanuskript ist teilweise verfügbar.

Katharina Mann und Walter Kuhl führten ein Gespräch über das Buch von Margrit Schiller "Es war ein harter Kampf um meine Erinnerung". In ihrer Autobiographie hat Margrit Schiller über ihren Weg zur RAF, über ihre Knasterfahrungen und ihre Suche nach sich selbst geschrieben.

Besprochenes Buch :

Margrit Schiller, Es war ein harter Kampf um meine Erinnerung, Konkret Literatur Verlag

 

Diese Seite wurde zuletzt am 1. Juni 2009 aktualisiert.
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©  Walter Kuhl 2001, 2009
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