Atlantis |
Nachtrag zur Sendung |
|
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Anfrage Bernhard Beier, Forum Grenzwissen, 04.09.2002Lieber Walter Kuhl, nachdem ich im Web das Hintergrundmaterial zu Deiner
Atlantis Vielleicht kennst du dieses Forum ja schon; falls nicht: das ist ein nicht-kommerzielles Diskussionsforum (Mitgliedschaft selbstverständlich kostenlos, Registrierung unkompliziert), in dem Laien und Laienforscher sich über alle möglichen, grenzwissenschaftlichen Fragen unterhalten, untereinander Informationen austauschen oder auch einfach nur klönen können. Gerade haben wir dort ein aktuelles Research "WANTED Egerton Sykes" Mit diesem Projekt wollen wir das Lebenswerk einer der großen, vergessenen Atlantisforscher des 20. Jahrhunderts wiederentdecken und dazu beitragen, es erstmals für den deutschsprachigen Raum zu erschließen. Im Rahmen dieses Projekts beschäftigen wir uns auch mit "Paul
Schliemann", über den Du in Deiner Atlantis Auch erwähnt er, daß Paul Schliemann, der Enkel des Troja-Ausgräbers Heinrich Schliemann, von seinem Großvater eindeutige Beweise für die Existenz von Atlantis geerbt habe. Der Rezensent unterschlägt, daß die Phantasie mit Paul Schliemann durchgegangen war und er aufgrund eigener maßloser Selbstüberschätzung als Scharlatan aufflog. Er behauptete nämlich, einen bestimmten Text in einer Bibliothek überprüft zu haben. Leider irrte er in seinem Wahngebilde in der Bibliothek und der Stadt, in der sie steht. Naja, kann schon mal vorkommen. Funktioniert ja auch, solange es keiner überprüfen kann. WIR WOLLEN DAS ÜBERPRÜFEN!!! Dazu benötigen wir aber u. a. auch DRINGEND die Quellen zu Deinen oben gemachten Angaben zur Entlarvung Paul Schliemann[s] ("Bibliothek", usw.). [W]as wir bisher zusammengetragen haben, findest Du im forum grenzwissen.de. Mit herzlichen Grüßen Bernhard Beier Als Atlantisforscher, der auf wissenschaftskritischer, aber eindeutig rationaler, Basis arbeitet, möchte ich mich noch persönlich für Deine klaren und eindeutigen Aussagen zum Charakter des esoterischen Atlantismus bedanken! |
Mein Antwortschreiben vom 21.09.2002Hallo Bernhard, zu deiner Mail vom 4.9.2002 folgende Antwort, die du falls du es für sinnvoll erachtest auch im Forum Grenzwissen veröffentlichen kannst. Zunächst: Radio Darmstadt ist ein nichtkommerzielles selbstorganisiertes
Lokalradio mit einem Jahresetat von etwa 100.000 Euro. Allein schon daraus ergibt
sich, daß alle Redakteure und Moderatorinnen, die Techniker und Sendenden
ehrenamtlich arbeiten. Kein Musikarchiv, kein inhaltliches Archiv. Worauf ich mich
allein stützen kann, ist meine eigene Bibliothek und mein eigenes Archiv. Die
Ressourcen kommerzieller oder öffentlich Jetzt zu deiner Fragestellung: Ob es einen Paul Schliemann gegeben hat oder nicht, war für mich nie eine Fragestellung. Ich kann zunächst einmal auch nur die Literatur auswerten, die mir vorliegt, und die geht selbstverständlich von seiner Existenz aus. Sollte seine Existenz problematisiert werden müssen, war dies zum Zeitpunkt der Sendung (1998) für mich nicht ersichtlich. Zur Frage der Quelle, auf die ich mich beziehe. Es handelt sich um einen Absatz aus dem Buch von Bernhard Mackowiak, Atlantis Nachrichten aus einer versunkenen Welt, Kosmos Verlag, Stuttgart 1997. Er schreibt dort auf den Seite 5254: Der große Bluff des Dr. Heinrich Schliemann Am 20. Oktober 1912 erschien in der Tageszeitung New York American folgende Schlagzeile: "Wie ich Atlantis wiederfand - die Wiege aller Kulturen". Als Autor zeichnete Dr. Paul Schliemann, der Enkel des Troja In dem Umschlag wären so der Enkel unter anderem Notizen seines Großvaters gewesen, die von Funden aus der Gegend von Troja berichteten, zu denen auch eine riesige Bronzevase gehörte, die Münzen und Gegenstände enthalten habe. Die Vase und einige Gegenstände hätten folgende Inschrift getragen: "Von König Kronos von Atlantis". "Sie können sich meine Erregung vorstellen", schrieb der junge Schliemann. "Hier war das erste Beweismaterial für jenen großen Kontinent, dessen Legende die Zeitalter überdauert hatte." Durch diese Hinweise sowie seine eigenen Forschungen habe er so Schliemann weiter schließlich das Rätsel von Atlantis lösen können. Wie andere vor ihm behauptete der Autor, die Kulturen der Neuen und Alten Welt hätten einen gemeinsamen Ursprung in Atlantis. Er sei in der Lage, den Troano Codex zu entziffern, jenen alten Maya An dieser Stelle begannen die Experten mißtrauisch zu werden, denn Paul Schliemann behauptete, den Troano Codex im British Museum gelesen zu haben obwohl er im Nationalmuseum zu Madrid aufbewahrt wird. Außerdem war seine "Übersetzung" der eines exzentrischen französischen Gelehrten auffallend ähnlich und wohl eher einer lebhaften Phantasie als einem linguistischen Talent zu verdanken. Doch Amerika war längst im Atlantis Quellenangaben oder Literaturverweise fehlen. Bleiben dennoch Fragen und Anmerkungen: 1) Was für eine Sorte Zeitung war der New York American? 2) Seit wann ist Kronos (ein Gott der griechischen Mythologie) die
Namensform eines nichtgriechischen Herrschers? Kronos ist der Vater des Zeus.
Da Zeus seinen Vater stürzt und absetzt, könnte, muß aber
nicht, hier die griechische Landnahme im 2. Jahrtausend v.u.Z.
gegenüber einer vorgriechischen Bevölkerung symbolisiert sein, die
nicht die Atlanter waren. Zeus war übrigens nicht der Hauptgott der
mykenischen Griechen; das war wahrscheinlich Poseidon (Vater ebenfalls Kronos).
Hierzu im übrigen Robert von Ranke 3) In der Tat werden in Troja ausgegrabene Gegenstände in Zeichungen als eulenköpfig widergegeben. Was diese Eulenköpfigkeit mit Atlantis zu tun haben soll, ist völlig unklar. Hier wird offensichtlich ein trojanisches Detail mystifiziert, das in der damaligen (halb)wissenschaftlichen Debatte um die Authentizität der trojanischen Funde eine gewisse Rolle gespielt hat (siehe hierzu auch: C.W. Ceram, Götter, Gräber und Gelehrte). Eulenköpfige Siegelsteine sind jedoch schon aus der frühen minoischen Kultur bekannt. 4) Maya Aus all dem kann ich nur den Schluß ziehen, daß auch unabhängig vom Nachweis der realen Existenz eines Paul Schliemann nichts darauf hinweist, daß hier irgendetwas wissenschaftlich Verwertbares aufzudecken ist. Ich weiß zwar nicht, ob dies euch bei eurer Suche nach Paul Schliemann
weiterhilft, aber ich fürchte, es ist ohnehin sinnlos, hier Erkenntnisse
über die Existenz oder Nichtexistenz von Atlantis erwarten zu wollen. Die
einzige wesentliche Korrektur an meiner Sendung von 1998, die ich heute
vornehmen würde, betrifft den Zusammenhang von Thera/Santorin und
Atlantis. Wenn ich die neueren Forschungsergebnisse richtig einordne, gilt es
inzwischen als sehr fraglich, ob der Ausbruch des Thera- Grüße aus Darmstadt Walter Kuhl |
|
|